Weibliche Neoludditen

Im klassischen Feminismus wird Technik als männlich wahrgenommen und abgelehnt. Technik wird als Gefahr benannt. In Wahrheit ist Technologie jedoch neutral, sie hat kein Geschlecht und sie ist auch nicht gut oder böse. Sondern die Benutzerin ist das Problem. Im obigen Video ist zu sehen, dass nicht nur Männer Technologie ablehnen und verfluchen sondern dass auch Frauen zu einem übersteigerten Neoluddismus neigen. Weiblicher Hass auf Technologie wird weniger häufig thematisiert aber es gibt ihn.

Man darf nicht den Fehler machen, den „Rage against the machine“ als Unfähigkeit oder Ausrutscher zu verharmlosen. Nein, es handelt sich um eine bewusste destruktive Entscheidung. Die handelnden Tanten sind sich voll bewusst darüber was sie da tun und sehen es als berechtigte Reaktion an. Sie glauben, dass der Computer Ursache ihrer persönlichen Probleme wäre und projezieren ihr eigenes Unvermögen auf den Rechner. Der Akt der Zerstörung ist für sie eine Methode die Kontrolle zurückzuerlangen über eine als feindlich erlebte technisierte Wirklichkeit. Aber kann das die Lösung sein, bei auftretenden Schwierigkeiten mit MS-Outlook den kompletten Laptop zu schrotten und stattdessen wieder herkömliche Schreibmaschinen zu nutzen?

Feministische Technikkritik betrachtet ähnlich wie der klassische Neoluddismus die Technik mit einem pessimistischen Grundtun. Es wird als Hypothese formuliert, dass Technik dazu führt, dass sich die Lage der Frauen in Zukunft verschlechtert und Frauen darunter leiden werden, wenn sich Maschinen ausbreiten. Gleichzeitig sehen sich Frauen als Sklaven der Technik, wo sie selbst keinerlei Rechte besitzen und von einer anoynmen übermächtigen Künstlichen Intelligenz überwacht und kontrolliert werden. Manchmal wird dieser Pessismus noch aufgeladen mit gesellschaftskritischen Elementen im Kern steht jedoch die Technik als solche die nicht als Ausweg und Verbesserung erlebt wird sondern als Gefahr. Um es auf den Punkt zu bringen: feminine Neoludditen lehnen den Fortschritt ab und wollen zurück ins Mittelalter.

URSACHEN
Wie entsteht weibliche Technikparanoia? Ausgangspunkt ist meist eine Underdog Haltung. Das heißt, die Frauen verbinden mit Technologie ein Frustrationserlebnis weil sie bei einem Computerspiel oder in der Bedienung von Anwenderprogrammen sich selbst als Versager wahrnehmen. Um das innere Selbstbild einer gelungenen Persönlichkeit aufrechtzuerhalten wird ein Abmehrmechanismus entwickelt, der zu einer habituellem Antipathie dem Fortschritt gegenüber führt. Hinzu kommen noch Verstärkungen aus einem Umfeld, was ebenfalls Technologie ablehnt. Wenn man jetzt als Frau anfängt als einzige der Technik positiv gegenüberzustehen und sich mit Linux, Java und dem Internet anfreundet würde das bedeuten, sich von der eigenen Peer-Group zu entfernen was ein Risiko darstellt.

Auf diese Weise sind Frauen in der Lage sich langsam aber allmählich ein Welt- und Selbstbild zu bauen, indem Technologie als Gefahr verstanden wird und eine neoludditische Persönlichkeitsstruktur entwickelt wird. Diese äußert sich in der Partnerwahl, in der Berufswahl sowie in den privaten Interessen.

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