Academia.edu — das war wohl nichts


Auf den ersten Blick klingt Academia.edu ganz gut, wird doch versprochen, dass man dort wissenschaftliche Paper hochladen kann und sich mit anderen Forschern vernetzen kann. Wenn man jedoch einmal konkret schaut, wie soetwas aussieht dann offenbart sich das reine Grauen. Die Webseite sieht aus, wie ein billig-Blog wo oben ein großes Banner eingeblendet wird, und rechts nach ein weiteres Banner das einen auffordert ein Smartphone zu kaufen. Der eigentliche Inhalt nimmt weniger als 1/3 ein. Und wenn man dann mit der Suchfunktion (die übrigens nicht besonders schnell ist) endlich ein Paper gefunden hat, dann kann man das nicht einfach herunterladen sondern wird erst aufgefordert sich mit seinem User-Namen anzumelden. Nur manchmal wird das Paper im Volltext angezeigt und über Google Scholar ist es auch abrufbar, aber nicht immer und vor allem nicht so dass man versteht warum. Aber was noch viel schwerer wiegt, auch inhaltlich kann Academia.edu nicht überzeugen. Schaut man sich einmal an, was dort für Paper existieren die sich mit Robotics beschäftigen, so haben die Leute schlichtweg keine Ahnung was sie da schreiben. Zwar sieht man, dass die Autoren sich Mühe geben und teilweise sind die Paper auch gut verständlich, aber das reicht nicht aus, wenn man an der Weltspitze mithalten möchte. Man muss schon wissen, wie man Roboter programmiert. Leider scheint es niemanden mit Durchblick zu geben und das zeigt, dass das Peer-Review System von Academia.edu auf Bannerwerbung und Klickzahlen und weniger auf Inhalte fokussiert.

Und was die Werbung angeht. Nicht nur dass sie extrem störend ist und keineswegs dezent, sondern sie passt auch inhaltlich überhaupt nicht zu den angezeigten Papern. Zu dem Paper „A Realistic Simulator for Heterogenous Teams of Autonomous Robots. MAGIC 2010 Challenge“ wird rechts beispielsweise eine Bierwerbung eingeblendet, mit drei hippen Leuten die offenbar gerne Alkoholika konsumieren und auch sonst nicht viel erreicht haben in ihrem Leben. Was bitteschön hat eine Bierwerbung neben einem wissenschaftlichen Paper verloren? Scrollt man dann etwas runter und schaut sich das Paper an, so steht dort im Titel gleich der Name einer Fake Universität in Australien die es vermutlich gar nicht gibt. Das Paper sieht ohnehin aus, als wäre es direkt mit dem Quatsch-Generator SCIgen erstellt worden. Am Ende von dem Paper gibt es dann noch einige References, die ebenfalls gefakt sind.

Blättern wir noch ein wenig weiter im Angebot von Academia.edu Jetzt sieht man eine Bannerwerbung für Battlefield 1. Das ist ein kommerzielles Computerspiel was ganz bestimmt nichts mit seriöser Forschung zu tun hat. Auch hier wieder die Frage: was hat eine überdimensionierte Bannerwerbung in einem wissenschaftlichen Portal zu suchen? Schaut man sich hingegen einmal eine ordentliche Zeitschrift aus dem Elsevier Verlag an, so gibt es dort gar keine Werbung, und vor allem keine die anfängt zu blinken wenn man mit der Maus drüberfährt. Ich kann jedem Wissenschaftler nur von Academia.edu abraten, soviel Inkompetenz gepaart mit Gewinnstreben ist Gift für jede Forschung.

Kritisch gegenüber Academia.edu ist auch https://blogs.ub.tu-berlin.de/openaccess/2016/08/artikel-bei-researchgate-und-co-hochladen-welcher-verlag-erlaubt-was-und-wie-open-access-ist-das-eigentlich/ eingestellt. Dort wird nochmals darauf hingewiesen, was OpenAccess ist. Und zwar geht es darum, Volltexte dauerhaft zugänglich zu machen und mit einer einheitlichen DOI zu versehen. Beides ist bei Academia.edu nicht gegeben. Was das Unternehmen mit den hochgeladenen Papern anfängt — darüber hat der einzelne keine Kontrolle. Und wenn das Unternehmen morgen pleite ist, sind die Paper gar nicht mehr abrufbar.

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