Fedora — eine erste Annäherung


Die derzeit bekannteste Linux-Distribution ist Ubuntu. Sie gilt als stabil wie sicher gleichermaßen und erfreut sich bei vielen Neueinsteigern einer großen Beliebtheit. Aber mit Ubuntu gibt es mehrere Probleme. Erstens, erinnert auch das normale Ubuntu sehr stark an ein Windows XP bzw an ein Linux Mint, wo man das Gefühl nicht loswird vor einem 5 Jahre alten System zu sitzen, was jeden Moment auseinanderfällt. Zweitens macht der Ubuntu CVE Tracker keine gute Figur, weil da sehr viele Bugs noch nicht gefixt sind und zu guter letzt scheint die Debian Gemeinschaft ein wenig der Welt entrückt zu sein. Was tun? Zu ArchLinux wechseln geht leider nicht, weil man hier von einem stable-Release zu einem Rolling-Release wechselt, was im Grunde heißt, dass man damit keine stabilen Server und vermutlich auch keine stabilen Workstations betreiben kann, sondern ArchLinux ist eher für jene Leute welche aktiv am Linux Kernel mitentwickeln wollen, also froh darüber sind, wenn ein neuer Bug auftritt, den man fixen kann.

Die nächste Alternative wäre dann schon Redhat. Redhat gilt es als extrem zuverlässig und basiert ähnlich wie Debian auf einer Stable-Release Veröffentlichung. Noch dazu nutzt Torvalds Redhat und viele interessante Projekte wie qemu werden dort entwickelt. Die kostenlose Redhat Version lauten CentOS und Fedora. Über beide Systeme ist in deutscher Sprache relativ wenig zu lesen. Es gibt auch kein umfangreiches ubuntuusers-ähnliches Wiki auf Deutsch, sondern scheinbar ist Fedora komplett auf den us-amerikanischen Markt hin zugeschnitten. Zumindest von der Selbstdarstellung verspricht es, professioneller zu sein als ein Ubuntu. Warum also nicht dem System eine Chance geben?

Fangen wir mal ganz langsam an und untersuchen die Pakete bei Redhat / Fedora. Hier https://apps.fedoraproject.org/packages/lyx ist beispielsweise das Schreibprogramm Lyx aufgeführt was in einer erstaunlich frischen Version daherkommt. Auch Eclipse ist anders als bei Ubuntu neueren Datums. Ein wenig kommt da ArchLinux Feeling auf, wo ebenfalls das Repository immer sehr gepflegt ist, allerdings mit dem Unterschied dass Fedora nicht als reine Rolling-Release Distribution daherkommt sondern (hoffentlich) voher noch ein/zwei Tests durchführt.

Um dieser Frage genauer nachzugehen, muss man sich die ISO DVD aus dem Netz herunterladen. Die Url findet man relativ einfach mittels Google und so reicht ein simpler wget Befehl um die 1,4 GB große Datei auf die heimische Festplatte zu schaufeln. Da der Download etwas länger dauert bleibt Zeit ein wenig darüber nachzudenken, was genau die Erwartungen an Fedora sind. Nun im Grunde soll Fedora das selbe können wie Ubuntu auch, also ein kostenloses Linux für einen PC liefern, aber mit dem Unterschied dass man neuere Software und weniger Fehler erhält. Die grundsätzliche Frage die man sich als Ubuntu Anwender immer stellt ist ob die vielen Baustellen in dem System ein Problem von OpenSource Software sind, oder ob man mit einer besseren Distribution die von kompeteteren Maintainern verwaltet wird da nicht noch was rausholen kann.

Dass Linux gegenüber Microsoft Vorteile besitzt ist unbestritten. Gegen eine Software die umsonst ist und noch dazu im Sourcecode verfügbar ist hat es Microsoft schwer dagegen anzukommen. Es stellt sich jedoch die Frage ob das was Debian/Ubuntu abliefern bereits der Weisheit letzter Schluss sind oder ob es noch ein Zwischending gibt zwischen ArchLinux und Ubuntu. Wo man also zwingend ein stable-Release System erhält was vorher schonmal getestet wurde, aber was noch halbwegs aktuell ist. Also nicht, dass Ubuntu kompletter Unfug wäre. Ubuntu ist eines der besseren Linux-Distributionen die sehr viel richtig gemacht hat. Das umfangreiche Wiki auf Deutsch gehört dazu. Auch ist die Ubuntu Community relativ groß und man kann es auf so gut wie jedem PC out-of-the-box installieren. Aber grundsätzlich besteht die OpenSource derzeit aus zwei großen Playern: Debian vs Redhat. Und man sollte beiden Systeme eine Chance geben. Gerade auf dem europäischen Markt ist Fedora nahezu unbekannt, selbst nach intensiver Recherche findet sich nur wenig Videomaterial auf Youtube zu der Thematik. Das kann bedeuten, dass es mit Ubuntu nicht mithalten kann, es kann aber auch bedeuten dass Fedora ein Geheimtipp ist für all jene Leute welche sich mit dem Cannonical Way of life nicht so recht anfreunden können. Ein Vorteil hat Fedora/Redhat zumindest: Geld ist offenbar überreichlich vorhanden, weil man schon relativ früh sich auf Unternehmenskunden fokussiert hat, und dort wohl Umsätze im Millionenbereich einfährt. Dort will Ubuntu erst noch hin.

UPDATES
Das Hauptproblem was alle Linux Distributionen haben sind Sicherheitsupdates. Wenn man davon ausgeht, dass diese zwingend als Stable-Release erscheinen weil man nur das auf einem Produktivserver tolerieren kann muss zwingend auf Seiten der Distribution eine Infrastruktur geschaffen werden wie man die Backports, Updates und Aktualisierungen pflegt. Sowohl bei RedHat als auch bei Debian gibt es Leute, die sich damit beschäftigen. Die Qualität einer Distribution ist davon abhängig wie gut die Updates erfolgen, also wie zahlreich, wie schnell und mit welchen Problemen. Gäbe es nicht die Update-Problematik könnte man theoretisch auch eine Ein-Mann-Distribution auf Basis von Linux-From-Scratch oder Damn-Small-Linux aufbauen, die einmal installiert stabil und sicher läuft. Wie aber die meisten Anwender ahnen ist der nächste Exploit nicht weit weg und so bedarf es einer laufenden Wartung am System wenn man Freude mit dem System haben will.

INSTALLATION
Anstatt den Sprung ins kalte Wasser zu wagen wird Fedora erstmal in Qemu installiert:

qemu-img create -f qcow2 BOOTSYSTEM.img 10G
kvm -hda BOOTSYSTEM.img -cdrom DATEINAME.iso -boot d -m 1024

Falls da schon Probleme auftreten kann man sich den Spaß mit dem USB Stick auch sparen. Nachdem die ISO-Datei gebootet ist, hat man wie bei Ubuntu auch die Auswahl zwischen Try und Install, ein Druck auf den Install Button öffnet ein weiteres Menü wo man die Sprache einstellt und die Zielpartition automatisch erstellen lassen kann, dann beginnt bereits die Installation selber und während man dem Statusbalken zuschaut muss man noch das Root-Passwort festlegen. Nach kurzweiligen 10 Minuten ist die Installation abgeschlossen und man kann neu booten.

Nach dem ersten Start kommt eine Oberfläche die stark an die Erstinstallation bei einem Apple Gerät erinnert. Man wird darüber informiert, dass die Ortungsdienste einen tracken und man soll sich mit seinem Google Konto verbinden, was man aber auch überspringen kann. Dann landet man auf einer weitestgehend leeren Gnome3 Oberfläche. Den ersten Bug kann man sehen, wenn die Karten-Applikation startet, dort erscheint die Meldung dass der Datenlieferant Mapquest seinen Dienst eingestellt hat. 1 zu 0 für Fedora. Ein weiterer Bug wird deutlich wenn man LibreOffice Writer startet. Obwohl bei der Installation explizit Deutsch als Sprache eingestellt wurde, ist LibreOffice komplett auf English. Jetzt sind es bereits 2 zu 0 für Fedora. Als nächstes wird das Schreibprogramm Lyx installiert, mal sehen ob das klappt. Unter dem Button Software versteckt sich der Gnome Paketmanager der auch bei Ubuntu verwendet wird, dort ist Lyx tatsächlich vorhanden und kann nach Eingabe des Root passwortes installiert werden. Um den weiteren Ablauf näher zu beschreiben, hier die Ist-Situation:

Derzeit läuft Lyx weder in Ubuntu noch in ArchLinux wirklich stabil. Wenn man eine Bibliographie verwendet und als Sprache Deutsch auswählt kommt eine böse Fehlermeldung dass irgendwas mit der Sprachdatei nicht funktioniert. Wollen doch mal sehen wie das bei Fedora gehandhabt wird. Antwort: nicht so gut. Bereits die Installation scheitert. Angeblich konnte das Package auf dem Server nicht gefunden werden. Tja, jetzt steht es bereits 3 zu 0 für Fedora.

PAKETMANAGER
Anders als bei Ubuntu gibt es bei Fedora offenbar keinen grafischen Paketmanager. Außer „Gnome Software“ wurde jedenfalls nichts angezeigt. Mit etwas suchen bei Google hat sich dann herausgestellt, dass

su -
dnf upgrade

das System auf den neuesten Stand bringt. Etwas ausfühlicher wird die Benutzung auf https://fedoraproject.org/wiki/Dnf/de erläutert. Was an Fedora nervig ist, dass man offenbar ein Fan von weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund ist. Dieses Darktheme genanntes Konzept ist doch längst überholt, heute möchten es auch Hacker lieber etwas heller haben und bevorzugen einen leuchtend hellen Hintergrund mit schwarzer Schrift.

SELinux
Das schöne an der Ubuntu Community ist, dass es dort entspannt zugeht. Man findet dort Leute die ebenfalls gerne mit STEAM Games zocken, und aus Windows Ecke kommen. Bei Fedora hingegen scheinen einige einen Stock verschluckt zu hoben. Nicht nur, dass dort SELinux vorinstalliert ist, sondern wenn man auch nur einmal das falsche Root-Passwort eingibt, steht da gleich „Dieser Vorgang wird gemeldet“. Und weiter heißt es, „1 falscher Anmeldeversuch“.

UND WEITER GEHTS
Da beim ersten Anlauf die Installation von Lyx gescheitert ist, machen wir doch mit dem aktualisierten System noch einen zweiten Versuch.

su -
dnf search lyx
dnf install lyx

Nach „dnf search“ informiert uns Fedora dass sowohl auf Lyx als auch auf LaTeX das US-amerikanische Patentrecht gilt. Das war vorhin gemeint mit dem „Stock verschluckt“, so locker wie bei Debian ist man hier wohl nicht was das geistige Eigentum anbelangt. Anders als beim Gnome Software Center sieht man bei „DNF“ auf der Komamndozeile den konkreten Status, es erinnert ein wenig an Pacman aus dem ArchLinux Projekt. Bei Lyx dauert die Installation bekanntlich etwas länger, weil erstnoch die komplette Texlive Iinstallation durchgeführt werden muss. Es ist also Warten angesagt. Diesmal wird die Installation bis zu Ende durchgeführt aber trotzdem startet lyx nicht, es gibt ein Fehler mit einer Python-Applikation. Damit ist der Punktestand jetzt 4 zu 0 für Fedora.

Ein erneuter Check ob nach dem Systemupdate sich sonst etwas verändert hat, ergibt, dass plötzlich die Karten-App funktioniert. Auch der eigene Standort ist halbwegs genau. Wie sich Fedora aus einer Virtuellen Maschine heraus orten konnte ist unklar, WLAN SSID sind jedenfalls nicht vorhanden die man anzapfen könnte. Vielleicht wissen die Autoren von Geoclue2 mehr? Da aber die Karten-App tadellos funktioniert erhöht sich der Punktestand auf 4 zu 1.

Machen wir noch einen weiteren Installationsversuch. Das beliebte Echtzeitstrategiespiel OpenRA wäre sicherlich auch für Fedora Anwender ein Gewinn. Leider sagt der Paketmanager, dass OpenRA komplett unbekannt ist. Das ist der nächste Pluspunkt für Fedora, damit lautet der Gesamtpunktestand jetzt 5 zu 1.

FAZIT
Fedora macht einen sehr steifen Eindruck, man kann damit sicherlich gut auf dem Desktop arbeiten, aber viele Dinge funktionieren nicht. Lyx ist zwar auch in Ubuntu nicht ohne Fehler, aber zumindest startet dort die Applikation. OpenRA gibt es bei Fedora überhaupt nicht. Positiv fällt auf, dass bei Fedora alles gut strukturiert ist. Man hat eher den Eindruck mit einem professionellen Betriebssystem zu arbeiten. Einen klaren Vorteil von Fedora gegenüber Ubuntu ist jedoch nicht erkennbar. Es hat seine Gründe, warum Ubuntu und nicht Fedora das beliebteste Linux ist im Heimbereich.

Laut Selbstdarstellung ist Fedora die professionellste von allen Linux-Distributionen. Dass es keine deutsche Anleitung gibt — na gut, das kann man verschmerzen. Aber leider gibt es noch weitere Mängel. Es fehlt ein grafischer Paketmanager, stattdessen muss man mit dem Kuddelmuddel aus yum und dnf Vorlieb nehmen, wichtige Pakete wie OpenRA oder mplayer sind gar nicht in den Repositorys vorhanden sondern müssen manuell kompiliert werden oder über Zusatz-Repositorien. Lyx lässt sich zwar installieren startet aber nicht. Mag sein, dass Fedora und RedHat woanders ihren Stärken haben, aber dass man jeden Ubuntu User ermutigen sollte auf diese Distribution umzusteigen wäre verfrüht. Es scheint so zu sein, als ob alle Linux-Distributionen egal ob Ubuntu, Fedora oder ArchLinux mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben: der Upstream gleicht eher einer Sharewaresammlung, die Maintainer der Packages sind überfordert und zusätzlich wollen die Anwender auch noch stabile Software. Jede Linux-Distribution setzt andere Prioritäten aber einen klaren Sieger gibt es nicht. Was man jedoch sagen kann ist dass Fedora in 5 Jahren vermutlich besser sein wird, als das heutige Fedora was aber auch für Ubuntu zutrifft.

Erinnern wir uns, wie Linux einmal gestartet ist. Es war nach GNU Hurd der zweite Anlauf um ein Betriebssystemkern unter einer freien Lizenz zu entwickeln. Zusammen mit dem bereits vorhandenen GNU Compiler und Xorg wurde daraus dann eine Sharewaresammlung welche inzwischen mit Microsoft mithalten kann. Das unfertige / amateuerhafte hat die Software nie so ganz loswerden können, auch heute noch werden wichtige Programme als Hobbyprojekte entwickelt. Wirklich uneingeschränkt zu empfehlen ist Linux nur im Server-Bereich also dort wo Apache und PHP gefragt sind. Sobald es jedoch um Smartphones, Desktops und Notebooks geht, ist Linux gegenüber Windows und Apple im Nachteil. Nicht nur, dass die Hardware nicht gut unterstützt wird, sondern es gibt auch unprofessionelle Software und schlampige Distributionen. Man merkt einem Ubuntu oder einem Android überdeutlich an, dass die Software umsonst ist. Bei Apple würde die Qualitätskontrolle sowas nicht akzeptieren.

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