Frauen in der Künstlichen Intelligenz

Normalerweise ist Künstliche Intelligenz eine reine Männerdomäne. Die Wissenschaft wurde erdacht und weiterentwickelt von Leuten aus dem Militär und der Informatik. Der typische Robotik-Bauer ist weiß, männlich und hat Angst vor einer Roboter-Apokalypse a la Terminator II. Das interessante ist, dass man vor diesen Männern die Roboter bauen keine Angst haben muss. Es sind Versager wie Rodney Brooks und Hans-Moravec, die seit Jahren vor superintelligenten Maschinen warnen tatsächlich aber unfähig sind auch nur einen Roboter zu bauen, der dem nahekommt. Man hat den Eindruck, als ob da jemand viel Wind macht ohne dass da Substanz dahinter ist.

Wovor man sich jedoch in Acht nehmen muss, sind Leute aus der zweiten Reihe, die normalerweise nicht als große Roboterbauer in Erscheinung treten sondern eher zurückhaltend an die Sache herangehen. Kate Crawford ist dafür ein gutes Beispiel, sie hat auf der Republica 2016 einen interessanten Vortrag gehalten indem sie dafür plädiert, Roboter nicht so negativ zu sehen http://studio54.rocks/2016/05/17/crawford-kuenstliche-intelligenz. Ebenfalls eher im Hintergrund geblieben ist Frauke Zeller welche Hitchbot entwickelt hat mit der Absicht social-robotics zu fördern. Zu guter letzt ist noch Jennifer Lynn zu erwähnen, welche am Massachusetts Institute of Technology forscht, die bisher aber niemand kennt.

Was haben all diese Frauen gemeinsam? Gemeinsam ist ihnen, dass sie anders als ihre männlichen Kollegen nichts von Strong AI halten sondern anders an die Sache herangehen. Ironischerweise ist das am Ende weitaus gefährlicher für die Menschheit. Schauen wir dochmal im Detail was die oben genannten Forscherinnen erreicht haben. Der Hitchbot von Frauke Zeller war für sich betrachtet eher mittelmäßige Technologie. Gummihandschuhe aus dem Baumarkt wurden verbaut und eine schlechte Sprachsynthese-Software. Aber, Hitchbot ist nicht irgendein Roboter. Es ist das Modell was in Boston, Philadelphia zerstört wurde. Es gibt dazu ein Überwachungsvideo. Warum wurde Hitchbot zerstört? Primär weil er als passiv aggressiv wahrgenommen wurde. Das heißt, ein Mann fühlte sich dazu aufgerufen, solange auf diesen Pappkameraden einzutreten, bis er komplett kaputt war. Natürlich könnte man jetzt sagen, dass damit die Erbauerin nicht viel zu tun hatte. Aber stimmt das wirklich? Schaut man ein wenig in die Literatur so wird man dort entdecken, dass im Rahmen von Social Robotics sehr genau untersucht wurde, ob und wie Menschen aggressiv auf Roboter reagieren. Man könnte sogar sagen, dass Hitchbot explizit in der Hoffnung entwickelt wurde, dass genau sowas passiert.

Aber gehen wir noch einen Schritt weiter. Auch Jennifer Lynn ist keineswegs so harmlos wie es den Anschein hat. Was sie in ihrem Paper aus dem Jahr 2013 beschreibt (den DARRT Algorithmus) ist nichts anderes als der Blueprint um Roboter der nächsten Generation zu entwickeln. Also Systeme die komplexe Dexterous Tasks ausführen können. Vermutlich mit der Absicht, damit dann Social Bots zu bauen, auf die Leute wie Bassmaster and Wellens (die beiden Prankster die zuletzt Hitchbot im Auto mitgenommen haben) einprügeln. Wirklich gefährlich werden Roboter dadurch, wenn sie die soziale Rolle des Opfers spielen. Wo also ein starker muskulöser Mann mit einer Eisenstange auf den Roboter eindrischt, dieser zu Boden geht und vielleicht noch Angst artikuliert. Diese neue Generation von passiven sozialen Robotern ist es, was die Avantgarde der weiblichen Roboterbauer anstrebt. Anders als ihre männliche Kollegen klingt der Ansatz zunächst harmlos, ist aber sehr mächtig.

Ich glaube nicht, dass uns auf dem Republica Vortrag die volle Wahrheit erzählt wurde. Mag sein, dass die Rednerin von Social Robotics und Weak AI gesprochen hat, doch in Wahrheit ist exakt dieser Ansatz strong. Die Frage ist nicht, wie das fertige System einmal aussehen wird, sondern die Frage ist wie man dorthin gelangt. Um eine superintelligente Skynet ähnliche Strong AI zu entwickeln, muss man zuerst einmal einen süßen Hitchbot bauen der niemand etwas böses will und der sich extrem gut als Opfer eignet. Roboter werden dann zu einer Gefahr, wenn sie Schwäche zeigen. Also sich unterordnen, gemobbt werden, passiv aggieren, nicht perfekt sind. Um so ein Verhalten zu entwickeln, muss man technisch die Roboter weitaus intelligenter machen als sie es heute sind. Und mehr noch, gleichzeitig wird dadurch explizit sichtbar was sie nicht können. Und genau das ist die eigentliche Provokation.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s