Das Alleinstellungsmerkmal von ArchLinux


Anders als Debian zeichnet sich ArchLinux nicht dadurch aus, dass es eine große Community gibt die viele unterschiedliche Charaktere anzieht welche auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten, sondern im Zentrum von ArchLinux steht eine Software names „makepkg“. Dabei handelt es sich um ein Kommandozeilentool aus dem ArchBuildSystem was wiederum eine Ergänzung zum Pacman Paketmanager darstellt. Während pacman vom Endbenutzer eingesetzt wird, um neue Pakete in sein System zu installieren wird makepkg dafür verwendet, eben diese Pakete „from scratch“ zu erstellen.

Die Mächtigkeit von makepkg kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden und übertrifft alles was aus Debian, Fedora oder Suse-Linux bekannt ist. Im Grunde reicht ein simpler makepkg Befehl aus, um den kompletten Linux Kernel aus dem Internet herunterzuladen ihn zu kompilieren und als ArchLinux Paket bereitzustellen. Ebenfalls wird auf die selbe Weise Gnome kompiliert oder Libreoffice. Und makepkg ist auch das Geheimnis, warum ArchLinux mit einem sehr kleinen Team aus nur 25 Leuten in der Lage ist, tagesaktuelle Updates für zigtausende Pakete bereitzustellen. Der Prozess ist anders als bei Debian eben nicht sozial konnotiert wo zwischen dem Projektleiter und dem Package Maintainer Absprachen getroffen werden, sondern der Erstellungsprozess basiert auf dem makepkg Programm.

Natürlich wird auch in der ArchLinux Community mittels Mailing-Listen diskutiert allerdings betrifft das nicht die Paketerstellung selbst, sondern stattdessen wird darüber debattiert, wie man pacman, abs oder makepkg verbessert. Gewissermaßen läuft alles auf einer Ebene darüber ab. Das Erstellen der Distribution selbst, also das Herunterladen von Sourcecode, das Einpflegen von Patches, das Erzeugen der Iso-Dateien wird hingegen nirgendwo diskutiert. Auf diese Weise ersparrt man sich sehr viel Stress wie er im Debian Projekt an der Tagesordnung ist. Bei Debian gibt es beispielsweise ein Team was nur dafür verantwortlich ist, dass der Linux-Kernel funktioniert. Bei ArchLinux hingegen gibt es niemanden der speziell dafür verantwortlich ist, sondern es gibt nur die eine config-Datei die von makepkg aufgerufen wird.

Der Unterschied zwischen Debian und ArchLinux ist ähnlich groß wie der zwischen manueler Produktionsweise im Mittelalter und automatisierter Massenproduktion in der Moderne. Es geht nicht unbedingt darum, dass das Endprodukt was ArchLinux abliefert besser ist, sondern es geht um die Frage wie es erzeugt wurde. Also wieviel Manpower man benötigt um eine fertige ISO-Datei bereitzustellen.

Das dieser Unterschied nicht viel stärker thematisiert wird, hat etwas damit zu tun, dass im Debian Projekt die meisten unentgeltlich arbeiten, es also als Freizeit betrachten, wenn sie über Backports philosophieren. Es fehlt an einer Berechnung der investierten Stunden und man glaubt, es müsste so sein, dass mehrere tausend Leute an der Distribution arbeiten die dann doch nur verzögert fertiggestellt wird. Das tragische ist, dass man in der Debian Welt diesen Vorgang nicht großartig beschleunigen kann, weil es schlichtweg an Tools fehlt um den Build-Prozess zu automatisieren. Im wesentlichen ist der Workflow bei Debian so, dass ausgewiesene Experten welche in die Position gewählt werden müssen, auf der Kommandozeile Befehle eingeben, und in Config-Dateien Änderungen durchführen. Allerdings sind diese Abläufe nicht einheitlich und es gibt auch nicht das eine Werkzeug, sondern das erforderliche Wissen ist in den Köpfen der Debian Maintainer enthalten und ist wenig bis gar nicht automatisierbar. Anders ausgedrückt, wenn die 400 Kernentwickler des Debian Projektes welche wissen wie man Software kompiliert plötzlich ausfallen, ist das Projekt insgesamt nicht mehr funktionsfähig. Weil man eben nicht in kurzer Zeit mit ungelernten Maintainern die Arbeit machen kann, sondern es würde im Kollaps enden. Und dieser Macht sind sich die Developer nur zugenau bewusst und legitimieren damit ihre Stellung innerhalb des Debian Projektes.

Bei ArchLinux hingegen ist man nicht abhängig von konkreten Personen. Sondern man ist abhängig von den Programmen pacman, makepkg usw. Wenn diese Programme plötzlich nicht mehr da sind, würde das ArchLinux Projekt in sich zusammenfallen, weil niemand da ist der weiß wie man ohne diese Software kompiliert. Der Unterschied ist jedoch, dass man die Verfügbarkeit dieser Tools relativ leicht sicherstellen kann. Auf diese Weise kann sich ArchLinux den Luxus erlauben auf eine dezidierte Community und ein Projektmanagement zu verzichten. Es ist nicht erforderlich, dass ein Zeitplan erstellt wird, dass Abstimmungen durchgeführt werden oder das neue Mitglieder angeworben werden. Stattdessen gruppiert sich die Community lose um die Build-Tools herum.

KRITIK
Bisher wurde herausgearbeitet, dass Debian nicht mehr zeitgemäß ist und ArchLinux die bessere Methode ist eine Linux-Distribution zu erstellen. Wenn das aber so ist, warum ist der Marktanteil von ArchLinux dann so niedrig? Nach einer distrowatch-Statistik entfallen auf ArchLinux rund 1% der Visits. Und Distrowatch untersucht nur Linux-Distributionen nicht etwas MacOS oder Windows. Das bedeutet, dass innerhalb der Linux-User nur 1% ArchLinux einsetzen. Anders formuliert, ArchLinux ist eine absolute Nischendistribution die niemand kennt. Spricht das nicht gegen die Behauptung, dass ArchLinux anderen Distributionen überlegen ist?

Inhaltlich gesehen ist ArchLinux unübertroffen in seiner Leistungsfähigkeit. Wo das Projekt noch Schwächen hat, ist es diese Vorteile besser zu kommunizieren. Es hat Gründe, warum Leute lieber bei Debian mitarbeiten, anstatt sich mit ArchLinux zu beschäftigen. Nur allein eine gute Linux-Distribution zu sein reicht nicht aus. Man muss auch in der Lage seine, diese Vorteile anzupreisen. Und hier gibt es bei ArchLinux noch Nachholebedarf. Was gilt es zu verbessern? Zum einen ist ArchLinux auf großen Linux-Messen nicht vertreten. Nicht mal ein Mini-Stand ist aufgebaut sondern das Feld wird einfach Red Hat und Debian überlassen. Zweitens gibt es zu ArchLinux bis heute nur wenig Literatur in Buchform. Amazon listet gerade einmal 2 Werke und die sind schon etwas älter und auf Englisch. Zu Antergos gibt es überhaupt keine Publikation. Drittens, fehlt es an kommerzieller Unterstützung. Andere Distributionen wie Debian oder Redhat haben es geschafft, kommerzielle Sponsoren für sich zu gewinnen.

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