Erste Hilfe bei einem Ohrenschmalzpropf


Dieser Artikel wurde aus meinem alten Blog importiert. Er wurde dort häufig und gerne gelesen. Erneut wünsche ich viel Vergnügen damit.

Schmalzablagerungen im Gehörgang zählen zu den unangenehmsten Dingen, mit denen man konfrontiert werden kann. Und so ist das Internet natürlich übervoll von gutgemeinten Tipps und Hinweisen was man dagegen tun kann. Doch die meisten dieser Geheimrezpte funktionieren in der Praxis nicht und so ist der Fall gar nicht mal so selten, dass man verzweifelt am Computer sitzt und sich nichts sehnlicher wünscht, als endlich von diesem Schmalzpropfen erlöst zu werden. Auf Youtube gibt es dazu ein Videos (Titel „eckelhafter Schmalz im Gehörgang“) oder so ähnlich. Gezeigt wird dabei, wie ein HNO-Arzt mit einem Löffelchen ganz tief im Ohr den schwarzen Schmalz umgräbt und ans Tageslicht befördert. Für Außenstehende mag dieses Video eckelig wirken, für Leidtragende jedoch ist es überhaupt nicht eckelig. Sie wünschen sich nichts sehnlicher, als endlich diesem Schmalz habhaft zu werden. Weil dies ein untrügliches Zeichen dafür wäre, die Gefahr für Leib und Leben gebannt zu haben. Denn Ungemach droht vieles: angefangen vom Gefühl nichts mehr zu hören, über mögliche bakterielle Folgeinfektionen bis hin zu zerplatzten Trommelfeldern aufgrund unsachgemäßem starkem Wasserstrahl ist hier alles möglich.

Um sie verehrter Leser nicht allzulange auf die Folter zu spannen, möchte ich an dieser Stelle eine best-practice-Methode vorstellen um dem Problem medizinisch korrekt Herr zu werden. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an einen ähnlichen Blogpost auf dieser Seite. Damals ging es um die Frage, wie man den Abfluss ein verstopften WC effektiv reinigen kann. Damals habe ich die einzige wirklich funktionierende Lösung vorgestellt. Aber bevor sie nun anfangen, eine Reinigungsspirale in ihren Gehörgang einzuführen, möchte ich sie doch bitten, noch etwas Geduld zu üben um dann im nächsten Absatz zu erfahren, wie man Ohrenschmalz richtig entfernt.

Als erstes muss dieser aufgeweicht werden. Dazu wird etwas Oliven- oder Pflanzenöl in einem Topf erhitzt, so dass es mehr als laufwarm wird. Anschließend tröpfelt man das Pflanzenöl in den Gehörgang ein (Kopf dabei schräg halten). Als Dosierhilfe eignet sich dazu entweder eine professionelle Pipette oder ein Strohhalm, der an einer Seite mit dem Daumen abgedichtet wird. So das Öl ist im Gehörgang, jetzt heißt es ruhen. Ungefähr 10 Minuten, besser etwas länger, sollte man sich auf ein Bett legen, so dass das Öl nicht herauslaufen kann. Dabei denkt man zweckmäßigerweise an den Metallmann aus dem Kinderbuch „Der Zauberer von Oz“. Dieser hatte ebenfalls immer ein Ölkanne dabei um jederzeit seine Gelenke zu schmieren.

Nachdem das Öl im Gehörgang gewirkt hat, wird man keinerlei Verbesserung spüren. Der Schmalzpropf ist nachwievor im Ohr und das spürt man auch. Deshalb muss er jetzt herausgespült werden. Die Auswahl dafür ist überreichlich: Duschkopf, Munddusche, Ohrendusche vom HNO-Arzt oder eine Blumenspritze. All diese Utensilien vermögen einen Wasserstrahl gezielt auf eine bestimmte Stelle zu richten. Bevor man zur Tat schreitet sollte man sich klarmachen, dass es nicht auf den Wasserdruck ankommt, sondern auf das korrekte Zielen. Das bedeutet, sie können ihren Duschschlauch auf Maximum stellen und Unmengen an Wasser in ihr Ohr pumpen, und trotzdem kann es passieren, dass sie nicht ihren Gehörgang dabei treffen sondern ausschließlich die Muschel. Mein persönlicher Favorit zum Erzeugen eines Wasserstrahls ist eine handelsübliche Blumenspritze. Ihr größter Vorteil ist ihre Unscheinbarkeit. Sie wird rein mechanisch angetrieben und der erzeugte Wasserstrahl ist eher als schwach einzustufen. Aber dafür kann man sie mit Hilfe eines Spiegels sehr genau in das Ohr positionieren. Man muss dabei so zielen, als wollte man einen Pflock von hinten durch den Kopf in Richtung Augen schießen. (Natürlich nur sinnbildlich). Gemeint ist damit, dass man nicht parallel in den Kopf seitlich hineinschießt, sondern die Spritze etwas dreht, also von hinten ins Auge.

Dabei beachten, dass man nur einen schwachen Strahl erzeugt. Es reicht eigentlich nur ein ganz sanfter Wasserstrahl. Wenn man richtig zielt ist dieser völlig ausreichend. Weiterhin sollte man zuvor das abgestandene Blumenwasser aus hygienischen Gründen durch frisch aufgefülltes warmes Wasser ersetzen.

Führt man diese Prozedur gewissenhaft durch, wird man nur durch eine Blumenspritze plus Olivenöl zum Einweichen extrem viel Schmalz ans Tageslicht befördern. Mit ein bisschen Glück ist sogar ein richtig fetter Pfropfen dabei, auf den man so angestrengt hingearbeitet hat. Falls man geschickt genug ist, kann man diesen beiseite tun und längerfristig aufbewahren. Beispielsweise zu weiteren Experimenten um zu überprüfen, welches Pflanzenöl besser als Weichmacher geeignet ist.

Vielleicht noch zum Abschluss eine kleine Warnung: Auch bei der Verwendung einer Blumenspritze unter schwachem Wasserdruck wird man Gleichgewichtsprobleme verspüren. Auch wenn man nur sehr wenig Wasser bei Minimaldruck in den Gehörgang gibt, wird das Gleichgewichtsorgan dies bemerken. Man sollte also damit rechnen, evtl. zittrige Knie zu bekommen oder ähnliches.

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Vielleicht zum Abschluss noch eine Begründung für die oben beschriebene Prozedur und warum ich diese als Best-Practice definiere. Grundsätzlich kann man einen Schmalzpropf mit Gewalt immer entfernen. Man braucht den Patienten einfach nur das Ohr abzuschneiden und mit einem Meißel das Zeug entfernen. Danach ist man Besitzer des Schmalzes, und der Patient ist leider tot. Ebenso könnte man einen Schmalzpfropf sicherlich rein mechanisch mittels Büroklammer entfernen. Dazu einfach eine rostige Drahtklammer in den Gehörgang einführen und solange direkt am Trommelfell herumpopeln bis der Schmalz weg ist. Leider kann man anschließend eine irreversibele Trommelfell-Perforation vorzuweisen, was ebenfalls nicht erwünscht sein dürfte.

Insofern gilt es eine Balance zu wahren aus minimalinvasivem Eingriff einerseits und einem Heilerfolg andererseits. Das Ziel besteht darin, möglichst intelligent an die Sache heranzugehen. Am besten also überhaupt nichts tun, und wenn, dann nur sehr wenig. So sind die Gefahren für Mensch und Tier gleichermaßen minimiert (es soll auch Hunde geben, die mit Ohrschmalzproblemem zu kämpfen haben). Besonders kritisch sind an dieser Stelle die in vielen HNO-Praxis eingesetzen Ohrspülungsgeräte zu bewerten. Diese erfüllen selbstverständlich den gewünschten Zweck allerdings wird dazu ein unverhältnis hoher Wasserdruck verwendet. Die meisten dieser Geräte funktionieren elektrisch und sind technologisch mit einer Munddusche verwand. Der Reinigungseffekt wird durch eine scharfen Wasserstrahl erzeugt.

Leider kann hoher Druck mitunter dazu führen, dass das Innenohr beschädigt wird. Und so gibt es auch im Internet einige (wenn auch seltene Berichte) über Patienten die vorschriftsmäßig einen professionellen Ohrenarzt aufgesucht haben, dort auch behandelt wurden, aber als Komplikation anschließend mit einem blutendem Ohr nach Hause gegangen sind. D.h. der Arzt hat das Gerät unter Maximaldruck verwendet, und damit das Ohr beschädigt. Generell sollte man sich bewusst machen, dass jeder Wasserstrahl der ins Ohr geschossen wird, ein Risiko darstellt. Selbst die von mir empfohlene Blumenspritze ist bei Minimaldruck bereits ein Risiko. (Die Nebenwirkung des kurzzeitig gestörten Gleichgewichtssinns habe ich bereits erwähnt). Und deshalb gilt es die Risiken nach Möglichkeit auf ein akzeptables Maß zu reduzieren. Das bedeutet, die Vorbereitung mit eingetröpfeltem Olivenöl ist keineswegs überflüssiges Beiwerk, sondern dient dazu den darauf folgenden Wasserstrahl bei einem Minimaldruck einsetzen zu können und trotzdem noch einen Behandlungserfolg vorweisen zu können.

Das heißt, natürlich muss auch der HNO-Arzt Wasser in den Gehörgang spritzen, sonst wird er das Problem nicht lösen können. Aber er sollte zumindest soviel Ahnung vom Fach haben, dass er es richtig macht und Nebenwirkungen auschließen kann.

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Ein Gedanke zu “Erste Hilfe bei einem Ohrenschmalzpropf

  1. Das ist ein Testkommentar um zu testen, ob die WordPress-Installation richtig funktioniert. Bitte nicht beachten.

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