Alternativ-Geschichte des Computers


Schaut man sich die Geschichte der Künstlichen Intelligenz an, so findet man im Laufe der Historie immer wieder Erfinder, die ihrer Zeit scheinbar vorauswaren und an ihrer Zeit gescheitert sind. Dies wird als „verkanntes Genie“ bezeichnet. Als Erklärungsmuster findet sich dabei, dass die Kirche oder die Gesellschaft noch nicht so weit war, und die Erfinder verlacht hat und sie daran gehindert hat ihre Ideen zu realisieren. Aber sind das wirklich Einzelschicksale oder ist es vielmehr so, dass die Geschichtsschreibung das Stilmittel des Verkannten Genies einsetzt um zu begründen, warum die Technik erst mit einer gewissen Verzögerung bereitstand?

Nehmen wir mal an, dass man das Stilmittel des verkannten Genies aus der Geschichtsschreibung entfernt und stattdessen davon ausgeht, dass die Kirche als zentrale Insitution zu allen Zeiten fortschrittsfreundlich war und die Erfinder unterstützt und gefördert hat. Was wäre davon die Folge gewesen? Dazu müssen wir sehr in die Details gehen. Beginnen möchte ich bei Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716). Wenn man sich mit neueren Untersuchungen seiner Schriften beschäftigt wird man erkennen, dass Leibniz nicht nur die vier Speziesrechenmaschine in Binärdarstellung erfunden hat, sondern auch das Prinzip der Staffelwalze in einer kryptographischen Maschine angewendet hat. Aus heutiger Perspektive würde man sagen, dass Leibniz den ersten turing-mächtigen Computer gebaut hat, der so ähnlich ausgesehen hat, wie die Orgel-Maschine von Konrad Zuse (gemeint ist die Zuse Z3). Aber dazu später mehr.

Gehen wir also davon aus, dass im Jahr 1716 im Geheimkeller vom Vatikan eine funktionierende Turing-mächtige Rechenmaschine existierte, die einfache mathematische Operationen in Gleitkomma-Arithmetik ausführen konnte. Die nächst logische Erfindung wurde dann von Jacques de Vaucanson (1709-1782) getätigt und zwar die Anwendung dieser Technik auf die Automatisierung von menschlicher Arbeit. Die Zeit in der er lebte entspricht ungefähr dem, was Gibson/Sterlin als Steampunk bezeichnen. Also eine Epoche in der der Computer bereits erfunden war, Lochkarten das gebräuchliche Speichermedium waren, und auf dieser Basis dann einfache Roboter möglich wurden.

Charles Babbage (1791-1871) hat dann den Kelch des Wissens genommen und weiterentwickelt. Er hat die Elektrifizierung des Computers vorangetrieben. Also mechanische Walzen durch Relais und integrierte Schaltkreise ersetzt. Als Babbage im Jahr 1871 gestorben ist, verfügte der Vatikan bereits über einen vollfunktionensfähigen elektronischen Supercomputer der ungefähr der Rechenleistung eines Cray-Supercomputers entsprach.

Der nächste große Erfinder war Nikola Tesla (1856-1943). Er hat nahtlos dort weitergemacht wo Babbage aufgehört hat. Anders als viele Verschwörungsparanoiker behaupten, hat Tesla keineswegs die freie Energie erfunden, sondern er hat ein Gerät erfunden, mit dem man freie Energie messen kann. Schaut man sich die Patentzeichnungen von Tesla genau an, so ist dort nichts geringeres als ein Quantum Logic Gate enthalten (also ein Quantencomputer der ungefähr dem entspricht, was gerade die Firma dwave nachzubauen versucht).

Wie bereits in der Einleitung angedeutet, ist das nur eine Alternativ-Geschichte. Sie würde dann entstehen, wenn man aus der Geschichte alle gescheiterten Genies entfernt und unterstellt, dass sie zu Lebzeiten die volle Unterstützung ihrer Zeit erhielten. Wir alle wissen, dass das jedoch so nicht wahr ist. Wie wissen, dass Leibniz, Vaucanson, Babbage und Tesla von der Obrigkeit bekämpft wurden, weil sie Dinge entwickelt haben, welche zu fortschrittlich waren. Der eigentliche Motor der Geschichtsschreibung war also nicht die Wissenschaft, sondern es war das poltisch/religiöse Klima, was zu jeder Zeit in den letzten 400 Jahren die Weiterentwicklung des Computers erschwert hat. So dass es eben nicht zur Realisierung kam, sondern alles mit einer Verzöerung von rund 100 Jahren umgesetzt wurde. Babbage hätte zwar den ersten Mikrochip bauen können, es hat dann aber erst Intel gemacht. Tesla hätte zwar den Quantencomputer bauen können, realisiert wurde er aber erst von dwave.

Die Frage ist: Wenn Tesla bereits den Quantencomputer gebaut hat was wurde dann ab 1945 entwickelt? Das wird in dem Film Metropolis (1927) erläutert. Der Film endet damit, dass die geknächteten Arbeiter ihr Schicksal erkennen und die Maschinen zerstören (Luddismus). Schaut man sich die Geschichte der Technik an, so wurde das zwar bereits häufiger thematisiert (Weberaufstand), doch es ist bisher nicht als tatsächlicher Fakt eingetreten. Das heißt, es gibt bisher keine Gesellschaftsordnung welcher sich als anti-technisch versteht also das Zerstören von Robotern als ihre wichtigste Aufgabe versteht. Insofern könnte man die Zeit nach Erfindung des Quantencomputers als Neoluddismus prognostizieren.

kRITIK
Nachdem im ersten Teil dieses Blog-Postings eine alternative Zeitlinie erläutert wurde, so soll dazu noch ein Gegenentwurf ausgebreitet werden. In der obigen beschleunigten Zeitlinie wurde bereits 1716 der erste Turing-mächtige Computer konstruiert (von Leibniz). Aber was ist, wenn man sich damit noch etwas Zeit lässt und selbst im Jahr 2016 noch vor diese Erfindung zurückgeht? Auf dem letzten Vintage Computer Festival wurde eine Maschine vorgestellt, die nochnichtmal in der Lage war, ein Programm auszuführen. Gemeint ist ein Differential Analyzer, also ein Analog-Computer. Zumindest auf dem Festival war man mehrere Jahrhundert hinter der eigentlichen Zeitlinie zurück. Und wer weiß, vielleicht gibt es nächstes Jahr sogar einen Abacus Tischrechner zu sehen, der noch älter ist.

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