Philip K Dick vs inszenierte Wissenschaft

Philip k Dick war ein Schriftsteller der sich auf paranoide Science-Fiction spezialisiert hat. Dieses Spezialgebiet funktioniert so, dass man ein „Was wäre-wenn Szenario“ als Realität annimmt und so den Leser in diesen Abgrund mit hineinzieht. Das beste Beispiel ist wohl, dass man annimmt dass im Jahr 1850 bereits die ersten Computer erfunden wurden und man sich ausmalt wie dann die Wirklichkeit aussieht. Und als kleinen Bonus man nicht darauf hinweist, dass es nur ein What-if-Szenario ist, sondern man schreibt den Roman als Tatsachenbericht.

So interessant solche Schilderungen auch sein mögen, haben sie jedoch einen Nachteil: man lernt daraus nichts. Paranoia bzw. die Konstruktion von Alternativ-Wahrheiten ist ähnlich wie die Religion nicht darauf angelegt Wissen zu generieren sondern versteht sich als Gegenmodell zur etablierten Wissenschaft. Paranoide Science-Fiction ist eine Art von Anti-These zur Aufklärung, es wird dort die Wirklichkeit aktiv bekämpft und Fortschritt negiert.

Innerhalb der Kulturproduktion ist paranoide Science-Fiction sehr attraktiv und manche bezeichnen es sogar als den Gold-Standard zum Entwickeln von Geschichten. Wenn man Realität und Fiktion miteinander geschickt kombiniert so dass der Roman nicht länger als Erzählung sondern als Wirklichkeit angesehen wird, ist der maximale Impact erreicht und der Autor kann zurecht stolz auf sich sein. Aber was ist das Äquivalent in den Naturwissenschaften? Darum soll es im folgenden gehen.

Um erfolgreiche Wissenschaft zu betreiben bedarf es anderer Prinzipien als beim Schreiben von Romanen. Für ein wissenschaftliches Paper ist es nicht ausreichend wenn es sich spannend liest. Sondern wissenschaftliche Paper sollen einen Mehrwert erzeugen. Um das zu erreichen gibt es ein Verfahren was als „staged failure science“ bezeichnet wird. Es besteht aus zwei Elementen: erstens, das Projekt wird zum Scheitern gebracht bzw. dessen Scheitern wird nicht tabuisiert und zweitens es wird populärwissenschaftlich inszeniert also mit begleitenden Vorträgen die leicht verständlich sind.

Diese Merkmale tatsächlich umzusetzen ist nicht leicht. Eine stagged failure science ist daher die Ausnahme. Der Grund dafür ist, dass die meisten Wissenschaftler nicht in der Lage sind, ihre Arbeit allgemeinverständlich aufzubereiten und vor allem sind sie nicht in der Lage es so darzustellen dass es kritisierbar bleibt. Die übliche Wissenschaft sieht leider so aus, dass ein Paper komplett unverständlich ist und das darin behauptet wird, dass die Projektziele vollumfänglich erreicht wurden. Solche Paper kann man im Grunde gleich schreddern ohne sie näher zu begutachten nur leider betrifft das relativ viel Forschung die gegenwärtig betrieben wird. Woran das liegt ist simpel: zunächst einmal wollen Wissenschaftler nicht zugeben, dass sie keine Ahnung haben und zum Zweiten haben sie Angst sich lächerlich zu machen.

Die Alternative dazu lautet, dass man ganz bewusst Wissenschaftsprojekte als Fehlschlag hinstellt. Die Grundhypthese lautet dass das Projekt gescheitert ist und anschließend sucht man dafür dann Erklärungen bzw. Belege die diese These stützen. Auf diese Weise kann man sogar im Nachhinein frühere Projekte umdefinieren. Das zweite wichtige Element besteht darin, ein Projekt nicht einfach nur durchzuführen sondern es als Computerspiel zu verstehen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass Computerspiele jene Ausdrucksform sind, die am einfachten verstanden werden und das größte Medienecho erhalten. Der Grund dafür ist, dass Computerspiele dem Zeitvertreib zugerechnet werden und ganz bewusst vereinfachen.

Große gescheiterte Projekte wie das SDI Starwars Programm oder die Obamacare Website können am Jahrestag ihrer Gründung regelrecht gefeiert werden. Der 23. März 1983 ist beispielsweise der Gründungstag für das SDI Programm und jedes Jahr kann man dieses Datum mit Luftballons, Kuchen und Werbevideos des originalen SDI Projektes feiern. Die Zeremonie ist zwar nur etwas für Eingeweihte, stellt aber nichts desto trotz den Goldstandard da wenn man über lernfähige Organisationen und bootstrapping Wissenschaft philosophiert.

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