Einführung in Post-Privacy

Früher war es einmal schick, nach Datensparsamkeit und Privacy zu rufen. Viele Linux-Anwender sind auch deshalb zu OpenSource gewechselt in der Hoffnung, mit diesem Betriebssystem die Kontrolle über ihre Daten zu behalten. Doch schaut man sich einmal die Realität an, so muss man sagen, dass dies wohl eine Illusion ist. Nicht nur Ubuntu sendet ausgiebig Daten über seine Benutzer in die Wolke sondern auch Redhat und Archlinux verwenden einen Dienst namens geoclue, welcher explizit dafür programmiert wurde, die aufgefangenen WLAN Signale der Umgebung an einen zentralen Server zu senden. Aber auch der quelloffene Browser Firefox sendet sehr detailierte Informationen. Ein findiger Programmmier hat beispielsweise herausgefunden dass nach dem Klicken auf den Button „history löschen“ keineswegs nur der Browserverlauf gelöscht wird, sondern dass parallel dazu eben diese History Datei an Mozilla gesendet wird. Sowas kann man beispielsweise mit Wireshark erkennen.

Und das sind nur jene Informationen die unbewusst anfallen. Zusätzlich tippen die meisten User sehr viele Stichwörter in Suchmaschinen ein und posten private Informationen ins World Wide Web. Zusätzlich ist die IP Adresse mit der jemand im Web surft keineswegs geheim, sondern kann von jeder Webseite ausgelesen und gespeichert werden, in Verbindung mit den Adressdaten des Providers hat man damit eine reichhaltige Informationsquelle.

Der Hauptgrund warum dennoch viele Nutzer glauben, sie wären anonym im Internet unterwegs hat etwas damit zu tun dass ihnen erstens diese Vielzahl an Services nicht bewusst ist und zweitens es nirgendwo eine Webseite gibt wo man für eine Person sämtliche Daten komprimiert abfragen kann. Wenn man beispielsweise die IP Adresse eines Nutzers bei Google eingibt wird man nur sehr wenige Informationen finden. Nichts desto trotz existieren solche Datenbanken. Sie sind nur im sogenannten DeepWeb verborgen. Man hat als User im Regelfall keinen Zugriff darauf. Weiß also nicht was über einen selber gespeichert ist und weiß auch nicht, was über andere gespeichert ist. Der Selbstbetrug besteht darin, wenn man sich einredet dass es solche Datenbanken prinzipiell nicht gibt, weil das ja bedeuten würde, dass eine zentrale Stelle alles über einen weiß.

Die Frage lautet nicht etwa ob es solche Datenbanken gibt, sondern die Frage lautet wie man technisch diese Register erstellt. Es gibt dazu zwei Teilprobleme zu lösen. Erstens, muss man an die Rohdaten herankommen. Die Mozilla Foundation hat dieses Problem beispielsweise dadurch gelöst, dass ihr Webbrowser auf Millionen von Computern vorinstalliert ist und von jedem einzelnen Gerät in regelmäßigen Abständen Daten an den zentralen Server gesendet werden. Die Datenbeschaffung stellt also kein Problem da, sondern man kann davon ausgehen dass in der Mozilla Inbox jeden Tag Terabyte an Rohdaten auflaufen, welche von allen Computern weltweit gesendet werden. Das zweite Problem besteht darin, diese Datenflut auszuwerten. Das dürfte das schwierigere Problem sein, weil man hierzu Methoden der Künstlichen Intelligenz benötigt.

Man kann sich das ungefähr so vorstellen, als wenn man der zentrale Game-Server von einem Multiplayer-Online Spiel ist und damit automatisch weiß was jeder Spieler zu jedem Zeitpunkt macht. Gleichzeitig jedoch das Spielfeld so riesig ist, dass man Tools benötigt welche eine statistische Auswertung erlauben. Solche Tools zu entwickeln ist anspruchsvoll aber nicht unmöglich. Das IBM Watson Projekt hat hierbei einen guten Anfang geleistet. IBM Watson ist in der Lage natürlichsprachliche Daten auszuwerten.

Was kann man dagegen tun? Leider gar nichts, man kann das Problem zwar verdrängen aber man wird nicht verhindern können, dass Daten erhoben werden. Sowenig wie man Mozilla verbieten kann, geolocation Datenbanken anzulegen und diese zu verknüpfen mit dem Suchverlauf der Nutzer kann man IBM verbieten, wissensbasierte Systeme zu entwickeln. Das einzige was man tun kann ist es, sich der Thematik bewusst zu werden. Sich also klarmachen, dass wir alle in einer Matrix leben und dass der Zugang zu Informationen darüber entscheidet wer du bist.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s