CynogenMod ist zu kompliziert


Wer glaubt, dass ArchLinux und dessen Updates kompliziert wären, der sollte sich etwas näher mit Android CynogenMod beschäftigen. Es gibt dazu zwar einen Film https://www.youtube.com/watch?v=Z6TUtVq-j8E wo behauptet wird, es wäre alles sehr simpel. Doch die Wahrheit ist folgende: täglich muss man ein neues Nighlty updaten. Diese Datei hat einen Umfang von 200 MB und muss über eine langsame LTE Verbindung heruntergeladen werden. Und danach muss das Gerät neu gebootet werden. Die Prozedur selbst dauert bis zu 30 Minuten, und im Worst-Case ist das Gerät danach kaputt. Kein Wunder warum CynogenMod nicht mehr Leute einsetzen und stattdessen lieber veraltete Android Versionen nutzen.

Die Installation von CynogenMod als anspruchsvoll zu beschreiben ist fast schon einen Untertreibung. Warum sich dennoch soviele Leute davon nicht abschrecken lassen ist fast schon ein Wunder. Selbst für Leute die normalerweise in C++ programmieren ist und sich mit Robotik beschäftigen ist die Prozedur komplett unverständlich. Selbst ArchLinux ist gegenüber CynogenMod bereits ein einfach zu bedienendes System. Obwohl Android schon so lange auf dem Markt ist, gibt es bis heute keine einfach zu bedienenden Systeme. CynogenMod ist im Grunde nur ein schlechter Witz, es ist technisch gesehen auf einem Stand von SoftLanding Linux (das war die erste Linux Version die erschienen ist wo man noch selber den Kernel kompilieren musste und es keinen grafischen Installer gab).

Generell stellt sich die Frage wo das Problem liegt? Ist es womöglich die Verwendung von OpenSource? Eigentlich nicht, schaut man sich einmal nur den Upstream von Android an so werden dort Sicherheitsprobleme gefixt und neue Features bereitgestellt. Android ist mindestens genauso sicher und schnell wie iOS von Apple. Das Problem besteht eher auf der Distributionsseite. Also die Frage wie man den Sourcecode vom Upstream auf das Gerät bekommt. Hier sieht die Lage im Android Universum traurig aus. Die Hersteller Samsung, Sony usw. schaffen es nicht, Android an ihre Geräte anzupassen und CynogenMod ist extrem schwer zu installieren und die Updateprozedur ist eine Qual. Was es braucht ist nicht etwa ein anderes Betriebssystem, sondern es braucht eine bessere Android-Distribution.

Eine gute Vorlage wäre ein Antergos für Android. Also ein grafisches System was sich leicht bedienen lässt und womit man tagesaktuelle Updates erhält. So ein System wäre im Stande iOS Konkurrenz zu machen. Ein Anterogs for Android existiert per heute nicht. Vermutlich weil dessen Implementierung anspruchsvoll ist und viele die Notwendigkeit als solche nicht erkannt haben. Stattdessen wird entweder am veralteten Stable-Release System festgehalten oder aber die User quälen sich mit CynogenMod herum.

WAS LÄUFT FALSCH?
Linux auf dem Deskop konnte sich bisher nicht durchsetzen, und Android Smartphones sind ein riesiges Sicherheitsproblem. Was läuft da falsch? Die naheliegende Antwort lautet, den Upstream in die Pflicht zu nehmen also Front zu machen gegen Linus Torvalds, gegen die vermurkste OpenSource Welt und gegen Gnome. Nur, schaut man sich diese Projekt einmal sachlich an, so wird man erkennen dass dort die Softwarequalität durchgehend hoch ist. Ein aktueller Linux-Kernel besitzt die beste Hardwareerkennung die jemals programmiert wurde und ist weitestgehend imun gegen Angriffe aus dem Internet. Das Problem liegt woanders. Zum einen sind hier die Linux-Distributionen zu nennen wie Debian, CynogenMod, Ubuntu usw. aber dann sind es auch die Medien welche über diese Distributionen berichten. Schaut man sich die Qualität der Distributionen wie auch der Berichte über Linux einmal kritisch an, so ist das Niveau extrem schlecht. Debian versucht beispielsweise seinen Nutzern zu erklären, dass ihre stable Policy sinnvoll ist während in Wahrheit Debian noch nichtmal im Stande ist, Sicherheitsupdates bereitzustellen. Und die Dokumentationen rund um CynogenMod kann man nur als einziges Durcheinander bezeichnen. Es ist auf den vielen Hilfe-Seiten und Download-Seiten nie so ganz klar ob man sich dort gerade Malware herunterlädt oder wo der Sinn hinter all dem stecken soll.

Anders ausgedrückt, der Linux Upstream ist nahezu fehlerfrei und darf für sich verbuchen sehr gute Arbeit zu leisten: Linux Distributionen und die Berichterstatttung über Linux hingegen ist der Grund warum OpenSource auf Smartphones und auf dem Desktop nicht funktioniert.

Es gibt zwei Baustellen bei denen Probleme auftreten. Einmal die Programmierung von Software selber. So enthält sowohl der Linux Kernel als auch Webkit zahlreiche Sicherheitsprobleme die noch ungefixt sind. Zusätzlich gibt es aber noch die Update-Politik der Distributionen welche selbst wenn ein Exploit gefixt ist, diesen Patch nicht an den Endverbraucher ausliefern. Das summiert sich natürlich und führt dazu, dass Linux auf dem Desktop erstens unbenutzbar wird und zweitens massive Sicherheitslücken enthält.

Was ist zu tun? Zunächst einmal geht es darum, den Fehler einzugrenzen. Der beste Weg dorthin ist es, bei sich ArchLinux zu installieren. Damit ist zumindest sichergestellt dass die aktuelle Version des Upstreams tatsächlich auf einem PC eingesetzt wird. Wenn es jetzt trotzdem noch Bugs gibt, so kann man dafür allein den Upstream verantwortlich machen. Wenn man hingegen andere Distributionen nutzt wie z.B. ein Debian LTS dann ist die Lage hoffnungslos. Es ist bei so einem Setting ungeklärt, wodurch ein Bug entsteht oder wer für seine Beseitung verantwortlich ist.

Von außen betrachtet ist die Aufgabe simpel: ein Betriebssystem besteht aus einer 5 GB großen ISO Datei und es gibt unterschiedliche Wege wie man diese Iso Datei erzeugt. Man braucht zum einen den Sourcecode dafür (also die Programme an sich) und dann braucht man noch einen Paketmanager und Build-Scripte um daraus ein Iso-File zu erzeugen. Diese Zweiteilung wird als Upstream (Gnome, Linux-Kernel, Python) und Downstream (Debian, ArchLinux, Fedora) bezeichnet. OpenSource im Allgemeinen und deren Unterteillung in Upstream/Downstream ist etwas sehr junges. Linux ist erst 25 Jahre alt, und die großen Linux Distributionen gibt es erst seit 10 Jahren. Anders ausgedrückt, es gibt niemanden der wirklich wüßte wie es richtig geht.

Nach meiner Recherche ist ArchLinux der grundsätzlich richtige Ansatz, weil er dafür sorgt, dass zumindest der Downstream (also die Distributution) semi-automatisch erzeugt wird über pkgbuild-Files. Damit ist sichergestellt, dass der Upstream in Ruhe arbeiten kann um so den Sourcecode zu verbessern.

Wichtig zu erwähnen, dass diese Meinung sich bisher nicht durchgesetzt hat. Rund 90% aller Linux-User / Developer würden hier vermutlich wiedersprechen. Man wird im Internet viel mehr Webseiten finden auf denen Debian und dessen Entwicklungsmodell als das einzig richtig angeprisen wird. Und die Anzahl der tatsächlich installierten ArchLinux Systeme dürfte im Bereich von weniger als 1% liegen.

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