Kosten senken mit ArchLinux


Wer glaubt, dass sich ein Betriebssystem wie Linux von allein erstellt der ist naiv. Wie es in Wirklichkeit funktioniert kann man auf Konferenzen sehen wie der Debconf oder der Ubuntucon, die von Maintainern bevölkert wird und wo ein Verein die Leute auf den gemeinsamen Kurs einschwört. Damit das fertige Ubuntu Iso Image zum Download bereitgestellt wird, ist hinter den Kulissen sehr viel Arbeit nötig. Nicht ohne Grund versucht sowohl Ubuntu als auch Debian durch die Hintertür Geld zu verdienen, entweder durch Sponsoring oder durch simple Gebühren.

Aber ist diese Praxis wirklich alternativlos? Wäre es nicht möglich, die Kosten selbst zu senken? Je geringer die Kosten sind die eine Organisation verursacht, desto unkomplizierter ist es die Finanzierung zu sichern. Auf den ersten Blick gibt es zu Debian und Ubuntu keine Alternative. Offenbar benötigt es mehrere hundert Maintainer, Devoloper und Vorständer die sich in Mailing-Listen tummeln und die eine Distribution erstellen.

ArchLinux ist anders. Bei ArchLinux wird von Anfang an darauf geachtet, eine Distribution zu erstellen, die man zur Not mit einer Rumpfmannschaft bestehend aus 12 Leuten pflegen kann. Eine Person pflegt das Forum, die zweite schreibt die Build-Scripte, die dritte erstellt die Dokumentation und die restlichen Leute malen Flyer. Man mag über ArchLinux denken was man möchte, aber eines ist nicht von der Hand zu weisen: es gibt vermutlich keine Linux Distribution wo das Kosten/Nutzen Verhältnis derartig gut ist. Es handelt sich um ein Projekt, bei dem fast kein eigener Aufwand getrieben werden muss, was aber dennoch in seiner Leistungsfähigkeit an Debian / Ubuntu und Fedora heranreicht. Aus ideologischen Gründen sollte man dieses Projekt unterstützen.

Wenn man ArchLinux in einem Satz zusammenfassen möchte, dann ist Pacman wohl das zentrale Element der Distribution. Pacman ist Paketmanager welcher dafür sorgt, dass die Abhängigkeiten aufgelöst werden und das die Software auf dem PC des Nutzers landet. Der Rest von ArchLinux ist nur noch Beiwerk was den Prozess unterstützt. Ob man ArchLinux als Distribution bezeichnen kann ist fraglich. Im wesentlichen ist es eine Anti-Distribution wo eben nicht irgendwas entwickelt wird sondern ArchLinux besteht im wesentlichen aus Gnome, Systemd, dem Linux Kernel und einigen Anwenderprogrammen. Wie gut oder schlecht ArchLinux benutzbar ist, hängt vom Upstream ab.

Gegenüber Ubuntu wurde häufig der Vorworf gemacht, man würde dort nichts selber entwickeln, sondern einfach nur vorhandenes kopieren. ArchLinux treibt diese Praktik noch weiter. Developer gibt es im ArchLinux Projekt keine, sondern man überlässt die Softwareentwicklung anderen. ArchLinux verzichtet darauf eine Schicht zwischen Entwickler und Anwender zu errichten. Anders formuliert, wenn die Grafikkarte nicht erkannt wird, wird man im ArchLinux Forum keine Hilfe finden sondern muss sich an Linus Torvalds wenden. Und wenn beim Booten Fehler auftreten ist wiederum nicht ArchLinux der Schuldige sondern diesmal ist Systemd dafür verantwortlich.

Obwohl das ArchLlnux Forum von vielen Usern mit Bugreports überschüttet wird, ist eigentlich nur ein Thema dort wirklich ontopic: Fehler im Pacman selber. Alles andere ist streng genommen gar nicht die Aufgabe von Archlinux. Und hier gibt es die meisten Mißverständnisse: wo bitteschön soll man ein Problem melden, was zwar etwas mit einer ArchLinux Distribution zu tun hat, aber was in Wirklichkeit im Einflussbereich des Gnome-Projektes oder der BIOS Hersteller liegt? Bei den anderen großen Distributionen wie Redhat oder Debian kann man sich an die Distribution selbst wenden. Debian fühlt sich verantwortlich dafür dass die Software läuft, auch wenn der Code woanders geschrieben wird. Nur ist das wirklich ein gutes Modell? Schaut man sich die Hilfeforen einmal an, so findet dort ein lebhafter Diskurs zwischen Debian-Experten und Debian Anwendern statt über alle möglichen Probleme wie Anwenderprogramme, GUI, Linux-Kernel usw. Der eine hat ein Problem, der nächste weiß darauf eine Lösung und so entsteht ein Diskurs. Aber ist langfristig gesehen soetwas zielführend? Als Anwender sollte man sich bewusst machen, dass Debian der falsche Ansprechpartner ist, wenn die Software nicht funktioniert. Debian ist nur der Name unter dem die Programme veröffentlicht werden, nicht jedoch der Urheber.

MANPOWER
Was würde eigentlich passieren, wenn man ArchLinux mit mehr Manpower ausstattet? Also das Projekt kommerziell aufbaut mit professionellen Leuten die dafür bezahlt werden, dass sie das Projekt voranbringen? Vermutlich könnte man in kürzester Zeit aus ArchLinux die führende Linux Distribution machen. Schon heute ist dort sehr vieles sehr effizient gestaltet. Das einzige was noch wirklich fehlt ist eine automatisierte Testumgebung, bei der neue ISO Builds automatisch in unterschiedlichen Virtuellen Maschinen getestet werden so dass verschiedene Hardwarekonfigurationen über Test-Scripte ausprobiert werden. Eine solche Test-Umgebung gibt es per heute nicht. Sondern es ist so, dass die User sich ein Iso-Build herunterladen und dann im Forum ihre Fehlermeldung veröffentlichen.

Mit einer automatisierten Testumgebung könnte man hingegen für jede verfügbare Hardware sehr genau sagen, ob ArchLinux darauf läuft und wo Fehler auftreten. Mit diesen Informationen könnte man dann zielgerichtet eine Datenbank erstellen oder sogar noch besser die Probleme beheben.

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