Einführung in ASEO


Bisher sind hier im Trollheaven Blog einige Artikel zum Thema SEO (Search Engine Optimization) erschienen. Zuerst eher von einem distanzierten Standpunkt aus, nachdem aber klar wurde, dass es viele seriöse Paper gibt, die sich damit beschäftigt etwas wohlwollender. Solche Paper findet man über Google Scholar mit dem Stichwort „pagerank“ und kann dann je nach Belieben weitere Eingrenzungen vornehmen wie „offpage“ oder „dofollow“ um sich gezielt zu informieren was die SEO Community so antreibt. Aber, klassisches SEO Marketing ist entwickelt worden für Shopbetreiber und Tageszeigungen die mit dem Internet Geld verdienen wollen. Und so steht die SEO Branche bis heute in dem Ruf, mit richtiger Wissenschaft nicht viel zu tun zu haben. Und nicht ganz unberechtigt, wurde aus SEO doch inzwischen ein Geschäft gemacht so dass man heute Links, Spamkommentare oder was auch immer auf Marktplätzen einkaufen kann. Wer also eine Webseite hat, und dafür noch den nötigen Traffic benötigt, findet relativ schnell über Google mehrere Anbieter die gegen Bezahlung weiterhelfen können.

Soweit so gut, warum erzähle ich davon? Das Thema ist deswegen so interessant weil es nebem klassischem SEO Marketing noch eine Spielart ist, die wesentlich interessanter zu sein scheint. Gemeint ist Academic Search Engine Optimization (ASEO). Zum ersten Mal davon gelesen habe ich über die Webseite http://quod.lib.umich.edu/j/jep/3336451.0013.305?view=text;rgn=main wo das Prinzip erläutert wird. Es geht dabei nicht darum, Werbung für Internetshops zu machen oder Blogs zuzuspammen, sondern bei ASEO geht es darum, wissenschaftliche Paper bei Google Scholar höher zu ranken. Es werden auf der Seite Tricks besprochen und es wird erläutert wie der Google Scholar Crawler funktioniert. Interessanterweise haben die Autoren auch eigene Experimente angestellt und den Dokumentengenerator Scigen verwendet um damit ein Fake-Dokument zu erstellen um zu testen ob das in den Google Scholar Index übernommen wird. Das interessante an ASEO ist, dass es anders als klassisches SEO wenig bis gar keinen Bezug zu „Geld verdienen im Internet“ hat, sondern es eher um die Funktionsweise des Wissenschaftssystems geht. Also die Frage, wer wen zitiert, wie man in PDF Dokumente Werbung einbettet, welche Tags man verwenden muss um ein Paper nach oben zu ranken und lauter solche Sachen.

Die Zielstellung sich mit der Thematik zu beschäftigen dürfte simpel sein. Ein Professor schreibt einen Aufsatz und möchte, dass dieser a) möglichst leicht durch Google gefunden wird und b) dass sein Aufsatz möglichst oft zitiert wird. Das ganze ist eine Fragestellung die unzweifelhaft etwas mit klassischem SEO zu tun hat und auch mit Backlink-setzen gelöst werden kann, gleichzeitig jedoch ein gänzlich anderes Problem darstellt was bisher nur oberflächlich erforscht wurde.

Aktuell gibt es zwar innerhalb der SEO Branche auch einige Webseiten auf denen erläutert wird wie man Marketing im wissenschaftlichen Umfeld betreibt. Es gibt sogar Videos wo erläutert wird, wie man bei Wikipedia Links so einpflegt, dass sie nicht als Spam erkannt werden. Aber das Thema wurde bisher nicht sehr tief behandelt. Vermutlich ist die klassische SEO Branche wenig bis gar nicht mit wissenschaftlichen Publikationen vertraut. Es fällt wohl eher in den Bereich des Ghostwritings und Hochschulmarketing hinein.

Über Ghostwriting gibt es historisch bedingt relativ viel Ratgeberliteratur. Ghostwriting, also das Schreiben einer Diplomarbeit durch jemand anderen, ist vermutlich so alt, wie das Wissenschaftssystem. ASEO hingegen ist ein junges Phänomen, was es erst gibt, seit wissenschaftliche Publikationen im Internet abrufbar sind. Das dürfte also erst ab 1993 der Fall gewesen sein, als der erste Webserver im CERN aktiviert wurde um Proceedings zu hosten. Das interessante an ASEO ist, dass verschiedene Themen miteinander kombiniert werden: einerseits geht es um Internet-Technologie als World Wide Web, HTML usw. Dann geht es um Wissenschaft, also um Journale, Bücher und Fachkonferenzen. Und zu guter letzt geht es noch um Marketing, also Sichtbarkeit der eigenen Arbeit, Anzahl der Freunde und Vernetzung zwischen den Autoren.

Das interessante an dieser Gemengelage ist, dass darin sehr gegensätzliche Ziele verfolgt werden. Im Regelfall hat jemand der einen Ghostwriter verwendet andere Ziele als jemand der versucht das Plagiat zu enttarnen. Und im Regelfall hat jemand der sein Paper hochranken möchte, andere Ziele als eine Suchmaschine, die genau das als Spam ansieht. Diese gegensätzliche Ziele sorgen dafür, dass eine innere Spannung entsteht und es vielleicht sogar zu einem „Arms race“ kommt, wo die Akteure sich in einer Art von Krieg wiederzufinden glauben. So ähnlich wie das bei klassischem SEO auch der Fall ist, nur eben übertragen auf wissenschaftliche Publikationen. Und bekanntlich ist Konflikt etwas, was Menschen schon immer fasziniert hat. Man kann also davon ausgehen, dass ASEO ein Thema ist, das in Zukunft an Bedeutung gewinnt.

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