Fedora — eine erste Annäherung

Die derzeit bekannteste Linux-Distribution ist Ubuntu. Sie gilt als stabil wie sicher gleichermaßen und erfreut sich bei vielen Neueinsteigern einer großen Beliebtheit. Aber mit Ubuntu gibt es mehrere Probleme. Erstens, erinnert auch das normale Ubuntu sehr stark an ein Windows XP bzw an ein Linux Mint, wo man das Gefühl nicht loswird vor einem 5 Jahre alten System zu sitzen, was jeden Moment auseinanderfällt. Zweitens macht der Ubuntu CVE Tracker keine gute Figur, weil da sehr viele Bugs noch nicht gefixt sind und zu guter letzt scheint die Debian Gemeinschaft ein wenig der Welt entrückt zu sein. Was tun? Zu ArchLinux wechseln geht leider nicht, weil man hier von einem stable-Release zu einem Rolling-Release wechselt, was im Grunde heißt, dass man damit keine stabilen Server und vermutlich auch keine stabilen Workstations betreiben kann, sondern ArchLinux ist eher für jene Leute welche aktiv am Linux Kernel mitentwickeln wollen, also froh darüber sind, wenn ein neuer Bug auftritt, den man fixen kann.

Die nächste Alternative wäre dann schon Redhat. Redhat gilt es als extrem zuverlässig und basiert ähnlich wie Debian auf einer Stable-Release Veröffentlichung. Noch dazu nutzt Torvalds Redhat und viele interessante Projekte wie qemu werden dort entwickelt. Die kostenlose Redhat Version lauten CentOS und Fedora. Über beide Systeme ist in deutscher Sprache relativ wenig zu lesen. Es gibt auch kein umfangreiches ubuntuusers-ähnliches Wiki auf Deutsch, sondern scheinbar ist Fedora komplett auf den us-amerikanischen Markt hin zugeschnitten. Zumindest von der Selbstdarstellung verspricht es, professioneller zu sein als ein Ubuntu. Warum also nicht dem System eine Chance geben?

Fangen wir mal ganz langsam an und untersuchen die Pakete bei Redhat / Fedora. Hier https://apps.fedoraproject.org/packages/lyx ist beispielsweise das Schreibprogramm Lyx aufgeführt was in einer erstaunlich frischen Version daherkommt. Auch Eclipse ist anders als bei Ubuntu neueren Datums. Ein wenig kommt da ArchLinux Feeling auf, wo ebenfalls das Repository immer sehr gepflegt ist, allerdings mit dem Unterschied dass Fedora nicht als reine Rolling-Release Distribution daherkommt sondern (hoffentlich) voher noch ein/zwei Tests durchführt.

Um dieser Frage genauer nachzugehen, muss man sich die ISO DVD aus dem Netz herunterladen. Die Url findet man relativ einfach mittels Google und so reicht ein simpler wget Befehl um die 1,4 GB große Datei auf die heimische Festplatte zu schaufeln. Da der Download etwas länger dauert bleibt Zeit ein wenig darüber nachzudenken, was genau die Erwartungen an Fedora sind. Nun im Grunde soll Fedora das selbe können wie Ubuntu auch, also ein kostenloses Linux für einen PC liefern, aber mit dem Unterschied dass man neuere Software und weniger Fehler erhält. Die grundsätzliche Frage die man sich als Ubuntu Anwender immer stellt ist ob die vielen Baustellen in dem System ein Problem von OpenSource Software sind, oder ob man mit einer besseren Distribution die von kompeteteren Maintainern verwaltet wird da nicht noch was rausholen kann.

Dass Linux gegenüber Microsoft Vorteile besitzt ist unbestritten. Gegen eine Software die umsonst ist und noch dazu im Sourcecode verfügbar ist hat es Microsoft schwer dagegen anzukommen. Es stellt sich jedoch die Frage ob das was Debian/Ubuntu abliefern bereits der Weisheit letzter Schluss sind oder ob es noch ein Zwischending gibt zwischen ArchLinux und Ubuntu. Wo man also zwingend ein stable-Release System erhält was vorher schonmal getestet wurde, aber was noch halbwegs aktuell ist. Also nicht, dass Ubuntu kompletter Unfug wäre. Ubuntu ist eines der besseren Linux-Distributionen die sehr viel richtig gemacht hat. Das umfangreiche Wiki auf Deutsch gehört dazu. Auch ist die Ubuntu Community relativ groß und man kann es auf so gut wie jedem PC out-of-the-box installieren. Aber grundsätzlich besteht die OpenSource derzeit aus zwei großen Playern: Debian vs Redhat. Und man sollte beiden Systeme eine Chance geben. Gerade auf dem europäischen Markt ist Fedora nahezu unbekannt, selbst nach intensiver Recherche findet sich nur wenig Videomaterial auf Youtube zu der Thematik. Das kann bedeuten, dass es mit Ubuntu nicht mithalten kann, es kann aber auch bedeuten dass Fedora ein Geheimtipp ist für all jene Leute welche sich mit dem Cannonical Way of life nicht so recht anfreunden können. Ein Vorteil hat Fedora/Redhat zumindest: Geld ist offenbar überreichlich vorhanden, weil man schon relativ früh sich auf Unternehmenskunden fokussiert hat, und dort wohl Umsätze im Millionenbereich einfährt. Dort will Ubuntu erst noch hin.

UPDATES
Das Hauptproblem was alle Linux Distributionen haben sind Sicherheitsupdates. Wenn man davon ausgeht, dass diese zwingend als Stable-Release erscheinen weil man nur das auf einem Produktivserver tolerieren kann muss zwingend auf Seiten der Distribution eine Infrastruktur geschaffen werden wie man die Backports, Updates und Aktualisierungen pflegt. Sowohl bei RedHat als auch bei Debian gibt es Leute, die sich damit beschäftigen. Die Qualität einer Distribution ist davon abhängig wie gut die Updates erfolgen, also wie zahlreich, wie schnell und mit welchen Problemen. Gäbe es nicht die Update-Problematik könnte man theoretisch auch eine Ein-Mann-Distribution auf Basis von Linux-From-Scratch oder Damn-Small-Linux aufbauen, die einmal installiert stabil und sicher läuft. Wie aber die meisten Anwender ahnen ist der nächste Exploit nicht weit weg und so bedarf es einer laufenden Wartung am System wenn man Freude mit dem System haben will.

INSTALLATION
Anstatt den Sprung ins kalte Wasser zu wagen wird Fedora erstmal in Qemu installiert:

qemu-img create -f qcow2 BOOTSYSTEM.img 10G
kvm -hda BOOTSYSTEM.img -cdrom DATEINAME.iso -boot d -m 1024

Falls da schon Probleme auftreten kann man sich den Spaß mit dem USB Stick auch sparen. Nachdem die ISO-Datei gebootet ist, hat man wie bei Ubuntu auch die Auswahl zwischen Try und Install, ein Druck auf den Install Button öffnet ein weiteres Menü wo man die Sprache einstellt und die Zielpartition automatisch erstellen lassen kann, dann beginnt bereits die Installation selber und während man dem Statusbalken zuschaut muss man noch das Root-Passwort festlegen. Nach kurzweiligen 10 Minuten ist die Installation abgeschlossen und man kann neu booten.

Nach dem ersten Start kommt eine Oberfläche die stark an die Erstinstallation bei einem Apple Gerät erinnert. Man wird darüber informiert, dass die Ortungsdienste einen tracken und man soll sich mit seinem Google Konto verbinden, was man aber auch überspringen kann. Dann landet man auf einer weitestgehend leeren Gnome3 Oberfläche. Den ersten Bug kann man sehen, wenn die Karten-Applikation startet, dort erscheint die Meldung dass der Datenlieferant Mapquest seinen Dienst eingestellt hat. 1 zu 0 für Fedora. Ein weiterer Bug wird deutlich wenn man LibreOffice Writer startet. Obwohl bei der Installation explizit Deutsch als Sprache eingestellt wurde, ist LibreOffice komplett auf English. Jetzt sind es bereits 2 zu 0 für Fedora. Als nächstes wird das Schreibprogramm Lyx installiert, mal sehen ob das klappt. Unter dem Button Software versteckt sich der Gnome Paketmanager der auch bei Ubuntu verwendet wird, dort ist Lyx tatsächlich vorhanden und kann nach Eingabe des Root passwortes installiert werden. Um den weiteren Ablauf näher zu beschreiben, hier die Ist-Situation:

Derzeit läuft Lyx weder in Ubuntu noch in ArchLinux wirklich stabil. Wenn man eine Bibliographie verwendet und als Sprache Deutsch auswählt kommt eine böse Fehlermeldung dass irgendwas mit der Sprachdatei nicht funktioniert. Wollen doch mal sehen wie das bei Fedora gehandhabt wird. Antwort: nicht so gut. Bereits die Installation scheitert. Angeblich konnte das Package auf dem Server nicht gefunden werden. Tja, jetzt steht es bereits 3 zu 0 für Fedora.

PAKETMANAGER
Anders als bei Ubuntu gibt es bei Fedora offenbar keinen grafischen Paketmanager. Außer „Gnome Software“ wurde jedenfalls nichts angezeigt. Mit etwas suchen bei Google hat sich dann herausgestellt, dass

su -
dnf upgrade

das System auf den neuesten Stand bringt. Etwas ausfühlicher wird die Benutzung auf https://fedoraproject.org/wiki/Dnf/de erläutert. Was an Fedora nervig ist, dass man offenbar ein Fan von weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund ist. Dieses Darktheme genanntes Konzept ist doch längst überholt, heute möchten es auch Hacker lieber etwas heller haben und bevorzugen einen leuchtend hellen Hintergrund mit schwarzer Schrift.

SELinux
Das schöne an der Ubuntu Community ist, dass es dort entspannt zugeht. Man findet dort Leute die ebenfalls gerne mit STEAM Games zocken, und aus Windows Ecke kommen. Bei Fedora hingegen scheinen einige einen Stock verschluckt zu hoben. Nicht nur, dass dort SELinux vorinstalliert ist, sondern wenn man auch nur einmal das falsche Root-Passwort eingibt, steht da gleich „Dieser Vorgang wird gemeldet“. Und weiter heißt es, „1 falscher Anmeldeversuch“.

UND WEITER GEHTS
Da beim ersten Anlauf die Installation von Lyx gescheitert ist, machen wir doch mit dem aktualisierten System noch einen zweiten Versuch.

su -
dnf search lyx
dnf install lyx

Nach „dnf search“ informiert uns Fedora dass sowohl auf Lyx als auch auf LaTeX das US-amerikanische Patentrecht gilt. Das war vorhin gemeint mit dem „Stock verschluckt“, so locker wie bei Debian ist man hier wohl nicht was das geistige Eigentum anbelangt. Anders als beim Gnome Software Center sieht man bei „DNF“ auf der Komamndozeile den konkreten Status, es erinnert ein wenig an Pacman aus dem ArchLinux Projekt. Bei Lyx dauert die Installation bekanntlich etwas länger, weil erstnoch die komplette Texlive Iinstallation durchgeführt werden muss. Es ist also Warten angesagt. Diesmal wird die Installation bis zu Ende durchgeführt aber trotzdem startet lyx nicht, es gibt ein Fehler mit einer Python-Applikation. Damit ist der Punktestand jetzt 4 zu 0 für Fedora.

Ein erneuter Check ob nach dem Systemupdate sich sonst etwas verändert hat, ergibt, dass plötzlich die Karten-App funktioniert. Auch der eigene Standort ist halbwegs genau. Wie sich Fedora aus einer Virtuellen Maschine heraus orten konnte ist unklar, WLAN SSID sind jedenfalls nicht vorhanden die man anzapfen könnte. Vielleicht wissen die Autoren von Geoclue2 mehr? Da aber die Karten-App tadellos funktioniert erhöht sich der Punktestand auf 4 zu 1.

Machen wir noch einen weiteren Installationsversuch. Das beliebte Echtzeitstrategiespiel OpenRA wäre sicherlich auch für Fedora Anwender ein Gewinn. Leider sagt der Paketmanager, dass OpenRA komplett unbekannt ist. Das ist der nächste Pluspunkt für Fedora, damit lautet der Gesamtpunktestand jetzt 5 zu 1.

FAZIT
Fedora macht einen sehr steifen Eindruck, man kann damit sicherlich gut auf dem Desktop arbeiten, aber viele Dinge funktionieren nicht. Lyx ist zwar auch in Ubuntu nicht ohne Fehler, aber zumindest startet dort die Applikation. OpenRA gibt es bei Fedora überhaupt nicht. Positiv fällt auf, dass bei Fedora alles gut strukturiert ist. Man hat eher den Eindruck mit einem professionellen Betriebssystem zu arbeiten. Einen klaren Vorteil von Fedora gegenüber Ubuntu ist jedoch nicht erkennbar. Es hat seine Gründe, warum Ubuntu und nicht Fedora das beliebteste Linux ist im Heimbereich.

Laut Selbstdarstellung ist Fedora die professionellste von allen Linux-Distributionen. Dass es keine deutsche Anleitung gibt — na gut, das kann man verschmerzen. Aber leider gibt es noch weitere Mängel. Es fehlt ein grafischer Paketmanager, stattdessen muss man mit dem Kuddelmuddel aus yum und dnf Vorlieb nehmen, wichtige Pakete wie OpenRA oder mplayer sind gar nicht in den Repositorys vorhanden sondern müssen manuell kompiliert werden oder über Zusatz-Repositorien. Lyx lässt sich zwar installieren startet aber nicht. Mag sein, dass Fedora und RedHat woanders ihren Stärken haben, aber dass man jeden Ubuntu User ermutigen sollte auf diese Distribution umzusteigen wäre verfrüht. Es scheint so zu sein, als ob alle Linux-Distributionen egal ob Ubuntu, Fedora oder ArchLinux mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben: der Upstream gleicht eher einer Sharewaresammlung, die Maintainer der Packages sind überfordert und zusätzlich wollen die Anwender auch noch stabile Software. Jede Linux-Distribution setzt andere Prioritäten aber einen klaren Sieger gibt es nicht. Was man jedoch sagen kann ist dass Fedora in 5 Jahren vermutlich besser sein wird, als das heutige Fedora was aber auch für Ubuntu zutrifft.

Erinnern wir uns, wie Linux einmal gestartet ist. Es war nach GNU Hurd der zweite Anlauf um ein Betriebssystemkern unter einer freien Lizenz zu entwickeln. Zusammen mit dem bereits vorhandenen GNU Compiler und Xorg wurde daraus dann eine Sharewaresammlung welche inzwischen mit Microsoft mithalten kann. Das unfertige / amateuerhafte hat die Software nie so ganz loswerden können, auch heute noch werden wichtige Programme als Hobbyprojekte entwickelt. Wirklich uneingeschränkt zu empfehlen ist Linux nur im Server-Bereich also dort wo Apache und PHP gefragt sind. Sobald es jedoch um Smartphones, Desktops und Notebooks geht, ist Linux gegenüber Windows und Apple im Nachteil. Nicht nur, dass die Hardware nicht gut unterstützt wird, sondern es gibt auch unprofessionelle Software und schlampige Distributionen. Man merkt einem Ubuntu oder einem Android überdeutlich an, dass die Software umsonst ist. Bei Apple würde die Qualitätskontrolle sowas nicht akzeptieren.

Fedora — große Enttäuschung

Nach dem ersten Test der Fedora-Distribution bleibt ein bitterer Nachgeschmack übrig. Das Problem ist nicht so sehr die Distribution als solche, diese hat Bugs wie jede andere Distribution auch, sondern was unangenehm auffällt ist der große Unterschied zwischen Marketing-Versprechen wonach Fedora die beste Linux Distribution von allen sei und dann die Realität die das leider nicht einhält. Bei ketzerischer Betrachtung ist das Alleinstellungsmerkmal von Fedora eigentlich nur der dunkle Hintergrund mit der weißen Schrift plus einem SELinux von dem niemand so recht weiß was es genau macht. Hinzu kommt, dass Fedora außer Linus Torvalds und einige bezahlte Redhat-Angestellten keine echte Community besitzt und auch sonst wohl niemanden so recht interessiert. Es gibt zwar in der Fachpresse immer mal wieder Artikel wenn das neue Fedora erscheint, aber ob die Leute das OS wirklich installiert haben, oder einfach nur fertige Pressemeldungen von Redhat Inc. übernehmen ist unklar. Und mehr noch, man hat den Eindruck dass Feoora soetwas ähnliches ist wie Debian SID, eine Distribution welche nicht wirklich für den Produktiveinsatz gedacht ist, sondern nur als Testsystem genutzt wird um Bugreports zu erstellen. Wirklich gut in Fedora funktioniert der Bugtracker, der erstellt automatisch bei einem Crash ein Logfile und man kann mit wenigen Mausklicks diesen zu Bugzilla hochladen. Wirklich arbeiten mit Fedora kann man hingegen nicht. Meine Vermutung lautet, dass der Redhat Desktop die eigentlich stabile Umgebung ist, wo dann vermutlich auch Lyx anstandslos startet. Nur der Redhat Desktop wird eben nicht kostenlos angeboten.

Anders formuliert, die geringe Verbreitung von Fedora hat seine Berechtigung. Die User da draußen sind nicht doof, sie wissen schon warum sie lieber Ubuntu nehmen. Und wo der Name jetzt gefallen ist, Ubuntu hat wenigstens den Vorteil dass man da mit viel geringeren Erwartungen herangeht. Das Ubuntu nichts taugt, einem Windows XP zum Verwechseln ähnlich sieht und die Sicheheitsupdates mit der selben Verlässlichkeit erscheinen hat sich inzwischen herumgesprochen. Umso positiver überrascht ist man, wenn es doch gelingt mit Ubuntu eine Diplomarbeit zu schreiben oder wenn doch ein aktueller Firefox ausgeliefert werden, der wenigstens ein paar der Viren aus dem Internet fernhält.

Bei Fedora hingegen hat man den Eindruck als wäre das eine Software welche nur in der Vitrine ausgestellt ist, was man jedoch nicht selbst benutzen kann. Wirklich gut funktioniert Fedora nur, wenn man den hübschen Marketing-PDF-Flyern glaubt das Produkt selbst aber nicht testet. So bleibt der Zauber eines perfekten Betriebssystems erhalten und der Anwender wird nicht mit echten Problemen konfrontiert.

Testbericht CentOS

Nachdem sich die Installation von Fedora als Flop herausgestellt hat, ist es an der Zeit die stabile Version davon zu nutzen: CentOS. Nach der Selbstdarstellung handelt es sich dabei um die selbe Software, welche auch bei Redhat eingesetzt wird nur mit weniger Support. Na da wollen wir dem Projekt doch eine Chance geben.

Als erstes fällt auf, dass es zu CentOS noch weniger Dokumenation gibt als zu Fedora. Bei gewohnt ist diese komplett auf English, deutsche Anleitungen sucht man vergebens. Und noch etwas fällt auf, es gibt wesentlich mehr ISO-Dateien und unterschiedliche Mirrors aus denen man auswählen darf/muss. Es dauert ein wenig bis man sich entschieden hat, was das richtige ISO-Image ist. Ich habe mir für die letzte Version CentOS7 511 entschieden in der DVD Version welche 4 GB groß ist. Während der Download im Hintergrund via wget von einem Server aus der EU durchgeführt wird, bleibt Zeit ein wenig zu recherchieren. Es gibt zwar zu CentOS ein Wiki, aber dort steht nichts brauchbares drin. Was es jedoch nicht zu geben scheint, ist ein package browser, wo man alle Pakete aufgelistet sieht inkl Versionsnummer die ein aktuelles CentOS ausmachen. Es gibt lediglich FTP-Directorys wo die Pakete enthalten sind, aber ergänzende Bugtracker existieren nicht. Vermutlich gibt es soetwas nur innerhalb der RedHat Welt, wo man dann dafür extra bezahlt.

Anders als bei Ubuntu hat man nicht den Eindruck, als ob sich um CentOS eine Community versammelt hätte. Vielmehr scheint die Distribution Topdown zu funktionieren, dass also sämtliche Kompetenz bei Redhat konzentriert ist und die verteilt dann gnädigerweise RPM Pakete an ihre Fans. Auch mangelt es bei CentOS an Programmiertutorials wo also erläutert wird, wie man mit C++ Software erstellt oder gar Bash-Scripte entwickelt um den Paketmanager zu tunen. Stattdessen gibt es einige wenige Standardkommandos die man auswendig lernt. Obwohl CentOS OpenSource ist, hat man das Gefühl vor einem monolithischen Block zu sitzen der wenig Spielraum lässt für Diskussionen. Das mag auf einige attraktiv wirken setzt aber voraus, dass CentOS tatsächlich keinerlei Fehler enthält. Leider funktioniert das Linux-Universum nach anderen Kriterien, es handelt sich bei der darin versammelten Software allenfalls um Shareware die von Hobbyprogrammierern erstellt wurde, daran kann auch Redhat nichts ändern.

Was man bei Debian mitunter kritisieren kann (das chaotische Entwicklungsmodell) scheint bei CentOS zu fehlen. Dort ist alles sehr koordiniert, was aber nur dazu führt, dass viele Dinge einfach verboten werden. So gibt es keine guten Spiele, es gibt auch keine guten Blogs sondern es gibt nur die eine Firma, die den Takt vorgibt. Für Unternehmen und Behörden mag das ideal sein, nicht ohne Grund verdient Redhat mit diesem Konzept Milliarden. Als Distribution für den Heimbereich oder auch nur zur Softwareentwicklung taugt CentOS nicht. Anders als ein Windows XP oder ein Ubuntu lädt das System nicht zu eigenen Experimenten ein was dazu führt, dass auch keine unternommen werden. Wollte man mit CentOS einen Game-Server betreiben wird es vermutlch schon schwierig. Eine Anleitung für sowas ist mir nicht bekannt, man könnte höchstens versuchen über einen Workaround das zu machen. Aber warum muss man ausgerechnet ein Linux Betriebssystem aufbohren, damit es sich anfühlt wie eine Spielemaschine? Dass es Redhat geschafft hat, die Grundlagen von Linux komplett zu entkernen ist ein Wunder. Fedora und Redhat erinnern an seelenlose Zombiemaschinen auf denen Business-Applikationen laufen und sonst gar nichts. Am ehesten kann man es mit einem FreeBSD vergleichen, wo ebenfalls alles aus einem Guss ist.

ArchLinux rocks

Nachdem hier einige Linux-Distributionen verglichen wurden kann man einige Dinge geraderücken. Zunächst einmal sind die meisten Linux Distributionen Stable-Release basiert. Sowohl bei Debian als auch bei Redhat arbeitet man nach diesem Konzept. Obwohl die Vermutung naheliegt, dass Redhat als große Firma die bessere Linux-Distribution besitzt der irrt. Wenn man sich einmal konkret anschaut was Fedora, CentOS und Redhat zu bieten haben so wird man enttäuscht sein. Einerseits ist die Aktualisierung mit Bugfixes zwar besser als bei Ubuntu auf der anderen Seite sind viele Pakete im RedHat Universum schlichtweg nicht mit dabei. Lyx lässt sich in Fedora gar nicht installieren, Spiele gibt es bei CentOS auch keine und eine Übersicht welche Pakete in CentOS vorhanden sind, existiert nicht. Beim direkten Vergleich Debian vs Redhat liegt Debian vorne. Mag sein, dass wenn man die Subscription Verson von Redhat gegen ein Debian vergleicht, dass man mit Redhat besser fährt, aber dieser Service ist für Privatanwender schlichtweg zu teuer. Hinzu kommt, dass durch die Kostenbarriere es um Redhat auch keine echte Community gibt, sondern fast alle Informationen werden von oben nach unten hineingedrückt.

Es bleibt noch die alte aber berechtigte Frage zu klären was denn besser ist: Stable-Release oder Rolling-Release. Genaugenommen gibt es also nur eine Frage: Ubuntu oder ArchLinux. Hier ist die Antwort nicht eindeutig. Ubuntu/Debian haben den Vorteil, dass sie stabil laufen und Sicherheitsupdates von alleine eingespielt werden. Es gibt aber den Nachteil, dass nicht alle Pakete aktualisiert werden und dass man bei der Benutzung nicht viel lernen kann. Wenn man hingegen an Linux an sich interessiert ist, dürfte ArchLinux die beste Distribution sein. Einerseits produziert es permanent Fehler auf der anderen Seite ist der Wissenszuwachs beim Anwender nicht zu verachten. Ein Debian oder ein Redhat System kann man theoretisch 10 Jahre lang als Admin betreiben, ohne danach zu wissen wie man einen Kernel kompiliert. Bei ArchLinux gehört das zum Basiswissen. Hier eine subjektive Rangliste der Linux Distributionen:

1. Platz: ArchLinux (das Hackerbetriebssystem schlechthin, sowohl für Programmierer als auch für Gamer geeignet, die ihr System verstehen wollen)
2. Debian/Ubuntu: die beste Stable-Release Distribution welche sowohl auf dem Desktop als auch für Server 24/7 stressfrei betrieben werden kann. Hat aber den Nachteil, dass man nicht wirklich Linux-Wissen dazulernt
3. CentOS/Redhat: Firmen und Behörden lieben diese Distribution. Eigeninitative und Basteln ist verboten.

Warum steht ArchLinux auf Platz1? Weil diese Rangliste weniger den Ist-Zustand als vielmehr eine erwünschte Zukunft wiederspiegelt. ArchLinux ist derzeit die einzigste Distribution bei der Standardmäßig aktuelle Software zum Einsatz kommt. Das heißt, der Upstream wird erstngenommen, die dort erzeugten Verbesserungen werden tatsächlich ausgeliefert. Das mag Probleme bereiten wenn nach einer Aktualisierung das System nicht mehr geht, ist aber längerfristig die einzig gangbare Möglichkeit. Ob es tatsächlich gelingt in der Praxis ArchLinux als einziges System sowohl auf dem Desktop als auch auf dem Server zu betreiben sei dahingestellt. Es gibt derzeit keine Success-Story wo man das im Detail nachlesen kann. Aber zumindest sollte das die Messlatte sein, an der man sich orientiert. Es kann nicht angehen, dass die Zukunft entweder aus verwaisten Debian Packages besteht, die seit 4 Jahren kein Update mehr erhalten haben oder alternativ aus CentOS Installationen die von einem einzigen Hersteller kontrolliert werden.

Neues Boston Dynamics Video aufgetaucht

Wie schon in der Vergangenheit schafft es Boston Dynamics mit jedem neuen Video das Publikum erneut zu beeindrucken. Diesmal gibt es zu einem Gespräch mit Marc Raibert mehrere Einblendungen von bisher nicht gezeigten Aufnahmen des Spot Mini Roboters. Beindruckend ist vor allem seine Fähigkeit, auf äußere Störungen angemessen zu reagieren. Was jedoch in dem Video erneut ein Tabu bleibt ist die Frage wie der Roboter intern funktioniert.

Leider gibt es dazu auch sonst im Internet keine Angaben aber man kann aus den bekannten Informationen und den frei dokumentierten Robotik-Projekten ungefähr ableiten, was das Geheimnis hinter Boston Dynamics ist. Bekannt ist, dass der Onboard-Computer der eingesetzt wird, relativ langsam ist. Es handelt sich um eine COTS CPU, vermutlich ein Stromspar Intel Prozessor oder ein Atom wie auch in Consumer-Notebooks eingesetzt wird. Da die Auswahl an Betriebssystemen für solche Computer überschaubar ist, bleibt eigentlich nur Windows Embedded, ein Linux oder ein VX Works übrig, welche vergleichbar sind in ihrer Leistungsfähigkeit. Die wirklich spannende Frage ist jedoch, wie der Roboter programmiert wurde. Hierzu gibt es keinerlei Informationen, zwar gibt es von Marc Raibert umfangreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen, aber diese behandeln so gut wie jedes Gebiet innerhalb der Robotik. Meine persönliche Vermutung lautet, dass der Roboter ähnlich programmiert wurde, wie ein Avatar in einem Computerspiel. Es gibt hier ein wichtiges Paper http://liris.cnrs.fr/Documents/Liris-5511.pdf (Ahmad Abdul Karim: Procedural Locomotion of Multi-Legged Characters in Dynamic Environments) was das Prinzip erläutert. Darin wird ein Motion Controller beschrieben welcher sowohl 4-beinige Spinnen als auch 6-beinige Spinnen kontrollieren kann und der aus verschiedenen Submodulen wie Pathplanning, Footplanning, Obstacle Avoidance besteht. Programmtechnisch wurde dieser Controller in C++ realisiert und zwar in sehr vielen Lines of Code. Vermutlich wird auf dem Boston Dynamics Roboter eine ähnliche Software laufen. Ich würde mal schätzen, dass sie aus C++ Code im Umfang von wenigsten 2 MB besteht welcher nichts anderes macht, als Steuersignale in Fußbewegungen umzusetzen.

Der Vorteil von dieser Programmiermethode ist, dass sie unglaublich schnell ist. Anders als bei Computerschach müssen keine Solver bemüht werden, sondern ein langsamer Prozessor kann in Echtzeit ermitteln wohin die Füße müssen. Der Nachteil ist, dass das Debugging des Codes sowie die Erweiterung um neue Features extrem aufwendig ist. Dagegen ist Linux-Kernel-Programmierung die reinste Erholung.

Ob diese Vermutung zutrifft ist unklar. Aber fakt ist, dass zumindest in der Gaming-Branche zur Animation von Charakteren diesen Verfahren in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat. In diesem Zusammenhang sind größere Projekte zu nennen wie die Euphoria Engine, oder Smartbody welche eine Art von Framework bilden für komplexes Motion Planning. Gut möglich dass Boston Dynamics dieses Konzept auf die Robotik adaptiert hat und zuerst durch die Sensorik eine Scene Reconstruction der Umgebung durchführt um darin dann wie in einem Computerspielen ihren Avatar laufen zu lassen. Dass andere Verfahren wie neuronale Netze, selbstlernende Algorithmen oder genetische Algorithmen eingesetzt wurden, halte ich für unwanrscheinlich. Auch im Bereich Computerspiele ist die Performance derartiger Konzepte nicht hoch genug. Stattdessen muss man davon ausgehen, dass überall dort wo komplexes Verhalten gezeigt wurde, dahinter sehr viel manuell erstellter C++ Programmcode steckt.

Testbericht Ubuntu 16.04

Obwohl Ubuntu 16.04 schon etwas länger für die Öffentlichkeit zum Download bereitsteht soll an dieser Stelle nochmal ein kleiner Kurztest folgen. Insgesamt kann man sagen, dass Ubuntu 16.04 im besten Sinne einem Windows XP ähnelt. Wer XP mochte wird auch mit Ubuntu sich gut anfreunden können. Zum einen handelt sich bei Ubuntu 16.04 um eine Software die wirklich eine große Verbreitung genießt, es gibt dutzende Foren wo die Leute über alles mögliche diskutieren und in Folge dessen besitzt die Software keine ernsthaften Probleme. Natürlich enthält auch Ubuntu 16.04 viele störende Probleme wie z.B. dass die mitgelieferte Software teilweise veraltet ist, dass die Sicherheitsupdates nicht so schnell kommen wie man sich das wünschen würde, dass massenhaft persönliche Daten an Firmen versendet werden (an Canonical, an Firefox, an Google und an Amazon). Aber egal, all diese Probleme gibt es auch mit anderen Betriebssystemen. Der Hauptvorteil von Ubuntu gegenüber allen anderen Linux Distributionen wie Antergos, Fedora oder Debian ist, dass man als Nutzer schön in Watte gepackt wird. Es gibt nie den Moment wo man im Grub Menu den „nomodeset“ Befehl einsetzen muss um doch noch die Grafikkarte zu aktivieren und es gibt auch nicht den Fall dass man sich groß entscheiden muss zwischen CSM und UFI Boot, sondern die Ubuntu Leute haben die meisten dieser Entscheidungen übernommen und man kann sich als Anwender nur auf das wesentliche orientieren.

Zugegeben, vom technischen Standpunkt ist Ubuntu 16.04 veraltet. Ähnlich wie Windows XP enthält es massive Sicherheitsprobleme, uralte Software und wirklich etwas über Betriebssysteme lernt man auch nicht wenn man damit eine Weile herumgespielt hat. Bei anderen Distributionen wie Antergos oder ArchLinux ist alles besser. Nur, Ubuntu hat den Vorteil dass es extrem sympathisch ist. Es ist ein System was von Anfang an für die breite Masse entwickelt wurde. Es ist ein Produkt bei dem ähnlich wie bei Windows XP die Marketing-Abteilung die Oberhoheit hatte. Der Grund warum Ubuntu so eine große Verbreitung besitzt dürfte damit zu tun haben, dass es zwar viele kleine Probleme gibt aber keine extrem großen. Das heißt, der Normaluser wird auf einem Normal-PC das System installiert bekommen was schonmal gegenüber den meisten anderen Linux-Distribution ein riesiger Vorteil ist. Bei Antergos scheitert selbst dieser erste Schritt. Und der Normaluser wird mit Ubuntu wenigstens leicht veraltete Software erhalten, was schonmal besser ist als gar keine Software. Beispielsweise findet sich im Ubuntu Repository ein Software namens Eclipse welche deutlich älter ist als 4 Jahre, aber hey: um damit kleine Java-Apps zu erstellen reicht das Programm vollkommen aus. Ebenso ist der LMMS Sequencer weder für professionelle Musikproduktion im Studio geeignet noch ist es innerhalb der Linux-Welt die aktuellste Version — aber auch hier gilt, man kann das Programm starten, einige Noten eingeben und sich den Song dann über Lautsprecher anhören. Das ist doch schonmal was.

Ubuntu 16.04 ist für die Linux Welt eine Art von Baseline. Also eine Software wo die Masse sich gut aufgehoben fühlt und was man als Fallback nutzt wenn all die Experimente die man sonst so anstellt nicht funktionieren. Es ist ein wenig schwer Ubuntu mit anderen Betriebssystemen zu vergleichen. Mit einem aktuellen Windows 10 kann es nicht mithalten, weil unter Windows 10 aktuelle Topspiele laufen, die man in Ubuntu nicht installieren kann und mit einem ArchLinux kann Ubuntu auch nicht mithalten, weil es mit veralteten Programmen arbeitet. Wer jedoch einerseits ein kostenloses Betriebssytem sucht auf der anderen Seite aber kein ArchLinux will, der dürfte mit Ubuntu viel Spaß haben.

Der Anwender muss sich jedoch im Vorfeld über bestimmte Einschränkungen im klaren sein. Zum einen surft man mit Ubuntu nicht anonym im Internet. Das heißt, der komplette Traffic wird aufgezeichnet. Zweitens sendet Ubuntu die Geolocation Daten des eigenen Routers an Google was bedeutet, dass man in Längen und Breitengraden getrackt wird, drittens sind die Sicherheitshürden die Ubuntu aufbaut relativ leicht von außen zu überwinden es gibt beispielsweise Berichte darüber dass Ubuntu Server obwohl sie alle Patches hatten, gehackt wurden und die Passworte abgegriffen wurden und zu guter Letzt ist Ubuntu in der Linux Community nicht gut angesehen. Es ist jene Distribution die man eigentlich nicht verwenden sollte, die dann doch aber irgendwie den Weg auf alle möglichen Rechner findet. Anders gesagt, Ubuntu User werden ausspioniert, gehackt, ihre Daten werden verkauft und sie werden im Unklaren darüber gelassen wie genau die verwendete Software funktioniert. Man kann als Ubuntu-Anwender vor allem lernen, wie man sich unterordnet, keine kritischen Fragen stellt und die Kontrolle abgibt an andere.

An dieser Stelle soll nochmal darauf hingewiesen werden, dass dies ein pädagogisches Konzept darstellt was als „Ubuntu Zirkusschule“ bezeichnet wird, hier http://www.erziehungskunst.de/artikel/eine-zirkusschule-fuers-leben/ gibt es weiterführende Informationen.