Ursachen von Datenlecks


Die klassische Vorstellung von Hacking basiert auf dem Überwinden von Hindernissen. Einmal gibt es die streng gesicherten Daten wie Name, Anschrift, Wohnort und dann gibt es den bösen Hacker der unendlich viel Aufwand treibt um in den Besitz dieser kostbaren Ware zu kommen um sie in den dunklen Ecken des Internets zu verkaufen. Möglicherweise ist diese Vorstellung jedoch überholt. Schauen wir die letzten 10 Jahre einmal objektiv an, so hat sich die Häufigkeit und der Umfang von Datenlecks erhöht. Das betrifft einmal die tatsächlich gehackten Daten wo Server angegriffen wurden, aber darunter fallen auch jene Daten welche die Nutzer freiwillig ins Netz leiten. Entweder weil sie irgendwo unter die Geschäftsbedingungen ein Kreuzchen angeklickt haben oder weil sie sogar aktiv ihr eigenes Foto irgendwo hochlanden. Eine bessere Meßgröße für das Ausmaß von Datenlecks sind dessen ökonomische Kosten. Also wie teuer es ist, in den Besitz von Name und Anschrift zu gelangen oder wieviel Geld man ausgeben muss um eine Straße zu fotografieren. Durch den technischen Fortschritt haben sich diese Kosten im Laufe der Jahre immer weiter reduziert. Den bisherigen Höhepunkt hat wohl das Google Driverless Car vor Augen geführt wo mit relativ wenig technischem Aufwand und einem begrenzten Budget, mal auf die schnelle die komplette Welt fotografiert wurde und jetzt im Internet ist.

Die Frage ist nicht, „Darf das Google“, und die Frage ist auch nicht „Wie schützt man sich dagegen“ sondern die Frage ist einzig: „Wie teuer war die Aktion?“. Anonymität also die Gewisstheit das die eigenen Daten nicht ausgespäht werden ist nur dann möglich, wenn die Kosten dafür hoch genaug sind. Wollte man beispielsweise im Jahr 1990 Großstädte fotografisch erfassen, hätte man dafür mehrere Fotorollen benötigt, Entwicklerlabore anmieten müssen und eine komplexe Zulieferkette etablieren müssen. Das Projekt hätte jahrzehnte gedauert und die Kosten wären astronomisch hoch gewesen. Weil die Kosten damals so hoch waren, wurde so ein Projekt nicht durchgeführt und es wurden keine Fotos gemacht.

Schaut man sich die Entwicklung des Moorschen Gesetzes und den Preisverfall der Halbleiterbranche an, so stellt man fest dass der Trend in eine Richtung geht bei der das Sammeln von Informationen und dessen Weiterleitung fast schon kostenlos ist. Das bedeutet, allein deshalb wird in Zukunft der Umfang von Datenlecks zunehmen. Es gibt keine Barrieren mehr die soetwas verhindern. Der finanzielle wie personalle Aufwand um persönliche Daten zu erheben, zu klauen oder sonstwie ins Internet abfließen zu lassen wird sinken. Auch wird irgendwann es keinen Unterschied mehr geben zwischen freiwillig herausgegebenen Daten und entwendeten Daten. Auch die Kosten um den Besitz von persönlichen zu gelangen wird sich verkleiner. Hätte man vor 20 Jahren wissen wollen wie eine konkrete Person aussieht, welche Hobbys sie hat und wie alt sie ist, hätte man vielleicht Detektive beauftragen müssen. Heute schaut man einfach bei Facebook nach und hat die Antwort in weniger als 1 Minute.

Bei sämtlichen Informaionen die sich im Internet sammeln handelt es sich um Datenmüll. Die wichtigen Informationen werden kaum in ein öffentliches Datennetz hochgeladen. Auch OpenSource Software ist im Grunde der gepresste und recycelte Abfall der IT-Branche. Aber offenbar ist der Wert dieser Informationen immernoch hochgenug, als das das Internet für viele Menschen nützlich ist und sogar als Fundgrube genutzt wird. Und hier ergibt sich das Grundlegende Problem des Datenschutzes: Wenn die Kosten für Informationen kontinuierlich sinken wie will man da Datenschutz und Privatheit aufrechterhalten? Die Antwort ist ernüchternd: gar nicht. Man kann nicht beides zugleich haben. Man kann nicht einerseits die Kosten pro Bit auf Null reduzieren und gleichzeitig die Kosten für 1 Bit persönliche Information auf ein Maximum erhöhen. Was sich also anpassen wird, ist unser aller Verhältnis zu den Daten. Es wird langfristig dazu führen, dass Datenschutz an Bedeutung verliert, es wird einfach so hingenommen werden, dass persönliche Daten einsehbar sind.

Irgendwann wird es keine Rolle mehr spielen, ob man einer Datenweitergabe zustimmt oder nicht. Sondern die Menge an Informationen die im Internet landen entspricht ziemlich genau dn Kosten die es verursacht diese Daten zu erheben. Anders ausgedrückt, dass heute noch nicht die Innenräume der Gebäude bei Google Maps zum Anklicken verfügbar sind, hat weniger etwas damit zu tun, dass der Datenschutz funktioniert oder dass man bisher die bösen hackern erfolgreich daran hindern konnte. Sondern der Grund ist einfach, dass die Kosten für Software und Hardware noch zu hoch sind als das diese Daten als Müll anfallen.

Aber was genau ist Datenmüll? Datenmüll ist wenn man auf eine DVD etwas draufschreibt, diese DVD bei ebay zum Verkauf anbietet und man dafür keinerlei Gebote erhält. Das passiert beispielsweise dann, wenn man Zufallszahlen in eine Textdatei schreibt, oder wenn man die Wikipedia auf DVD brennt. Warum sollte jemand für diese Informationen Geld ausgeben, wenn er sie ohnehin gratis erhalten kann?

Die Gefahr ist, dass allein durch den technischen Fortschritt immer mehr Daten das Preisschild 0,00 EUR erhalten. Das also selbst Daten die heute als streng-geheim eingeschätzt werden in Zukunft keinen Umsatz mehr bringen. Geschützt sind Daten nur dann, wenn sie einen Marktwert besitzen. Wenn also der Aufwand um in dessen Besitz zu gelangen hoch ist. Zu glauben, dass Daten per se geschützt sind, ist eine Illusion. All die Daten die bereits im Internet sind, unterliegen keinem Datenschutz mehr. Das Überwinden von Datenschutz wird klassisch mit dem Aushebeln von Kopierschutzmechanismen assoziert, in Wahrheit findet die Überwindung des Datenschutzes dadurch statt, dass die Computertechnik an sich immer preiswerter wird. Der Aufwand wird kleiner, Daten zu kopieren.

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