Warum Academia.edu kein Social-Network ist


Als Neueinsteiger in das wissenschaftliche Publizieren glaubt man vielleicht Academia.edu wäre vergleichbar mit Facebook wo man sich einloggt, etwas postet, mit Freunden chattet, ein Paper hochlädt und viel Spaß online hat. Schaut man sich jedoch die Oberfläche etwas genauer an, so wird man feststellen, dass genau für diesen Zweck Academia.edu nicht entwickelt wurde. Machen wir es mal etwas konkreter: ich logge mich in meinen Account ein und will dann mal da irgendwas machen. Was könnte das sein? Eine Möglichkeit wäre es, nach anderen PDF-Papern zu suchen. Ja das geht, über die Suchfunktion ist das möglich. Aber, erstens ist die Suche nicht besonders schnell (es kann 3 Sekunden dauern), zweitens gibt es keine Advanced Search wo man das Jahr eingrenzen kann und drittens ist die Volltextsuche nicht besonders genau. Will heißen, wenn man mit der klassischen Google Scholar Suche nach Papern sucht kommt man deutlich schneller ans Ziel. Dort muss man nur den Parameter „site:academia.edu“ anfügen und erhält eine reduzierte Treffermenge.

Aber nehmen wir mal an, wir wollen innerhalb Academia.edu verbleiben und klicken dort auf ein Paper um es anzuschauen. Im Regelfall erscheint dann eine Meldung, ob wir den Autor informieren wollen warum wir sein Paper interessant finden. Dort muss man dann auf Skip klicken, weil wir ja nur das Paper lesen wollen, nicht jedoch eine Brieffreundschaft beginnnen möchten. Und dann hängt es vom Zufall ab: entweder startet der Download Vorgang und das PDF File wird angezeigt, oder aber es erscheint die Meldung, dass der Autor das Paper noch nicht hochgeladen hat, und man ihm erst eine E-Mail senden muss um es anzufordern. Das klingt ein wenig nach Fernleihe und stört den Lesefluss.

Ich wage einfach mal die These, dass die Plattform nicht dafür entwickelt wurde, um stundenlang dort nach Papern zu browsen. Es gibt gegenüber einer Google Scholar Suche keinen Vorteil und man wird sogar massiv beim Lesen verlangsamt. Eher scheint die Suchfunktion nur sehr rudimentär implementiert zu sein, um zu checken ob ein ganz bestimmtes Paper online ist oder ob der eigene Account alles anzeigt was er anzeigen soll. Auch sonst gibt es keine Gimmicks, Spiele oder Diskussionsforen die einen einladen länger auf der Seite zu verweilen. Die empfohlene Nutzung sieht ungefür so aus: Wenn du ein neues PDF Paper erstellt hast und es hochladen willst: Super, genau dafür gibt es Academia.edu Logg dich ein, lad es hoch, tagge es und kontrollier in den Statistiken wieoft es abgerufen wurde. Aber dann logg dich wieder aus, weil wir nicht unendlich Server-Ressourcen haben.

Das ist zwar kein offizielles Statement von Academia.edu aber man gewinnt den Eindruck, dass genau so es gedacht ist. Ist das schlimm, muss da nachgebessert werden? Meiner Meinung nach nicht. Denn um Paper zu suchen, um sich länger auf einer Plattform aufzuhalten, um womöglich Videochats durchzuführen, dafür gibt es längst andere Webseiten. Zu nennen ist hier Google Scholar, Skype, Webblogs usw.

Anders ausgedrückt, mit Academia.edu hat man einen zuverlässigen Dienst wo unter einer seriösen URL wissenschaftliche Dokumente gehostet werden. Wenn man jedoch nach einer Möglichkeit sucht, mit Wissenschaftlern in Kontakt zu treten, Thesen zu diskutieren, oder Langeweile zu überbrücken ist man auf der Plattform falsch. Mit einem selbsteingerichteten Wissenschaftsblog bei WordPress oder durch die Beteiligung in extierenden Foren kommt man deutlich besser auf seine Kosten, als wenn man dies innerhalb von Academia.edu machen will. Gleichzeitig besetzt Academia.edu eine Marktlücke die bisher existierte. Davor gab es keine Möglichkeit ein wissenschaftliches Dokument ins Netz zu stellen, wo es zitierfähig war, es sei denn man hatte einen Vertrag mit Elsevier. Es gibt zwar auch ohne Academia.edu die Möglichkeit wissenschaftlich zu publizieren, zu nennen wäre hier Scribd, archive.org, oder ein eigenes Blog aber wirklich überzeugend war das nie. Academia.edu hat das Problem gelöst, ein PDF Dokument zu hosten auf eine Weise dass es wissenschaftlichen Anforderungen genügt.

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