ArchLinux vs Ubuntu

Ein halbwegs fairer Vergleich zwischen ArchLinux und Ubuntu sieht so aus, dass man die aktuelle Ubuntu 16.04 ISO DVD gegen eine aktuelle Antergos ISO DVD gegenüberstellt. Man wird zu dem Schluss kommen, dass sich die Antergos DVD ähnlich leicht installieren lässt und man im Grunde allen Ubuntu Usern raten könnte auf dieses Betriebssystem zu wechseln. Für Ubuntu spricht jedoch, dass das dortige Wiki leichter verständlich ist und das Ubuntu sich im laufenden Betrieb noch ein stück weit angenehmer anfühlt. Beispielsweise durch die Verwendung von Unity wodurch die GUI ähnlich wie unter Mac OS X aufgebaut ist. Bei Antergos jedoch hat man nur die Standard Gnome3 Oberfläche und ist bei Problemen auf das ArchLinux Forum angewiesen. Aus Anwendersicht kann man sowohl Antergos als auch Ubuntu empfehlen mit einem kleinen Vorteil für Ubuntu.

Deutlich anders sieht der Vergleich jedoch aus, wenn man auch die Backend-Seite mit berücksichtigt. Also die Frage, wie ein Package erstellt wird und wie man die Distribution kompiliert. Ubuntu setzt dabei auf die selbe Infrastruktur wie es Debian auch tut. Es gibt dort sehr langjährige Programme mit denen man .deb Packages erstellen kann. Der Ablauf ist seit Jahrzehnten unverändert. Ferner gibt es sehr viele Mailing-Listen, Bugtracker und Konferenzen. ArchLinux hingegen arbeitet mit einem minimalistischen Prinzip. Im wesentlichen gibt es 25 Leute die rund um Aaron Griffin aufgestellt sind und welche das komplette System verwalten: Package Erstellung, Pflege des Wikis, Moderation des Forums, Übersetzung und Verbessern des Pacman-Tools. Für Neueinsteiger ist es deutlich leichter Pakete zu erstellen. Wie man ein pgkbuild Script für das AUR erstellt wird im Wiki erläutert, ebenfalls wie man mit Hilfe des Arch Build System den Linux Kernel compiliert. Bei Ubuntu oder Debian ist es komplizierter bis man ein eigenes Package erstellt und kompiliert hat. Hier ist ArchLinux eindeutig im Vorteil.

Obwohl Ubuntu für den Endanwender ein wenig einsteigerfreundlicher daherkommt (gutes Einsteiger-Wiki, viel Support in Foren) ist insgesamt betrachtet ArchLinux die bessere Distribution. Nicht nur das Rolling-Release Konzept überzeugt sondern auch die effizientere Paketerstellung sprechen für diese Distribution.

Als Meilenstein für ArchLinux darf das Antergos Derivat bezeichnet werden. Im Grunde handelt es sich dabei um ein Live-ISO Image mit grafischem Installer. Etwas ähnliches war der Markenkern von Ubuntu. Auch Ubuntu war die erste große Distribution die mit einem Live-Image an den Start ging und sich per Knopfdruck installieren ließ. Schaut man sich Antergos etwas näher an, so hält das Image zwei Optionen bereit: einmal kann man das Image ausprobieren, also von der CD laufen lassen und im Web surfen. Antergos ist damit eine Art von Rescue-Distribution mit der man jeden beliebigen Computer starten kann ohne zuvor ein Betriebssystem installieren zu müssen. Und als zweite Option steht die Installation auf die Festplatte zur Auswahl, diese ist wie erwähnt grafisch. Nach der Installation gibt es anders als bei ArchLinux noch einen grafischen Packagemanager (ein Frontend für Pacman). Dieses zeigt nicht nur Aktualisierungen an, sondern erlaubt auch den einfachen Zugriff auf alle weiteren Packages die man nachinstallieren kann.

Diese Mischung aus Live-DVD plus grafischer Paketverwaltung hat die Einstiegshürden für ArchLinux drastisch gesenkt. Zu Ubuntu gibt zwar noch immer einen merklichen Unterschied, aber dieser hat sich deutlich reduziert. Ob es Antergos schafft, den Ubuntu Marktanteil zu schmälern darf bezweifelt werden. Vermutlich wird auch in 5 Jahren Antergos keinerlei Akzeptanz in der breiten Masse besitzen. Aber rein technisch ist es das bessere System.

DEBIAN
Schaut man sich einmal den Background zu Debian an, so stellt man fest, dass derzeit 1773 in dem Projekt involviert sind https://contributors.debian.org/ und das verschiedene Firmen als Sponsoren auftreten um alles am Laufen zu halten. Für die Firma Canonical arbeiten nochmal mindestens 500 Leute. Im direkten Vergleich gibt es also für Debian/Ubuntu rund 2000 Leute die für die Distribution arbeiten, während es bei ArchLinux nur 25 sind. Vom Kosten/Nutzen Verhältnis ist das Konzept rund um das Pacman-Tools deutlich besser. Im Gegensatz dazu besteht bei Ubuntu die Gefahr dass der Konzern pleite geht, wenn er keine Einnahmen generiert, was wohl der Grund dafür war, dass umstrittende Addons wie das Amazon-Icon eingeführt wurden um die Daten der Nutzer weiterzuverkaufen.

Die spannende Frage lautet: was machen die vielen Debian-Maintainer eigentlich den ganzen Tag? Vermutlich kämpfen sie gegen ein bürokratisches System an, was sich verselbstständigt hat. Schaut man in die Anfangstage so stellt man fest, dass Debian ähnlich wie Slackware als Ein-Mann-Distribution gestartet ist, die im Laufe der Jahre immer umfangreicher wurde. Heute ist aus Debian ein internationaler Zirkus geworden, der obwohl soviel Manpower vorhanden ist, dennoch nicht in der Lage ist, aktuelle Software an den Endanwender zu verteilen. Ubuntu kann das zwar, aber nur mit der Einschränkung dass es deutlich kommerzieller aufgestellt ist.

Ich glaube die Kernfrage die sich stellt lautet: wie kann man eine Linux-Distribution pflegen die aus nur einer Person besteht? Zugegeben, auch ArchLinux besteht aus mehr Leuten, aber man ist diesem Ideal zumindest verpflichtet.

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