Linux ist keine Wissenschaft


Der Hauptgrund warum Linux entwickelt wurde ist Microsoft. Aber wer glaubt, Linux wäre eine Gegenbewegung zu Microsoft der irrt. Schauen wir uns zunächst einmal an was propritäre Software ausmacht und untersuchen dann Linux genauer. Microsoft bringt in regelmäßigen Abständen neue Betriebssysteme heraus. Das weltweit bekannteste ist Windows XP, was weltweit eingesetzt wird, und vermutlich jeder schonmal gesehen hat. Windows XP wurde um das Jahr 2000 herum entwickelt von Microsoft Angestellten und in einer Testphase von 6 Monaten auf Herz und Nieren überprüft bevor es in den Verkauf gelangte. Windows XP ist wie die meisten anderen Microsoft Betriebssysteme in C/C++ programmiert worden. Der Sourceode ist geheim und Experten sagen er ist Milliarden wert.

Linux ist auf den ersten Blick völlig anders. Bei Linux gibt es keinen Konzern, sondern es wird OpenSource Quellcode verwendet. Und Linux Veranstaltungen finden auch nicht in Redmond, USA statt sondern werden bevorzugt in universitären Hörsälen abgehalten. Aber ist Linux automatisch akademisch-nichtkommerziell? Leider nein. Es hat mehr mit Microsoft gemeintsam als man auf den ersten Blick glauben mag. Schauen wir uns die beiden wichtigsten Distributionen näher an: Redhat und Ubuntu. Beide werden nach dem Stable-Release Verfahren entwickelt, das heißt in der Betaphasen suchen ausgewählte Tester nach Bugs und berichtigen diese, damit das fertige Produkt dann halbwegs stabil läuft. Die BetaTestphase von Ubuntu gleicht ziemlich genau dem was auch bei Microsoft verwendet wird um die Qualität sicherzustellen. Die Gemeinsamkeinten gehen noch weiter. Sowohl Microsoft als auch Linux verwenden C/C++ als Programmiersprache, auch das Prinzip mit Bugtrackern und Versionskontrollsystemen zu arbeiten ist identisch.

Aber die wohl wichtigste Gemeinsamkeit ist, dass sowohl Microsoft Windows als auch Linux in der wissenschaftlichen Informatik keine Bedeutung haben. Es gibt in der Computerscience weder für Microsoft noch für Linux Vorlesungen wo im Detail erläutert wird, was der Kernel macht, wie Gnome aufgebaut ist, oder wie man einen Treiber schreibt. Woran liegt das? Das über Microsofts Betriebssystem an den Universitäten so wenig zu hören ist liegt eindeutig daran, dass der Quellcode geheim ist und selbst wenn man wollte man darüber keine Vorlesung halten könnte. Das hat bereits Andrew Tannenbaum bemängelt, der extra ein eigenes Betriebssystem geschrieben hat, um seinen Unterricht aufzulockern. Nur, jetzt wo Linux da ist und Microsoft in der Leistung sogar noch überholt hat, wird Linux immernoch nicht an Universitäten unterrichtet. Der Sourcecode ist kostenlos, rechtliche Bedenken gibt es keine, warum also wird im Unterricht nicht der neuste Sourcecode von Kernel Version 4.7 im Detail erläutert? Warum müssen die Studenten keine Patches schreiben um die Prüfung zu bestehen? Die Antwort ist simpel: das Hinderniss war niemals die Lizenz des Sourcecodes, sondern das Hinderniss ist, dass das was Microsoft, Ubuntu und Linus Torvalds machen schlichtweg keine Wissenschaft ist sondern etwas anderes.

Schauen wir uns dochmal an, wie genau Linux marketingtechnisch verkauft wird. Es wird als universitäres Betriebssystem angepriesen. Das kann man beispielsweise daran erkennen, dass viele LinuxTage an Hochschulen oder mit Billigung von Universitäten stattfinden. Aber, passt Linux wirklich auf den Campus?

Schauen wir dochmal genau hin wo Linux-Tage abgehalten werden. In den universitären Unterricht eingebettet werden sie nicht. Sondern sie finden überlicherweise am Nachmittag statt, wenn die regulären Vorlesungen zu Ende sind, oder sie werden in Zusammenarbeit mit dem Rechenzentrum durchgeführt. Das heißt, erwünscht ist Linux eigentlich nicht, sondern nur geduldet. Es gibt aber auch noch weitere Locations auf denen Linux-Tage durchgeführt werden. Irgendwo gab es mal eine Veranstaltung die in der Computerabteilung eines Kaufhauses durchgeführt wurde und eigentlich gehört dort Linux auch hin. Am besten in die Schmuddelecke wo die FSK18 Videokassetten und die Shareware vertickt wird.

Zugegeben, dieses Urteil ist vielleicht etwas hart. Entspricht aber ziemlich genau dem, was die Wissenschaft über Linux denkt. Die OpenSource Community ist ein beliebtes Studienobjekt für die Sozialwissenschaften um das Phänomen Freie Software zu untersuchen, und der neueste Linux Kernel wird auch gerne im Rechenzentrum eingesetzt um den Webserver zu betreiben, aber dass in einer Vorlesung oder in einem Proseminar Linux als solches diskutiert wird, kommt nicht vor.

Der Grund dafür ist, dass aus Sicht der Wissenschaft Linux und Windows identisch sind. In beiden Fällen geht es darum, dass man eine funktionsfähige Software entwickelt die wissenschaftlich gesehen keine Herausforderung darstellt sondern überwiegend durch Fleiß entsteht. Das Wissen, was man als Anwendungsprogrammierer benötigt setzt keine wissenschaftliche Grundbildung voraus, sondern ist eher vergleichbar mit dem Wissen was man benötigt um Sharewarespiele zu schreiben. Nur mal ein Beispiel: aktuell entwickelt die Linux-Community gerade mit viel Eifer am neuen Radeon Kernel mit dem man AMD Grafikkarten ansteuern kann. Das ganze ist deshalb so aufregend weil damit der Weg frei ist um Linux auch auf Desktops gut einzusetzen und Microsoft Marktanteile wegzunehmen. Nur, Grafikkartentreiber sind nichts neues für die Informatik. Sowas gab es schon vor 30 Jahren und damals wie heute wird sowas von Leuten erstellt die bereit sind sich sehr intensiv mit einem Problem auseinanderzusetzen. Irgendwann sind die Bugs behoben, und der Programmierer ist glücklich.

Aber, das ist nichts was nur in der OpenSource Szene zu finden ist, sondern findet sich so auch bei Microsoft wieder. Anders formuliert, nur weil man den Sourcecode freigibt, heißt das nicht automatisch dass aus einem Bastelprojekt ein wissenschaftliches Projekt wird. Bis heute ist Linux aus dieser Nischenecke nie herausgekommen. Es gibt fast keinen Professor für Informatik der sich ernsthaft mit Linux auseinandersetzt. Sondern den größten Anklang hat das freie Betriebssystem in der Industrie gewonnen, also bei Microsoft, Intel usw.

Das Gefälle zwischen angewandter Informatik und theoretischer Informatik ist nichts neues. Schon immer gab es zwei Bereiche die miteinander nichts zu tun hatten. Auf der einen Seite die Forscher, welche die Computertechnik als solche untersucht haben und auf der anderen Seite die Anwendungsprogrammierer. Nach der Sichtweise von Stallmann und Torvalds spielt dieser Gegensatz keine Rolle. Stattdessen unterteilen sie die Welt in die propritäre Software wo Microsoft und Apple sind, und in die Freie Software die aus einer ethischen Werthaltung heraus entstanden ist. In Wahrheit ist OpenSource kein Spin-Off der Hochschulen sondern OpenSource hat sich innerhalb der komerziellen Softwareentwicklung gebildet und ist bis heute in diesem Gefängnis verhaftet.

Vornehm ausgedrückt, findet ein reger Austausch zwischen Microsoft und Linux statt, was Ideen und Quellcode anbelangt, aber es findet keinerlei Austausch statt zwischen Linux und der universitären Informatik. Die frühere Grenze zwischen angewandter Informatik einerseits und theoretischer Informatik andererseits ist nach wie vor aktiv. Informatik hat eben nichts mit programmieren tun, jedenfalls nichts mit hardwarenaher Programmierung. Wenn es irgendwo ein Zuhause für Linux gibt, dann wohl im Bereich Elektrotechnik und Löten wo eine Hands-on Mentalität gefragt ist. Dort krempeln Kerle die Ärmel hoch und machen sich schmutzig beim Arbeiten. Das Problem mit diesen Schmuddelkindern ist jedoch, dass man sie bei der richtigen Informatik nicht haben möchte. Weder Bill Gates noch Linus Torvalds haben eine Publikationsliste vorzuweisen mit einem wissenschaftlichen Anspruch.

Bill Gates wurde einmal gefragt was er mit seinem Leben anstellen würde, wenn er nicht der Vorsitzende von Microsoft geworden wäre. Er antwortete mit einem Lächeln, dass er sich für Künstliche Intelligenz interessiere und sich dafür dann begeistert hätte. Vermutlich würde Linus Torvals so ähnlich antworten. Das heißt nichts anderes, als dass sie sich gegen eine karriere in der Wissenschaft entschieden haben und stattdessen lieber Shareware verticken.

Auf lange Sicht wird Linux vermutlich Microsoft in die Knie zwingen. Anzeichen dafür gibt es bereits. Was aber Linux ähnlich wie Microsoft nicht erhalten wird, ist Anerkennung aus der Wissenschaft. Natürlich stellt sich die berechtige was bitteschön die Informatik stattdessen untersucht wenn nicht die Frage wie man einen Computer programmiert. Die Antwort darauf lautet, dass es die Informatik nicht weiß. Das ist ja gerade der Grund warum sie gegründet wurde, es muss erst noch erforscht werden, was Computer sind und was mit ihnen machen kann. Und ein OpenSource Betriebsystem in C zu schreiben ist nur eine Anwendung unter vielen.

In der gängigen Literatur die das Phänomen OpenSource darstellt wird kritiklos die Selbstdarstellung der Protagonisten übernommen, wonach Freie Software ein Gegenmodell zu kommerzieller Software darstellt. Objektiv betrachtet ist Linux jedoch als Shareware einzustufen. Es ist eben keine gesellschaftliche Gegenbewegung, sondern hat seine Wurzeln in der Computerabteilung eines Kaufhauses. Dass Stallmann wie Torvalds irgendwannmal eine Universität besucht haben, sieht man ihnen heute nicht mehr an. Eher hat man den Eindruck, dass sie in ihrer Jugend vorwiegend unterhalb der Eisenbahnplatte gespielt haben.

LINUx ALS SHAREWARE
Zugegeben, Linux ist nicht irgendeine Shareware. Es ist die leistungsfähigste Software die jemals entwickelt wurde. Klassisch wurden als Shareware Programme bezeichnet die nicht größer waren als 100 kb und die viele Fehler enthielten. Der letzte Linux-Kernel ist weitaus größer und ist ein weltweites Projekt. Zusätzlich ist die Sourcecode auch noch einsehbar. Aber, was unverändert geblieben ist dass ist der Entwicklungsprozess. Die Entwicklung eines Sharewarespieles und die Programmierung des Linux-Kernels verlaufen ähnlich. In beiden Fällen findet die Arbeit am Computer statt und Bedarf eines bestimmter Fertigkeiten des Programmierers. Im Kern geht es darum, die Leistungsfähigkeit der Hardware optimal auszunutzen und mit seinen Fähigkeiten zu prahlen. Es handelt sich um eine Leistungsschau, eine Art von Wettbewerb bei dem es darum geht möglichst viel Geld oder möglichst viel Anerkennung zu erhalten.

Die Halbwertzeit des Wissens was in solche Projekte fließt ist sehr begrenzt. Eine Software die älter ist als 5 Jahre hat keinerlei Wert mehr. Man kann nichts mehr damit anfangen und der Code lässt sich nicht wiederverwenden. Stattdessen orientiert sich die Entwicklung am zukünftigen: an neuen CPUs und an neuen Dateiformaten. Das ist die Welt in der Shareware-Autoren denken. Sie wollen nichts erforschen sondern sie wollen etwas beweisen. Das Hauptziel besteht in fehlerfreier Software mit einer hohen Funktionalität. Es geht um Beifall, um nichts anderes. Die Shareware-Szene will den Applaus der Masse.

Nur die Szene selber unterscheidet die Shareware in kommerzielle und opensource-Shareware. Es ist kein Merkmal was darüberhinaus von Bedeutung ist. Weil selbst wenn der Code einsehbar ist, er keine Rolle spielt. Er verändert sich zu schnell als dass man daraus etwas lernen könnte.

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