Richard Price: Person to follow


Eine relativ wichtige Person die vielleicht mal so berühmt wird wie Mark Zuckerberg ist Richard Price. Das Unternehmen dem er vorsteht besteht geradeeinmal aus 23 Angestellten, hat aber einen Alexarang von 956 und eine Userzahl von 35 Millionen. Academia.edu dürfte das derzeit am meisten unterbewertete Unternehmen weltweit sein. Worum geht es dabei? Im Grunde geht es um etwas ähnliches wie bei Facebook. Nur das diesmal nicht der Aufbau einer Homepage im Vordergrund steht (also eine besseres WordPress-Blog) sondern im Zentrum geht es um self-publishing.

Der letzte, der die Welt der Wissenschaftspublikation verändern wollte, war Aaron Schwartz. Dieser hat jedoch den Fehler gemacht, die Gegenseite zu unterschätzen. Schwartz dachte, dass er mit einem Linux-Shell-Script und etwas Hacktivismus JStor in die Knie zwingen könnte. Hier hat Jstor seine Muskeln spielen lassen, und dem Script-Kiddy mal gezeigt wo der Hammer hängt. Vermutlich hat Richard Price aus dem Schwartz Fall gelernt. Und nach meiner Recherche ist es schwer bis unmöglich für Elsevier etwas gegen Academia.edu zu unternehmen. Es gibt zwar jede Menge Kritik, wie z.B. dass auf der Plattform urheberrechtliche Werke hochgeladen werden oder dass E-Mails an die User versendet werden mit der Aufforderung kostenpflichtige Premium Dienste in Anspruch zu nehmen, aber das ganze sind Detailfragen. Die eigentliche Gefahr ist eine andere. Die eigentliche Gefahr ist, dass die Nutzerzahl steigt, die Werbeeinnahmen sprudeln, der Dienst an Attraktivität gewinnt und neben dem etablierten Wissenschaftssystem ein zweites System entsteht was Universität, Preprint-Server, Peer-Review und Social Network in einem ist.

Technisch anspruchsvoll ist das ganze nicht wirklich. Es handelt sich ähnlich wie bei Facebook um einen Linux-Webserver auf dem PHP Scripte laufen, mit der Hauptfunktion dass man dort PDF Files hochladen kann und ein wenig mit den anderen Usern chatten. Das neue ist jedoch, dass Richard Price verstanden hat, was Wissenschaftler benötigen. Man kann das ganze vergleichen mit Google Scholar, das ebenfalls von außerhalb in das Publikationssystem eingedrungen ist, mit dem Unterschied dass man auf Academia.edu auch etwas hochladen kann. Die Idee eine solche Webseite zu gründen und das ganze praktisch umzusetzen sowie der Impact der bereits erreicht wurde ist bemerkenswert. Normalerweise bin ich der erste der Dinge kaputtredet und schlecht macht, aber Richard Price hat meine Bewunderung. Ich bin sehr gespannt wie sich das Projekt in Zukunft entwickelt.

Wirklich daran glauben, dass Richard Prince sich das Projekt ganz allein mit ein paar Freunden ausgedacht hat um die Welt zu verändern mag niemand. Vermutlich ist Academia.edu im In-Q-Tel Inkubator entstanden als Auftragsvergabe der US-Regierung an ein Unternehmen um das Bildungssystem voranzubringen. Aber sei es drum, Google und Facebook sind auch nicht aus dem Nichts gekommen und heute nutzt sie jeder. Wichtig ist nur, dass da ein neuer Cowboy „in the town“ ist, der einen interessanten Akzent spricht.

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