Krieg führen mit Gefühlen

Derzeit wird gerade über eine UN_Konvention zum Verbot von aggressiven Militär-Robotern debattiert, https://netzpolitik.org/2016/un-konvention-verbot-von-killer-robots/ Der Ansatz ist lobenswert, es geht darum dass man die Forschung an und die Verbreitung von autonomen Kampfrobotern einschränkt; vergleichbar mit der Rüstungskontrolle bei Kernwaffen. Damit soll verhindert werden, dass Terroristen eine Roboter-Armee aufbauen. Es ist zu befürchten, dass die komplette Menschheit vernichtet wird. Auf der anderen Seite ist die Lage nicht ganz so übersichtlich wie es zunächst den Anschein hat. Deshalb ein kleiner Exkurs was Kampfroboter sind und was womöglich noch viel gefährlicher ist.

Ein Kampfroboter ist vermutlich die natürlichste Art wie man sich einen Roboter vorstellen kann. Es ist das, wovon heranwachsende Männer geradezu bessessen sind. In einem Kampfroboter kommen zwei sehr mächtige Dinge zusammen: einmal die Zielstellung Krieg zu führen, also antisoziale Tendenzen auszuleben verbunden mit fortschrittlicher Technologie insbesondere Künstlicher Intelligenz. Im Grunde ist das ein perfektes Rollenbild worüber sich Männer identizieren: einerseits im Kampf zu sterben und zweitens stärker zu sein als der Gegner. Kein Wunder, dass sowohl die Hard-Science Fiction wie auch im Reallife Kampfroboter das sind, was die absolute Macht verkörpert. So gab es in den Starwars Filmen einen Roboter, der explizit zum Foltern der wunderschönen Prinzessin Leia eingesetzt wurde und bei Judge Dredd wird der ABC Warrior aufgeweckt um in den Krieg zu ziehen.

Obwohl derartige Kampfmaschinen unzweifelhaft destruktiv und wenig erstrebenswert sind, haben sie doch einen Vorteil: es ist sehr überschaubare Technologie. Wenn man in einem Science-Fiction Film einen Kampfroboter als Figur charakterisieren möchte, muss man dazu nur wenig Aufwand treiben. Auf eine komplexe Persönlichkeitsstruktur kann verzichtet werden, im Grunde ist es einfach nur eine Maschine, die alles kaputt machen will sonst aber keine Interessen hat. Der ABC Warrior hat eine schlichte Persönlichkeit. Man schaltet ihn ein und er kann entweder gar nicht sprechen, oder sagt nur „Ich bin böse“. Man kann ihn als Stilelement in Filmen verwenden, muss aber die eigentliche Geschichte über richtige Personen erzählen, die mehr Tiefe besitzen.

Spannend wird es, wenn man Kampfroboter verbietet und nach vermeintlich besseren Alternativen sucht. Gehen wir auf diese Alternativen etwas genauer ein. Wenn man ein wenig in der Robotergeschichte recherchiert wird man in der zweiten Reihe und nicht so präsent eine Reihe von Forscherinnen entdecken die sich von männlich konnotierten Kampfroboter abgestoßen fühlten und stattdessen eigene Vorstellungen vorantrieben. Die Zielstellung lautet, einerseits Roboter zu entwickeln aber diese nett und freundlich zu gestalten. Zunächst wurden diese Roboter vom Schriftsteller Isaac Asimov literarisch beschrieben. Asimov wollte in seinen Geschichten einen Gegenentwurf ausbreiten, bei dem Roboter nicht wie in dem Frankenstein-Plot anfangen gegen ihre Schöpfer zu rebellieren und sogar Krieg zu führen, sondern Asimov hat als Kunstgriff die drei Robotergesetze benutzt um damit Geschichte zu erzählen von Robotern die freundlich sind. Fast alle Asimov Geschichten beschreiben eine Zukunft in der Mensch und Maschine friedlich zusammenleben. Dadurch wurde es möglich, die Persönlichkeit von Robotern vielfältiger zu beschreiben. Beispielsweise ist hier die Geschichte „Der Zweihundertjährige“ zu nennen aber auch Data aus Startrek entspricht dem Asimov-Prinzip. Datas Wunsch ein Mensch zu sein, zieht sich über die gesammte Serie und hat dazu geführt, dass sich viele Zuschauer mit ihm identifizierten.

Später wurden dann auch in echt freundliche Roboter konstruiert. Der wohl bekannteste war Kismet wodurch sich Cynthia Breazeal ab dem Jahr 2000 den Ruf erarbeitet hat, Expertin für Social Robots zu sein, aber es gibt noch weitere Forscherinnen die es sich zur Aufgabe gemacht haben, süße/freundliche Roboter zu konstruieren:

Kismet, Cynthia Breazeal, http://www.sciencephoto.com/image/344999/530wm/T2800094-Kismet_robot-SPL.jpg
Frauke Zeller Hitchbot, http://naplesherald.com/wp-content/uploads/2015/07/Hitchhiking-Robot.jpg
Heather Knight, Robot Performance, http://2.bp.blogspot.com/-FeXO1STj-KA/TfZJJYc7lbI/AAAAAAAAANU/XxlI6n8ZnFQ/s1600/DSCN2327.JPG

Auf den ersten Blick ist das eine schöne Sache, weil man so endlich einen Gegenentwurf zu den mordlüsternen Kampfmaschinen hat die eingangs geschildert wurden. Heather Knight versteht sich selber als Performance-Künstlerin die einen Nao Roboter so umprogrammiert hat, dass dieser zusammen mit Heather auf einer Bühne Comedy-Performances durchführt.

Wie kann man diese neuen weichen Roboter einschätzen? Anfangs hat die Forschung angenommen, dass es sich dabei um keine echten Roboter handelt. Schaut man sich die Beispiele näher an, so sind es keine autonomen Roboter bei der die Künstliche Intelligenz im Mittelpunkt steht, sondern die Systeme funktionieren nur als Performance. Aus Sicht der Hardcore Informatik sind diese Roboter nicht die Avantgarde des technisch möglichen, sondern stellen eine Täuschung des Publikums da. Der Nao Roboter von Heather Knight ist eher nachlässig programmiert worden, er besitzt keine hochentwickelte KI-Algorithmen wie sie in autonomen Kampfrobotern eingesetzt werden, sondern vielmehr funktioniert die Performance so, dass ein Mensch auf die Bühne geht, einen Vortrag über Roboter erzählt und darin dann Nao einbaut, der mit den Armen wackelt und Witze erzählt. Es ist also keine Hardcore Informatik die dort betrieben wird, sondern es handelt sich um „female Robotics“.

Aber was ist, wenn diese Ansicht zu überheblich ist? Was ist, wenn die „social Robots“ in Wirklichkeit die Zukunft darstellen? Schauen wir uns die Sachlage doch etwas genauer an: Forschungen zu Kampfrobotern erhalten durch die eingangs zitierte UN Konvention massiven politischen Gegenwind. Solche Maschinen sind gesellschaftlich geächtet. Im Gegensatz dazu werden „social Robots“ wie Hitchbot oder Nao die womöglich noch flauschiges Feld haben und lustige Geschichten erzählen als positiv beurteilt. Wenn Heather Knight mit ihrer Roboter-Marionette irgendwo auftritt, braucht sie sich über mangelndes Publikumsinteresse nicht zu sorgen. Die Hallen sind voll, die Leute sind begeistert. Und vor allem wird damit ein breiteres Publikum angesprochen. Und viele Zuschauer fühlen sich inspiriert sich ebenfalls mit der Thematik zu beschäftigen und es Miss Knight gleichzutun.

Versuchen wir uns das Ziel klarzumachen, was mit social Robotics verfolgt wird. Zunächst einmal grenzt man sich dort konsequent von Kampfrobotern ab. Die Roboter welche von Frauen wie Frauke Zeller entwickelt wurden, haben keine Waffen und auch sonst nichts, was gefährlich ist. Vielmehr werden social Robots von der Hardware als auch von der Software als Opfer konstruiert. Als Materialien kommen nachgebende passive Strukturen zum Einsatz wie Plastik, Plüschfell oder eine verträgliche Gummierung. Von der Software her wird darauf geachtet, dass sie die Gefühle des Gegenübers erkennen können. Beispielsweise kann ein guter Social Robot wie Pepper mit Hilfe von OpenCV erkennen ob die Person in der Kamera gerade lächelt oder ärgerlich ist, und der Roboter reagiert darauf dann. Und selbstverständlich ist die Software so ausgelegt, dass sie lustig ist und nachgebend agiert, das also der Roboter zurückweicht wenn ein Mensch auf ihn zukommt.

Man kann sagen, dass „Social Robots“ das Gegenstück zu Kampfrobotern bilden. Aber sind sie dadurch weniger harmlos? Gesellschaftlich gesehen schon, „Social Robots“ werden gefördert, Kampfroboter werden verboten. Langfristig jedoch wird damit ein „Arms race“ in Gang gesetzt. Denn das weiteifern um die beste Technologie kann man nicht nur bei Kampfrobotern durchführen, sondern lässt sich als Stellvertreter Rüstungsspirale auch bei „social Robots“ sehen. Schauen wir uns die ersten Modelle an, die Cynthia Breazeal entwickelt hat. Kismet war ursprünglich nur ein Metallskelett wo Kulleraugen verbaut waren. Das war Version 1. Später wurde dann noch ein Fell darübergelegt damit er aussah wie so ein kleines Kuscheltier. Das war Version 2. Man kann sagen, dass Kismet technologisch aufgerüstet wurde. Nicht etwa dadurch, dass er stärkere Waffen bekommen hat, sondern dass er noch niedlicher noch mehr sozial-kompatibel gestaltet wurde. Die nächste Generation von Robotern hat dann Frauke Zeller erfunden. Ihre Idee war es, das Handlungsfeld von Robotern auf die Welt außerhalb des Labors auszudehnen. Heute gibt es sehr viele Fotos die Menschen überall auf der Welt zeigen wie sie Hitchbot in ihrem Auto mitgenommen haben und es gibt das berühmte Video wo er in Boston, Philadelpha auf einer Parkbank gezeigt hat, wer die wirkliche Kampfmaschine auf der Welt ist, der Mensch. Im Grunde hat moralisch gesehen Hitchbot seine Überlegenheit demonstriert, er war friedlich, Hitchbot war das Opfer, während der böse Blogger, Youtuber und Prankster Ed Bassmaster der Bad-Boy war.

Man kann sagen, dass im Bereich der „social robots“ eine Rüstungsspirale existiert, die dazu führt, dass die Modelle sich immer mehr in Richtung victim-Robot entwickeln. Mit jeder Generation werden die Modelle emotionaler, verhalten sich unterwürfiger und sind noch lustiger. Auf den ersten Blick eine super-Sache, ist doch so die Gefahr von Kampfrobotern gebannt. Doch die eigentliche Gefahr ist nicht so sehr die Unterscheidung zwischen Kampfroboter und Social Robot sondern die Gefahr ist die Rüstungsspirale die in Gang gesetzt wird.

Natürlich ist keiner der Roboter vom Himmel gefallen, sie wurden entwickelt von Menschen die damit Ziele verfolgen oder vielleicht auch einfach nur berühmt werden wollen. Aber wenn man die Roboter isoliert als Meme betrachtet dann haben sie offenbar einen Weg gefunden, sich auch dann weiterzuentwickeln, wenn Kampfroboter gesellschaftlich geächtet sind und zwar in der Nische der Social Bots. In diesem Segment erhalten die Roboter einerseits die nötige Medienpräsenz, und können gleichzeitig ihre Weiterentwicklung vorantreiben.

Das Problem ist folgendes: Kampfroboter kann man relativ leicht verbieten. Man muss den Leuten einfach nur die Gefahren von autonomen Dronen klarmachen und schon will niemand damit etwas zu tun haben. „Social robots“ können jedoch nicht verboten werden. Dann müsste man ja auch das Lachen verbieten oder Teddybären verbieten. Sie können deshalb nicht verboten werden weil sie keine Waffen darstellen und weil sie jeder mag. Social Robots werden gesellschaftlich akzeptiert und in dieser Rolle werden sie konstant weiterentwickelt. Was die weiblichen Roboterbauer wie Heather Knight und Co. in Gang gesetzt haben, dürfte sich für die Menschheit später einmal als fatal herausstellen. Social Robots verwenden Mimikry um das Verbot von Kampfrobotern zu unterlaufen. Damit soll die Gesellschaft getäuscht werden. Social Robots sind ein trojanisches Pferd was problemlos in die Stadt hineinkommt und aus seinem Bauch kommen dann die Krieger heraus. Das „Kismet“ von Cynthia Breazeal erschreckende Ähnlichkeit mit „Gremlins — Kleine Monster“ besitzt ist kein Zufall.

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