Antergos Live-USB Stick erstellen


Sowohl das ArchLinux Forum als auch das Antergos Forum ist gut gefüllt mit Fehlerberichten, wonach nach einem Update das komplette System kaputtgegangen ist. Da ist die Rede davon, dass das System überhaupt nicht mehr bootet, dass nur LaTeX nicht mehr geht, dass sich firefox nicht mehr starten lässt, oder dass keine Internetverbindung mehr möglich ist. Solche Fehlerberichte lesen sich sehr unschön und lassen Neueinsteiger zweifeln, ob ArchLinux überhaupt das richtige System ist. Denn in aller Regel ist die Problembehebung entweder unklar oder sehr schwierig so dass man sich fragt ob es mit Ubuntu oder Windows 10 nicht viel besser klappen würde.

Es gibt jedoch einen Ausweg der immer funktioniert und auch für Einsteiger gut zu bewältigen ist. Und zwar sollte man sich frühzeitig einen USB Rettungsstick zulegen. Dazu benötigt man ein aktuelles ISO Image von Antergos was man auf http://mirror.de.leaseweb.net/antergos/iso/release/ herunterladen kann mittels WGET. Die 2 GB große Datei brennt man dann entweder auf eine DVD mit Hilfe eines Brennprogramms wie Brasero oder speichert sich mit einem dd Befehl auf einen USB Stick:

sudo dd if=antergos-2016.09.03-x86_64.iso of=/dev/sdx bs=1M && sync

Diesen USB Stick legt man sich gut weg für den Fall der Fälle. Sollte docheinmal ein Update scheitern, kann man damit den Computer zumindest soweit booten dass man eine grafische Oberfläche angezeigt bekommt und ein wenig im Internet surfen kann. Man kann sich dann beispielssweise dafür entscheiden, dass Antergos doch nicht das richtige für einen ist und man lieber zu Ubuntu zurückmöchte.

Noch mehr Sicherheit als ein USB Rettungsstick bietet eine Rettungs-Minicomputer wie z.B. der Intel compute Stick. Sowas kann man einsetzen, wenn durch ein Update nicht nur das Betriebssystem kaputt gegangen ist, sondern auch die Hardware so stark beschädigt wurde, dass der Rechner generell nicht mehr geht.

Die Grundidee hinter USB Rettungsstick lautet, dass es im Grunde egal ist, warum genau ein Update fehlschlägt. Denn als Anwender hat man ja weder Antergos Linux mitentwickelt noch hat man Patches für den Gnome Desktop eingeschickt, ist also für den Schaden weder verantwortlich noch muss man wissen wie man ihn beseitigt. Insofern ist es vergeudete Zeit wenn man im Detail analyisert was das Problem darstellt. In vielen Fällen entstehen solche Probleme durch falsch erstellte pkgbuild Files aus dem ArchLinux Projekt oder aus Pfusch auf Seitens des Upstreams. Mit den Leuten ins Gespräch zu kommen ist überflüssig. Auch in den ArchLinux Foren findet man in solchen Fällen keinen Ansprechpartner. Anstatt sich hier groß als Software-Spezialist zu profilieren ist es besser, einfach den Rettungsstick zu booten und dort weiterzumachen wo man aufgehört hat. Ja es ist sogar kontraproduktiv wenn man den Fehler eingrenzt, isoliert oder versucht in Eigenregie zu beheben. Denn das ist Aufgabe des Upstream, von ArchLinux und von Antergos, nicht aber vom Benutzer der einfach nur zocken will und sich für nähere Details nicht interessiert.

RETTUNGS-STICK
Was kann man von einem Antergos ISO Image erwarten? Zunächst einmal ist darauf nicht die aktuellste Version gespeichert, sondern nur eine ältere Version von Linux. Das heißt, es besteht die Möglichkeit, dass man nicht mit absoluter Sicherheit unterwegs ist sondern das Chromium einen Exploit enthält. Man sollte also besonders vorsichtig im Web surfen und zwielichtige Webseiten meiden. Auch ist eine Rettungs-ISO-DVD nicht für den dauerhaften Gebrauch ausgelegt.

Was man jedoch bekommt ist ein sauber bootendes System inkl. Gnome. Dort kann man den vorinstallierten Chromium Webbrowser aufrufen der das komplette Internet anzeigt. Darüberhinaus gibt es auch vorinstallierte Software wie gparted zur Partitionierung der Festplatte, eine Terminal-Umgebung und die Möglichkeit weitere Software über den grafischen Paketmanager nachzuinstallieren. Diese wird dann nicht auf die Festplatte installiert sondern wird ähnlich wie die ISO Datei auch, nur im Hauptspeicher des Computers installiert und ist beim nächsten Start wieder weg. Auf diese Weise kann man sich beispielsweise einen Textbrowser wie w3m und irgendwelche Spiele installieren die man dann in der Live-Umgebung startet.

Das schöne ist, dass man sich auch dafür entscheiden kann von der Live-CD eine Neuinstallation auf der Festplatte durchzuführen. Dadurch wird der Inhalt dann komplett überschrieben und man hat wieder ein neues System. Ebenfalls natürlich ein Antergos-System, wenn man es dann möchte. Es ist zwar theoretisch möglich, mit Hilfe des Rettungssticks auch Fehler auf dem ursprungssystem zu beheben, beispielsweise indem man Pakete downgraded oder ähnliches, aber als Einsteiger muss man das nicht tun. Man kann sich das Leben auch leicht machen und einfach eine komplette Neuinstallation durchführen, weil man so auf jeden Fall wieder zu einem funktionierenden System gelangt.

Natürlich hat man als Antergos-User die Hoffnung, dass man so eine Rettungs-DVD niemals wird einsetzen müssen, weil das System so stabil läuft dass keine Fehler auftreten. Für den Fall der Fälle sollte man sich jedoch mit der Prozedur als solcher vertraut machen um nicht komplett hilflos zu sein. Von der Priorität her ist ein Rettungsstick sogar noch wichtiger als das ArchLinux Forum, weil im Zweifel die Leute dort überhaupt keine Ahnung haben bzw. man zuwenig Informationen liefert damit einem geholfen wird. So ein Rettungsstick hingegen weiß immer Rat.

Wie oft man ihn auf dem USB Stick aktualisieren sollte darüber gehen die Meinungen auseinander. Einige sagen, dass man jedes neue Image was veröffentlicht wird von Antergos unmittelbar auf den Stick kopieren sollte und zumindest austesten ob damit der PC noch bootet. Meist geschieht dies im Monatsryhtmus wo neue Iso-Images veröffentlicht werden. Aber man kann durchaus auch länger damit warten und nur alle 6 Monate eine neue Iso-Datei auf den Stick kopieren, weil sich soviel ja nicht ändert. Allerdings erhöht sich dadurch das Risiko dass der Stick dann anfälliger ist für Sicherheitslücken. Beim Booten fragt das ISO-Image zwar nach Updates nach, doch sollte man sich nicht darauf verlassen dass diese Prozedur auch funktioniert. Im Zweifel ist man mit einem ungepatchten Chromium Browser im WWW unterwegs.

Und noch eine Einschränkung gibt es: in der aktuellen Antergos ISO Datei wird die Einstellung für das Trackpad nicht vollständig durchgeführt. So ist ein Scrolling über das Trackpad nicht möglich sondern nur die Bewegung des Mousecursors wird abgefragt. Wer sich mit Linux auskennt wird wissen wo man die Option einstellen kann, als Einsteiger muss man sich damit dann abfinden. Ebenfalls Probleme gibt es mit WLAN Karten. Zwar funktionieren diese in einer richtigen Antergos Installation einwandfrei, in der ISO Live-DVD kann es jedoch zu Problemen kommen. Besser ist also, man nutzt einen RJ45 Stecker für die Internetverbindung, dann ist man auf der sicheren Seite. Als weiteres Problem gibt es wie bei allen Rettungssticks das Problem, dass permanent auf den Stick zugegriffen wird und dadurch das System langsamer läuft als eine vollständige Installation. Der Grund dafür ist, … ach egal ….

ZUSAMMENFASSUNG
Als Antergos und ArchLinux User ohne Rettungsstick ist man im Zweifelsfall vor unlösbare Aufgaben gestellt. Nähmlich dann, wenn nach einem Update das System nicht mehr startet. Deutlich leichter ist es, wenn man sich frühzeitig um einen Rettungs-USB Stick kümmert und diesen Testweise ausprobiert.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s