Geoclue und darüber hinaus


Paranoide Ubuntu Benutzer werden schon über die Spähprogramme Zeitgeist, shopping-lense und Geoclue gestolpert sein. Es handelt sich dabei um Tracking-Werkzeuge die personenbezogene Daten über den Benutzer erheben und insbesondere eine Geolocation ermöglichen. Wenn man jedoch um deren Funktionsweise weiß, kann man sich davor schützen, so die Hoffnung. Machen wir einmal ein kleines Gedankenexperiment um zu ergründen wie man Geoclue austricksen kann.

Also, die Geoclue Software ist in der Lage anhand von SSID der WLAN Netze die Position eines Notebooks zu ermitteln. Anders gesagt, wenn man in Google Maps den Button „Ortung“ drückt, erfährt Google wo man sich auf der Karte gerade befindet. Soweit nichts neues. Nehmen wir mal an, dass man aus welchen Gründen auch immer sehr kritisch eingestellt ist, und auf sowas keine Lust hat. Dann kann man den eigenen Laptop ja ganz einfach herunterfahren, ausschalten und einen ausgedehnten Waldspaziergang unternehmen. Denn, wo das Notebook keinen Strom hat, kann auch keine privacy invasive Software laufen, und wenn man sich selbst gar nicht neben dem Notebook aufhält, so weiß Google auch nicht wo man gerade ist.

Aus Sicht von Google wäre das ein unbefriedigender Zustand. „Da ist doch jemand tatsächlich so dreißt sich der Geolokalisierung zu entziehen“. Aber leider kann Google nichts dagegen unternehmen, denn Menschen senden nunmal keine WLAN Funksignale aus und lassen sich daher auch nicht orten. Aber stimmt das auch? Nehmen wir mal an, die Zielstellung besteht explizit darin eine Person zu orten, die kein Smartphone besitzt und einen Waldspaziergang macht in der Absicht sich außerhalb des Rasters der elektronischen Totalüberwachung zu bewegen. Welche Möglchkeit gibt es da?

Zunächst einmal kann man Menschen sehr wohl mit Hilfe von Kameras orten. Wenn man im Weltraum einen Satellliten betreibt, der hochauflösende Erdbeobachtung durchführt kann man damit eine Person erkennen und zwar rein optisch. Die Auflösung von Satelliten kann übrigens mit einem Verfahren genannt „pixelshift“ sehr stark erhöht werden. Wie gut das funktioniert ist in einem Werbevideo der Firma Bentley zu sehen wo aus dem Weltraum mit einer NASA Kamera bis in das Innere eines Fahrzeuges hineingezommt wird, https://www.youtube.com/watch?v=XMTd3bYenu8

Aber nehmen wir mal an, es ist gerade Nacht. Dann nützt die beste Kamera gar nichts. Ist man wenigstens dann anonym? Leider nicht, in solchen Fällen kann man sich an der Natur orientieren, genauer gesagt an den Vögeln. Diese sind in der Lage nur mittels Geräusche Dinge im Raum zu orten. Es gibt dazu wenige aber aufschlussreiche Paper bei Google Scholar in denen untersucht wird, wie man mit Richtmikrofonen eine Schallquelle ähnlich orten kann, wie über WLAN Triangulation. Die Auflösung beträgt auch hier wenige Zentimeter.

Unklar ist, ob sich Schallwellen bis in den Weltraum ausbreiten oder ob man sie über Mikrophone auf der Erde erfassen muss. Aber nehmen wir mal an, jemand läuft nachts im Wald herum so wird allein das Rascheln des Laubs soviel Lärmdruck erzeugen, dass sich die Position des Spaziergängers sehr genau eingrenzen lässt. Und wenn das noch nicht reicht, kann man zusätzlich weitere Methoden einsetzen wie beispielsweise Broadband Radar. Dabei wird zuerst ein Impuls ausgesendet der von Objekten reflektiert wird was ebenfalls ein Lagebild erzeugt. Auch hier wieder muss das Objekt weder mit dem Internet verbunden sein, noch ein Smartphone dabei haben.

Lange Rede kurzer Sinn. Wer glaubt, Geoclue könne man durch „abschalten des Computers“ austricksen der irrt. Wenn man andere Informationsquellen miteinander in Beziehung lässt, lassen sich Menschen orten, selbst wenn sie sich bewusst irgendwo verstecken sollten. Es ist sehr wahrscheinlich, dass parallel zur Geolocation Wifi-Datenbank von Google noch weitere Datenbanken entstanden sind, die Geräusche, Ultraschall, optische und Radarinformationen enthalten um so auch dann Personen zu identifizieren, wenn sie kein Geoclue installiert haben (aus Marketing-technischen Gründen um eine zielgruppengerechte Werbung zu ermöglichen). Google hat bereits ein Patent eingereicht, was eine „acoustic Database“ beschreibt, https://www.google.com/patents/EP2706528A2?cl=un

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