Zukunft der Raumfahrt


Um es abzukürzen, die Raumfahrt hat keine Zukunft. Die Zeit der Entdeckungen ist vorbei, man kann nur einmal als erstes auf dem Mond landen. Um der Raumfahrt eine Fortschrittstreibende Bedeutung zuzumessen, muss man sich gedanklich in die Vergangenheit begeben. Vielleicht in die 1950’er. Damals hatte Raumfahrt eine Zukunft. Denn es war damals noch unklar wie man eine Raumstation baut, wie man andere Planeten besucht oder wie man Satelliten baut. Heute wissen wir es. Allerdings ist die unmittelbare Nachbarschaft der Erde inzwischen kartographiert und Leben gibt es auf dem Mond oder Mars auch keines. Neue Erkenntnisse über den Weltraum sind auch nicht zu erwarten und so fragt man sich welche Perspektive die NASA noch hat?

Leider gar keine. Selbst technologisch ist das was in Weltraummissionen verwendet wird, völlig veraltet. Bei der hochgelobten Deep-Space-1 Mission kam im Jahr 1998 beispielsweise ein RAD6000 CPU zum Einsatz. Das ist für die NASA so eine Art von workhorse was in vielen Missionen eingesetzt wird. Die leistung dieser weltraumtauglichen CPU ist weitaus niedriger als bei einem raspberry PI. Selbst ein Computerspiel wie Doom würde darauf nicht laufen. Zum damaligen Zeitpunkt war die RAD6000 CPU jedoch das leistungsfähigste Modell was man hatte. Das Problem liegt schlichtweg darin, dass man in einer Raumsonde nur sehr wenig Strom hat, dass die CPU gehärtet sein muss gegen Strahlung, und dass die Innovationszyklen in der Raumfahrt sehr langsam laufen.

Wird sich daran in Zukunft etwas ändern? Wohl kaum, auch Raummissionen der Zuukunft werden mit altersschwachen CPUs durchgeführt werden, und die Verwendung eines Großcomputers auf der Erde der Signale zum Raumsonde sendet geht auch nicht, weil dafür die Distanzen zu groß sind. Aber was noch schwerer wiegt: selbst wenn man eine Raumsonde mit einer modernen Intel Core i7 Gamer-CPU ausstatten könnte, würde es nichts bringen, weil man auf dem Mond oder Mars ohnehin nichts sinnvolles mit einem Roboter anstellen kann. Weitere Distanzen zu anderen Planeten kann man auch nicht überwinden (Konstanz der Lichtgeschwindigkeit) und selbst die Utopie mittels Laser und Sonnensegel in eine Nachbargalaxie vorzustoßen würde selbst im Erfolgsfall keine neue Erkenntnisse bringen. Das dort kein intelligentes Leben ist, wissen wir durch die Teleskope und Radiomessungen ohnehin.

Offiziell lässt die NASA nach wie vor verlautbaren dass die große Pläne hat, neue Antriebskonzepte erforschen will und unbemannte Missionen mit mehreren Raumsonden durchführen möchte. Tatsächlich ist die Raumfahrt in einer schweren Krise. Menschen in den Weltraum zu schicken ist zwar möglich, ist aber viel zu teuer. Roboter in den Weltraum zu schicken ist zwar billiger bringt aber nichts. Denn mal ehrlich, was genau hat das Mars Sojourner der Menschheit gebracht? Gar nichts.

Keineswegs ist Raumfahrt per se etwas schlechts. Geht man in den 1950’er Jahre zurück, war Raumfahrt das spannenste was man sich vorstellen konnte. Es gab viel zu erforschen. Aber heute? Selbst wenn man zig-Milliarden in die Raumfahrt geben würde, hätte man im Erfolgsfall in 20 Jahren eine bemannte Mars-Mission. Wo also ein Amerikaner auf dem roten Planeten landet, dort Staub einsammelt, die Fahne in den Sand steckt und dann gesund und munter zurückkommt. Irgendwas bringen würde das nichts. Es handelt sich hier um eine Mission, die extrem risikoreich in Sachen Kosten ist, auf der anderen Seite keinerlei Nutzen verspricht.

Natürlich hat die Raumfahrt generell betrachtet einen hohen Nutzen. Durch Satelliten im Weltraum ist beispielsweise heute weltweite Telekommunikation möglich, und wenn Apollo 11 nicht gewesen wäre, so müsste man jetzt eine Mondmission durchführen nur um zu sehen ob es geht. Ferner waren Projekte wie Voyager 1 sicherllich eine gute Sache. Aber das sind alles Erfolge der Vergangenheit. Relevant ist jedoch nur die Gegenwart und das Morgen, weil man hier Entscheidungen treffen kann. Und zu glauben, dass man die Erfolge der Vergangenheit wiederholen kann ist ein Trugschluss. Die Zeit der Raumfahrt ist vorbei, die Wünsche sind realisiert worden.

Ernüchternd ist die Erkenntnis dass es außerhalb der Erde kein Leben gibt. Gäbe es auf dem Mond Wasser und Bäume, könnte man überlegen dort eine Kolonie zu errichten. Gäbe es auf dem Jupiter bakterielles Leben, könnte man es erforschen. Gäbe es Radiosignale mit intelligenten Botschaften aus anderen Sonnensystemen könnte man Kontakt aufnehmen. Aber nichts davon existiert. Es wurde kein Anzeichen für Leben gefunden, und das bedeutet nichts anderes, als dass jede Form von Raumfahrt die in den nächsten 50 Jahren möglich wäre, daran auch nichts ändern wird. Man kann den Mond noch dutzendmal besuchen, das Ergebnis dass es sich um einen trostlosen Planeten handelt wird das selbe sein.

Ich glaube, man sollte unterscheiden zwischen Raumfahrt einerseits (das was die NASA macht) und Astronomie. Astronomie ist die Wissenschaft von der Erforschung des Weltraums. Also das Erstellen von Sternenkarten oder das Entwickeln von Hypothesen über den Urknall. Diese Wissenschaft hat wie jede andere Wissenschaft ihre Daseinsberechtigung, man kann hier neue Erkenntnisse gewinnen. Auf der anderen Seite gibt es noch die Raumfahrt, welche praktisch orientiert ist, wo es also darum geht, Raumschiffe zu bauen, Menschen in den Weltraum zu schicken oder Nutzlasten zur ISS zu transportieren. Diese Fragen haben mit Wissenschaft nicht das geringste zu tun. Es wird nichts erforscht, sondern es wird ein wirtschaftlicher Komplex am Laufen gehalten.

Die Gesamtausgaben für die ISS Raumstation betrugen bereits 150 Milliarden US$. Einen wissenschaftlichen Nutzen gab es keinen. Hätte man dieses Geld nicht eher in die Forschung stecken sollen? Also anstatt eine Raumstation zu bauen, lieber Grundlagenforschung zu betreiben? Ich sage ja. Das Problem ist, dass die NASA niemals eine wissenschaftliche Organisation war, sondern sich dem Machen verpflichtet fühlt. Immer ging es darum, irgendwelche Projekte durchzuführen, Menschen ins All zu schicken, Bodenproben zu sammeln. Das war das erklärte Ziel der NASA. Nur was bringt das? Ein gutes Beispiel ist wohl die Apollo Mission. Der erste Mann auf dem Mond in Apollo 11 hatte durchaus noch einen wissenschaftlichen Nutzen. Es war der Beweis, dass es grundsätzlich möglich ist. Aber die Folgemissionen Apollo 12 usw, hatten mit Wissenschaft nichts mehr zu tun. Es war lediglich die Freude an einer funktionierenden NASA Machinerie. Das also alle Mitarbeiter gut zusammenarbeiten, in der Lage sind ein Projekt durchzuziehen und ausgelastet sind. Genausogut hätte die NASA auch einen olympischen Wettbewerb austragen können und sich darüber freuen, dass er so gut beim Publikum ankommt. Das wäre zwar ein erfolgreiches Projekt gewesen, aber eben kein wissenschaftliches Projekt.

KALTER KRIEG
Um zu verstehen, warum die NASA gegründet wurde, muss man in den kalten Krieg zurückgehen. Ursprünglich wurden die Trägerraketen für militärische Aufgaben (Atombombe über weite Distanzen zu verschießen) entwickelt. Die zivile Raumfahrt wurde als Alibiprojekt betrieben um die Entwicklung von Raketen zu begründen. Aus Sicht der 1950’er machte diese Symbiose Sinn. Einerseits gab es wissenschaftliche Fragestellungen wie „Gibt es Wasser auf dem Mond?“ andererseits benötigte das Militär Raketen.

Heute ist jedoch die Lage eine andere. Wissenschaftliche Fragestellungen gibt es keine mehr, und das Militär besitzt inzwischen leistungsfähige Raketen. Das heißt, der NASA fehlt es an Legitimation. Noch immer wird so getan, als gäbe es im Weltraum irgendwas zu erforschen. Aber schauen wir uns dochmal die konkreten Pläne der NASA an: sie wollen eine Mondbasis bauen und sie wollen den Mars mit Menschen besuchen. Macht das für jemanden noch Sinn? Wie es auf dem Mars aussieht wissen wir. Es gibt umfangreiches Videomaterial, Bodenproben und Beobachtungen durch Teleskope. Auf dem Mars gibt es keinerlei Städte von alten Kulturen, keinerlei höhere Lebensformen. Lediglich einige Details sind noch offen wie die Frage ob es dort Wasser gibt, und ob möglicherweise in der Vergangenheit dort Leben existierte. Aber, das sind keine wichtigen Fragen, die irgendwas verändern würden wenn man sie beantwortet. Und außerdem würde eine Mars Mission der NASA diese Fragen ohnehin nicht beantworten können.

Überlegen wir doch einmal, was man mit dem Geld hätte anfangen könnten das zum Bau der ISS verschleudert wurde. Man hätte mit den 200 Mrd US$ beispielsweise die komplette Erde mit Fiber-to-the-Home ausstatten können. Für Deutschland würden Kosten entstehen von einmalig 30 Mrd. EUR. Hätte man das gemacht und auf die ISS verzichtet, wäre ein Nutzen vorhanden. Nicht nur die Wissenschaft würde profitieren, die teilweise nach wie vor mit ISDN Geschwindigkeit Paper aus dem Netz saugt, sondern auch die meisten Privatleute hätten einen Nutzen davon. Oder man hätte mit dem Geld Bibliotheken digitalisieren können, was ebenfalls einen wissenschaftlichen Nutzen bringt. Kurz gesagt, es gibt viele interessante Projekte die sehr teuer sind und die einen Nutzen versprechen. Das Geld der NASA zu geben ist hingegen ein Fehler.

Selbst wenn man daran interessiert ist, ob es intelligentes Leben im Weltraum gibt, wäre die NASA unfähig das zu beantworten. Bekanntlich sind die Distanzen im Weltraum so groß, dass Raumschiffe ohnehin die Strecken nicht zurücklegen könnten. Man müsste stattdessen eine Technologie weiterentwickeln wie die Lasertechnik oder die Radioastronomie. Es ist eine Technologie die nichts zu tun hat mit Mondbesiedelung oder funktionierenden Weltraumtoiletten, sondern es wäre Grundlagentechnik die dazu führt, dass man auf der Erde Teleskope baut oder Subraum-Nachrichten versendet. Obwohl die Suche nach außerirdischem Leben mittels SETI umstritten ist, handelt es sich doch zumindest um ein wissenschaftliches Projekt mit einem klaren Ziel. Man kann jetzt darüber streiten, wieviel Geld man dafür aufwenden möchte, aber immerhin steckt dahinter eine Utopie. Die NASA hingegen hat gar keine Ziele. Die NASA lebt in der Vergangenheit und legitimiert sich dadurch, dass sie in den 1950’er Jahren eine Zukunft hatte. Das einzige was die NASA macht ist es, immer neue Arten von Raumsonden in den Weltraum zu schicken und immer neue Formen von Raketen zu testen, in der absurden Vorstellung, das wäre Fortschritt.

Einige behaupten, es gäbe einige wenige gescheiterte NASA Projekte wie die Challanger Explosion oder Apollo 13. Tatsächlich ist jedoch insgesamt ein Fail, jedenfalls wenn man eine Kosten-Nutzen-Analyse betreibt. Vielleicht ein Detail dazu: einerseits baut man komplexe Raumsonden, um auf einem Astroiden zu landen, Gesteinproben zu nehmen und diese zur Erde zu bringen. Auf der anderen Seite gibt es genug abgestürzte Astroiden auf der Erde, wo man das Gestein nur einsammeln braucht, wenn man es untersuchen möchte. Die Frage ist weniger, wie man die Raumfahrt preiswerter gestalten kann, sondern die Frage ist wie man komplett darauf verzichtet.

Hier noch ein weiterer Fail der NASA. Im Jahr 2011 hat ein Amateur einen Wetterballon mit einem iphone in die Erdatmosphäre geschickt. Die Kosten für den Steuerzahler damals waren gleich Null. Die Bilder die dabei entstanden waren von der selben Qualität wie sie die NASA auch lieferte, nur mit dem Unterschied, dass die NASA weitaus mehr Aufwand treibt mit all den Raumschiffen. Würde es wirklich nur darum gehen, wissenschaftliche Erkenntnisse oder Videomaterial aus dem Weltraum zu bekommen, bräuchte man die NASA gar nicht.

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