Edward Snowden — 3 Jahre danach

Im Jahr 2013 ist Edward Snowden an die Welt herangetreten und hat das NSA Überwachungsprogramm enthüllt. Zeit für einen kleinen Rückblick und eine Untersuchung bezüglich des Wahrheitsgehaltes. Der Fall Snowden ist auf mehreren Ebenen dokumentiert worden. Einmal über die mediale Berichterstattung, hier sind Dokumentarfilme zu nennen wie “Citizen four” die die genauen Abläufe beschreiben (Hotelzimmer in Hongkong), aber auch der NSA Untersuchungsschuss oder die zahlreichen Vorträge vom Chaos Computer Club zu diesem Thema können unter diesem Aspekt zusammengefasst werden und zweitens gibt es noch die NSA-Dokumente selbst die Snowden veröffentlicht hat und welche inzwischen auf archive.org als Unterordner vollständig einsehbar sind.

Wenn man sich diese Dokumente näher anschaut und die Interviews mit Snowden hinzunimmt, hat Snowden in erster Linie politische Informationen veröffentlicht. Also Fakten über Geheimgerichte, institutionelle Absprachen und Geheimverträge mit Unternehmen. Auch die Dokumente selbst enthalten keinerlei Sourcecode oder technische Einzelheiten sondern lesen sich wie die Topsecret Dokumente die bei einer gerichtlichen Anhörung eingesetzt werden. Es wird darin eine bürokratische Sprache bemüht die auf Verordnungen und Institutionen basiert.

Den Wahrheitsgehalt der Dokumente einzuschätzen ist simpel: sie sind echt. Das was Snowden dort entwendet hat lag tatsächlich auf den NSA Servern und auch die angedeuteten Geheimgerichte sind echt. Man kann das anhand von weiteren Aussagen und weiteren Dokumenten die nicht von Snwoden stammen belegen. Gleichzeitig ist jedoch das NSA-Überwachungsprogramm von dem Snowden spricht eine Lüge. Wahr ist nur, dass die NSA gerne so ein allumfassendes Überwachungsprogramm installieren möchte mit dem man jeden Menschen vollautomatisch trackt und seine Kommunikationsdaten abhören kann. Die Snowden Dokumente sind weniger ein Beleg dafür, dass es schon realisiert wurde, sondern müssen als Absichtserklärung bzw. als Werbeprospekt für ein solches Projekt verstanden werden. Es sind Konzeptstudien die technisch bisher noch nicht realisiert wurden.

Wenn man die Affäre aus technischer Sicht bewerten möchte muss man sagen, dass derzeit die Computertechnik noch nicht soweit entwickelt ist um die Snowden Folien in die Praxis umzusetzen. Weder existieren Quantencomputer noch Künstliche Intelligenz um Daten automatisiert auszuwerten. Den technischen Stand so wie er aktuell ist, liefert nicht Snowden sondern der lässt sich auf Google Scholar nachlesen und zwar mit dem Stichwort “IARPA”. Damit erhält man eine Vielzahl von technischen Dokumenten angezeigt die sich mit Datamining von großen Datenmengen beschäftigen und worin auch Künstliche Intelligenz einen Rolle spielt. Wer sich für ein mögliches NSA Programm interessiert dürfte mit diesen Google Scholar Dokumenten weitaus besser bedient sein, als mit den Powerpoint Folien von Snowden. Diese sind zwar streckenweise interessant (beispielsweise die Folie wo erläutert wird, dass die NSA auch Computerspiele analysiert), aber weder enthalten die Dokumente technische Details, und auch keine Literaturangaben. Sie werden nochnichtmal formalen wissenschaftlichen Ansprüchen gerecht geschweige denn bieten sie neue Informationen.

Hingegen findet sich auf Google Scholar sehr detailiert, woran die NSA gerade arbeitet:

• 3D Integration for Superconducting Qubits

• Barcoding the brain

• Compact kernel models for acoustic modeling via random feature selection

• Face recognition using deep multi-pose representations

Das sind nur ein paar der Stichwort die im Jahr 2016 untersucht worden, es würe müßig hier alles aufzuzählen. Das interessante an diesen NSA Forschungen ist, dass sie bisher noch nicht abgeschlossen sind. Das heißt, keines der Systeme ist wirklich einsatzbereit oder fehlerfrei. Das einzige was man sagen kann, ist dass die Forschung überwiegend als OpenContent durchgeführt wird und sich jeder Bürger mit Internetzugang diese Dokumente anschauen kann. Interessanterweise haben diese frei verfügbaren Google Scholar Paper in der Edward Snowden Diskussion keine Rolle gespielt und auch die darin behandelten Themen wurden nicht angesprochen.

Viel wurde inzwischen darüber spekuliert ob Snowden in Wahhriet für die NSA arbeitet und der Fall nur Desinformation war. Vielleicht von allem ein bisschen. Was man jedoch sagen kann ist, dass Snowden kein Wissenschaftler ist und auch kein Informatiker sondern sich ähnlich wie Julien Assange primär für die gesellschaftliche Rolle der elektronischen Datenverarbeitung interessiert. Also darauf fokussiert wie Geheimdienste die Bürger ausspionieren und dass man dagegen etwas tun muss. Snowden ist ein Netzaktivist, mehr nicht. Seine Kernaussage lautet, dass Technologie per se etwas schlechtes ist. Gerade in Deutschland hört man soetwas gern weil Deutschland ohnehin die Hochburg der Neoludditen und Computeranalphabeten ist.

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