Paper hochladen auf Academia.edu


Viel wurde bisher über Academia.edu geschrieben. Probiert man es einmal selber aus wird man feststellen, dass so umfangreich wie zunächst gedacht diese soziale Plattform für Wissenschaftler gar nicht ist. Im wesentlichen wird nur eine einzige Funktion unterstützt: Upload von PDF Papern. Ich habe das selbst einmal ausprobiert und ein kleines 5 Seiten Paper hochgeladen, was sich mit Robotik beschäftigt. Der Upload selber funktionierte reibungslos. Das PDF ist jetzt in in meinem Account. Aber was passiert jetzt? Die Antwort lautet: gar nichts. Mehr ist mit Academia.edu nicht möglich. Man kann es weder als Weblog benutzen, noch gibt es dort öffentliche Diskussionsforen rund um Wissenschaft und Forschung. Auch ist es nicht möglich, Paper von anderen Autoren zu kommentieren. Das einzige was man tun kann, ist ein hochgeladenes Paper einer Kategorie zuzuordnen, so dass es leichter gefunden wird. Und es gibt noch eine Funktion die ich bisher nicht ausprobiert haben: man kann ein sogenanntes Draft hochladen und dann an einen anderen User eine Einladung verschicken, dass er das bearbeitet (und vielleicht sogar mit einer Anmerkung versieht).

Böse formuliert ist also Academia.edu kein Facebook, sondern eher so eine Art von Scribd, also ein luxiröser Dokumentenserver, auf dem selber relativ wenig passiert. All die Features die häufig im Kontext von Academia.edu genannt werden (OpenData, wissenschaftliche Videos, Kommunikation mit anderen) existieren bisher nur auf dem Papier. In der Software selber wurden sie noch nicht implementiert. Vielmehr muss man den Machern vertrauen, dass sie im Laufe der Zeit und wenn es die Werbeeinnahmen zulassen, diese Dinge nach und nach anbauen.

Dennoch sollte man nicht den Fehler machen, Academia.edu als gescheitert zu bezeichnen. Obwohl es sehr minimalistisch anmutet, dass man dort nur ein PDF hochladen kann, mehr aber darüber nicht anstellen kann, ist das bereits eine kleine Sensation. Weil die Plattform sich speziell an Wissenschaftler richtet, das merkt man daran, dass der Autorname und der Abstract aus dem PDF korrekt importiert werden. Das sind alles nur Kleinigkeiten, zeigt aber, dass sie jemand damit Mühe gegeben hat. Und obwohl man vielleicht sagen, dass ja jeder so eine Plattform aufsetzen kann, ist genau das bisher die große Ausnahme. Der oft genannte Dienst Arxiv kann das zwar schon länger, aber dort gab es immer das Problem, dass man nur auf Einladung dort mitmachen konnte, und dann auch kein richtiges Profil hatte und sich daran in Zukunft auch nichts ändern wird. Bei Academia.edu hingegen ist die Bedienung erstmals so einfach gelöst, dass jeder der möchte dort seine Paper unterbringen kann. Das ganze ist vielleicht nicht ganz so perfekt als wenn man das Paper in einer echten Zeitschrift veröffentlicht mit einem echten Review-Prozess, ist aber deutlich angenehmer, als wenn man das Paper in seinem privaten Blog hostet oder auf den Uni-eigenen Dokumentenserver ablegt.

Der große Vorteil von Academia.edu besteht darin, dass man erstmalig die Möglichkeit enthält einen Bypass zu legen um sämtliche Elemente der Verwertungskette die normalerweise existieren. Man braucht sich nicht mit einer Zeitschrift herumärgern, man braucht sich nicht um Druckkostenzuschüsse bemühen und man muss sich auch nicht für oder gegen OpenAccess zu entscheiden. Sondern es reicht aus, wenn man das Dokument selber erstellt, auf Upload klickt und schon ist man sein eigenes Journal.

Die spannende Frage wird sein, wie Academia.edu in diesem Wust an Papern den Überblick behält und wie dort mit Fake-Papern umgegangen wird. Soetwas wie eine Bewertung wo ein Paper eine Schulnote erhält gibt es derzeit noch nicht. Genaugenommen existiert also gar keine Qualitätskontrolle. Würde mein Paper kompletten Unfug enthalten, wäre das niemandem aufgefallen.

Rein theoretisch gibt es bei Academia.edu ähnlich wie bei ReserachGate die „Ask Question“ Möglichkeit. Aber, erstens konnte ich das Eingabefeld in meinem Account nicht finden und zweitens ist das ganze laut dem Videotutorial wohl eher so eine E-Mail Sache. Das heißt, wenn man die Frage eingibt, bekommt jeder Follower eine E-Mail mit der Frage zugesendet. Ebenfalls sehr nach „private Message“ ist die Funktion implementiert mit der man mit anderen Leuten in Kontakt treten kann. Es handelt sich dabei um einen Button „Message“ wo man dann eine Nachricht senden kann, und die befindet sich dann bei der Gegenseite in der Inbox. Das ganze dürfte in der Praxis keinen Wert besitzen, es ist ein Kommuniakationsstil der gepflegt wurde bevor es Wikis gab und bevor es Blogs gab. Der Vorteil von Diskussionsforen ist ja gerade, dass alle die Frage-Antwort-Threads sehen können und nicht nur eine 1 zu 1 Kommunikation stattfindet. Außerdem will ich nicht eine E-Mail erhalten, nur weil jemand eine Frage hat, sondern ich will selbst entscheiden wann ich ein Forum aufsuche und mir dort die Updates anschaue. Anders ausgedrückt, die PDF Upload Funktion von Academia.edu ist gut gelöst, das Versprechen mit anderen Forschern in Kontakt zu treten wird hingegen nicht eingelöst. Ich wage einfach mal die These, dass ein Science-Blog oder eine Science-Forum weitaus effektiver ist um wissenschaftliche Themen zu besprechen als es die privat-Nachricht aus Academia.edu ist.

Angenommen, man möchte Academia.edu auf den wesentlichen Kern reduzieren, was wäre das? Im wesentlichen ist es die Möglichkeit für ein Profil PDF Dateien hochzuladen und diese per Volltext zu durchsuchen. Es ist also ein Button, mehr nicht. Man könnte das genausogut auch in Google Scholar integrieren. Dort hat jeder User über Google ohnehin einen Account, wenn man noch einen Upload Button hinzufügt, hat man bereits die wesentliche Funktion von Academia.edu kopiert. Alles andere wie die Möglichkeiten jemandem zu followen, private Nachrichten zu versenden oder Drafts zu bearbeiten sind weniger wichtig oder komplett überflüssig. Möglich wird um Academia.edu viel zu viel Brimborium gemacht und die Leute verbinden mit dieser Plattform etwas, was nicht da ist. Der Witz ist, dass es innerhalb von Academia.edu eben keine riesigen Chaträume und tief verschachtelten Diskussionsforen gibt, sondern da sind nur die Paper die man auch außerhalb von Academia.edu schon kennt. Im Grunde ist es ein Google Scholar was um den Upload Button ergänzt wurde. Selbst der Followbutton der bei Academia.edu existiert ist im Grunde witzlos. Man kann ihn drücken oder auch nicht, irgendwas ändert sich dadurch nicht.

Ich möchte jedoch darauf hindeuten, dass ich relativ wenig Erfahrung mit Academia.edu habe und möglicherweise mein Urteil vorschnell ist. Vielleicht ergeben sich im Laufe der Zeit noch andere bisher nicht bekannte Funktionen.

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