Antergos auf physischer Hardware installieren


Eins vorneweg, die Netinstall ISO Datei ist nicht empfehlenswert. Sie enthält keine Gnome-Oberfläche sondern nur das ältere XFCE. Das hat zur Folge dass es Probleme geben kann mit der Grafikerkennung und der Touchpad Erkennung. Besser ist es, wenn man gleich die Standard-Iso-Datei nimmt die zwar mit 2 GB deutlich größer ist, dafür aber mit hoher Wahrscheinlichkeit einen PC booten kann. Aber auch dort kann es Probleme geben mit der Erkennung von WLAN Karten, so dass man zumindest bei der Erstinstallation eine RJ45 kompatible Internetverbindung bereithalten sollte.

Dann kann man sich durch das Installationsmenü durchklicken, was leider eine Vielzahl von Optionen bereithält die unsinnig sind. Man sollte als GUI einfach Gnome auswählen, weil das die selbe Oberfläche ist, die auch Ubuntu verwendet und als Browser sollte man Chromium abwählen und dafür Firefox auswählen. Von Seiten Antergos hätte man diese Standards bereits festlegen können, mit der Option sie irgendwo noch abzuändern. Aber egal, man sollte froh sein, dass es anders als bei ArchLinux überhaupt einen graifschen Installer gibt, so dass selbst Anfänger schnell damit klarkommen dürften.

Wenn man die Installationsprozedur von Antergos mit ArchLinux vergleicht so ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht. Wo man bei ArchLinux noch mit einem zweiten Notebook auf dem Schoß und geöffnetem Wiki sich Befehl für Befehl durchkämpfen muss, kann man bei Antergos mal so nebenbei die Installation durchführen. Vorausgesetzt dass die ISO DVD startet. Das wurde bereits in der Einleitung erwähnt, dass dies keineswegs selbstverständlich ist.

So gibt es im Forum einige Nutzer die damit Probleme haben. Wohlgemerkt, die Netinstall Version macht ohnehin Probleme, aber auch die Standard-DVD führt auf einigen Rechnern zu Problemen. Der Worst-Case ist es wohl, wenn die Grafikkarte nicht erkannt wird oder wenn die Tastatur nicht funktioniert. Im Regelfall hat man hier keine Möglichkeit diese Probleme manuell zu beheben. Die einzige Empfehlung die man hier abgeben kann ist es einen Versuch zu wagen und wenn es nicht klappt, auf das nächste Iso Image zu warten was im Monatsrythmus erscheint und wo das Problem hoffentlich behoben wurde. Bekanntlich wird im Linux Kernel ja allerhand verbessert so dass die Chancen gar nicht mal schlecht stehen, dass sich die Probleme in Zukunft von alleine lösen werden.

Das Installationsmedium der Wahl ist übrigens ein USB Stick. Insbesondere mit dem neuen USB 3.0 Standard ist hier die Datenrate unübertroffen hoch. Wenn man hingegen einen PC über eine selbstgebrannte DVD booten will muss man schon hart im Nehmen sein. Zunächst einmal ist das Brennen einer DVD ein Abenteuer und auch das Booten eines PCs ist damit ein wenig langsamer. Aber ist es eine legitime Ausweichoption falls gerade kein USB Stick zur Hand ist. Auf PXE-Boot oder Festplattenbooten sollte man verzichten. Das erzeugt nur unnötigen Frust und ist für Anfänger nicht gedacht.

Die Installationsprozedur von Antergos benötigt deutlich mehr als 15 Minuten wie in einigen Youtube-Videos versprochen. Grund dafür ist, dass eben nicht nur der Inhalt der DVD auf die Festplatte kopiert wird, sondern dass auch eine 2 GB DVD im Grunde nur ein Minimal-Image darstellt und während der Installation das eigentliche Betriebssystem noch aus dem Internet geladen werden muss.

Fazit: wenn Antergos vernünftig bootet und die Hardware erkennt ist das ein Super-Betriebssystem. Viel mächtiger als Ubuntu und besser als Windows 10 ohnehin. Genau liegt hier jedoch das Problem. In der Realität gibt es zahlreiche Konfigurationen wo es mit der Hardwareerkennung mangelt. Grund dafür ist weniger Linux im Allgemeinen sondern vielmehr die Tatsache, dass die Antergos ISO Dateien nicht umfangreich getestet werden und deshalb fehlerhaft sind. Im Gegensatz dazu kann man bei Ubuntu DVDs davon ausgehen, dass sie immer und jeden Computer booten können und auch sämtliche Hardware out-of-the-box erkennen. Ob man Antergos als Betriebssystem empfehlen kann ist zweifelhaft, aber es ist ein System was zumindest eine Alternative zu Ubuntu darstellt. Weiterhin besteht die echte Hoffnung, dass die Hardwareerkennung in Zukunft besser wird. Und zwar allein dadurch, dass der Linux Kernel im Monatsryhtmus optimiert wird, und diese Änderungen sich dann auch im Antergos ISO Image bemerkbar machen. Die Hoffnung lautet, dass in wenigen Monaten Antergos in der Lage ist, ähnlich wie Ubuntu jeden PC zu booten und mit einem Betriebssystem zu versorgen.

FERTIGSTELLEN
Ein wenig spannend ist dann noch das Ende der Installationsprozedur. Relativ lange hält sich der Installer beim „Erstellen der Manpages“ auf, warum ist unklar, hier hilft nur Geduld. Und dann kann man das System auch schon neu booten. Und wenn alles geklappt hat, wird man dann zum ersten Mal Antergos von Festplatte booten. Selbstverständlich dürfte man dann als Nutzer mit den ersten Schwierigkeiten zu kämpfen haben, die sich jedoch mit etwas Glück beheben lassen, wie z.B. nicht korrekte Scroll-wheels bei Touchpads und ähnliches. Dieses Problem lässt sich beheben mittels „synclient VertEdgeScroll=1“ und ist im ArchWiki beschrieben.

Generell lässt sich sagen, dass Antergos einen positiven Eindruck auf mich macht. Zumindest was das ISO DVD Image mit 2 GB betrifft. Die Installation verlief genauso wie bei einer Ubuntu Installation und danach erhält man ein System was wesentlich leistungsfähiger ist. Nicht nur dass der Linux Kernel aktueller ist, auch die übrigen Programme wie LibreOffice, Eclipse oder Lyx sind es. Auf Ubuntu komplett zu verzichten geht trotzdem nicht. Nur ein Ubuntu Rettungsstick verspricht größtmöglihe Kompatibilität mit allen Systemen und nur für Ubuntu gibt es eine ausreichend große Fanbase. Antergos hingegen ist ein Nischenprojekt was nur die wenigsten kennen. Das Wiki was es gibt kann man nur als Witz bezeichnen, und in Buchform gibt es auch keine Tipps und Kniffe.

Aber, wenn man nur etwas in die Zukunft denkt, dürfte Antergos an Bedeutung gewinnen. Nehmen wir mal an, die Entwicklung des Linux Ecosystems verläuft ähnlich hoffnungsvoll wie bisher. Nehmen wir mal, dass in einem Jahr der Kernel bessere Unterstützung für Grafikkarten mitbringe und Wayland gut mit Gnome interagiert. Dann dürften die technischen Hürden kleiner sein und davon profitiert dann Antergos.

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