Trollalarm — weiblicher Roboticist gesicht


In dem obigen Video erläutert uns die schmeichelhafte Carol Reiley die feminine Sicht auf Roboter. Zunächst möchte man denken, ganz interessant aber langweilig. So fragt sie die Zuschauer beispielsweise ob sie wussten, dass Ada Lovelace eine weibliche Computerexpertin war. Natürlich wussten wir das, das gehört zur Grundbildung, was soll das nochmal auf einem TED Talk? Schaut man sich den Vortrag von Reiley jedoch etwas genauer an, so weiß sie vermutlich dass wir das schon wussten und was sie da oben auf der Bühne macht ist gar kein richtiger Vortrag sondern sie versucht uns zu trollen. Glaubt mir, ich kann einen Fake mehrere Meter gegen den Wind riechen und das da ist eine/r. Die Körpersprache die Reiley nutzt, die Betonung der Sätze, die Inhalte all das soll provozieren.

Hören wir ihr dochmal etwas genauer zu was sie berichtet. Sie möchte eine Alternative zu Singularity promoten. Das also Roboter nicht zwangsläufig gefährlich sein müssen sondern auch nette Wesen sein können. Das ist die Leitidee welche vorgetragen wird. Aber wiso hat man dann trotzdem das Gefühl, dass Super-Human-AI unmittelbar bevorsteht? Vielleicht weil sich Carol Reiley so bewegt wie die Terminatrix, oder weil das was sie sagt keinen Sinn ergibt? Ich meine, wenn man Roboter schlauer macht, sie als Autopilot einsetzt und Systeme wie Pepper baut dann ist das doch gefährlich oder etwa nicht? Genau genommen spielt Reiley mit der Angst ihrer Zuschauer, sie sendet zweideutige Signale aus. Wenn man den Vortrag bis zu Ende verfolgt wird man bemerken, dass sich einige der männlichen Zuhörer davon provoziert fühlen und kritisch nachfragen. Aber, das ist genau das was der Obertroll will. Im Usenet gibt es so ein schönes Meme: Do not feed the trolls!

Versuchen wir den Vortrag etwas nüchterner zu analyiseren. Zunächst einmal nimmt die Vortragende eine Position ein, die zu Singularity Propheten wie Ray Kurzweil auf Distanz geht. Und sie betont, dass sie an social robotics glaubt, das also Menschen und Maschinen gemeinsam interagieren können. Damit wird ein diskursiver Rahmen aufgespannt den man als möglicher Teilnehmer an diesem Diskurs einhalten muss. Das heißt, anders als Leuten wie Ray Kurzweil kann man ihr nicht vorwerfen sie würde an Super-Human-AI forschen die die Menschheit vernichten will. Nein, Reiley will etwas anderes. Sie möchte liebe Roboter die lächeln können, die Gefühle haben, die uns eine heiße Schokolade bringen und mit denen wir knuddeln können. Dieses Utopie steht keineswegs allein im Raum, sondern es ist ein Gegenentwurf zu dem was vorher da war. Der Normalfall wie sich Leute die Roboter von morgen vorstellen ist als Kampfmaschine. Wo also schwerbewaffnete T-800 Modelle sich aufmachen um gegen die Menschen Krieg zu führen. Das ist das was uns James Cameron und Ray Kurzweil erzählen. Wenn jetzt Reiley diesen gewohnten Diskurs verlässt und anders an die Sache herangeht, darf man getrost unterstellen, dass es sich dabei um eine Form der Täuschung oder auch Mimikry handelt. Auf den ersten Blick eine harmlose Missachtung des üblichen diskursiven Rahmens. Die Nachwuchs-Roboter-Expertin weiß eben noch nicht dass Roboter auch als Kampfmaschinen eingesetzt werden und dass es eine dunkle Seite gibt. Weiß sie das wirklich nicht?

Nein, sie blendet ganz bewusst das Schreckensszenario aus um dann innerhalb der Singularity Debatte einen Fake-Dialog zu starten und dort ihre Zuhörer mit hineinzuziehen. Solche sektiererischen Abspaltungen sind extrem gefährlich weil es dann plötzlich zwei Singularity Diskurse gibt. Einmal die Leute welche gute Roboter bauen und einmal wo die bösen Roboter gebaut werden. Reilay will natürlich die guten Roboter bauen und das werden dann jene sein, welche technisch höherentwickelt sind.

Diese neue Generation von Roboterbauern will streng genommen folgendes: Weak AI plus Social Robotics. Aber wie sieht die technische Realisierung davon aus? Weak AI bedeutet, dass man einen Algorithmus verwendet der auf eine bestimmte Aufgabe programmiert wurde. Die Bots in „The sims“ sind ein gutes Beispiel für Weak AI. Sie wurden exakt für dieses eine Spiel entwickelt und dafür optimiert. Social Robotics hingegen bedeutet, dass Maschinen Gefühle simulieren und mit Menschen interagieren. Beispiele hierfür sind Kismet oder Hitchbot. Wenn man jetzt beides kombiniert (Weak AI plus social Robotics) erhält man Robotermodelle welche die soziale Rolle eines Opfers einnehmen. So ähnlich wie in der Anfangsszene von „I, Robot“ wo Will Smith den netten Briefträgerroboter erstmal gegen die Stirn fasst und wegdrückt und der Roboter lässt das mit sich machen und entschuldigt sich sogar noch dafür. Solche schwachen und empfindsamen Roboter sind aber genau das, was richtig gefährlich wird für die Menschheit. Die Gefahr besteht darin, dass überall dort wo es Opfer gibt der Täter nicht weit ist. Wenn man weiß wie man einen Roboter baut der unterwürfig ist und sich in eine soziale Rolle hineinfindet, dann gibt es irgendwo auch das genaue Gegenstück dass eine andere Agenda hat. Und dieses unaufgelösste Spannungsverhältnis lässt vor allem männliche Zuschauer im Publikum unruhig werden wenn sie dem Vortrag lauschen. Weil sie insgeheim kein Interesse an Friede/Freude/Eierkuchen haben, sondern heimlich brutale Computerspiele bevorzugen, also ahnen dass da irgendwo noch eine dunkle Seite existiert.

GEGENMAßNAHMEN
Carol Reiley steht keineswegs alleine da. Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von „female Roboticist“ die einen ähnlichen Diskussionsbeitrag bevorzugen. Wo also eine Mischung aus Weak AI und social Robotics gepredigt wird. Ich glaube es ist wichtig hier aufklärend gegenzusteuern und zu betonen, dass Roboter primär aus Softwarecode bestehen und dieser ist weder social noch weak sondern ist entweder gut programmiert oder schlecht programmiert. Robotik vorantreiben bedeutet automatischen besseren Code anzustreben. Und damit lassen sich dann sowohl social robotics als auch anti-social Robotics bauen. Es ist zu kurz gegriffen, Roboter in einem gesellschaftlichen Kontext zu verniedlichen. Dadurch wird lediglich die Einstiegshürde gesenkt was dazu führt, dass sich mehr Leute für dieses Thema interessieren. Und je mehr Leute in der Robotik aktiv sind, desto höher die Entwicklungsgeschwindigkeit in Richtung Super-Human-AI.

Das Grundproblem ist, dass man den technischen Fortschritt weder aufhalten noch verlangsamen kann. Vielmehr scheint er sich verselbstständigt zu haben. Die eigentliche Gefahr sind wir die Menschen, die es nicht lassen können über ihren eigenen Horizont zu schauen und den Dingen auf den Grund zu gehen. Die immer nach höherem streben und sich nicht mit Mittelmäßigkeit abfinden können.

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