Mentifex trollen aber richtig

Wer oder was Mentifex ist, ist zumindest im englischsprachigen Internet weit bekannt. Mindforth hat sich zu einer Art von Meme entwickelt, was dem Umstand geschuldet ist, dass es zu diesem Thema unglaublich viele Blogeinträge gibt, die kaum jemand alle gelesen haben kann. Im Kern steht darin geschrieben, dass eine Super-Human-AI namens Mindforth Realität ist. Der genaue Ablauf war, dass im Jahr 2008 Mindforth entstand welches sich dann in 2012 zu einer technologischen Singularität weiterentwickelt hat, http://mind.sourceforge.net/m4thuser.html#1.8

Soweit der O-Ton aus dem Mindforth-Universum. Es stellt sich jetzt die Frage wie man als Außenstehender darauf reagiert und wie man eine Gegenposition bezieht. Kurz gesagt geht es um die Frage wie man Mindforth trollt und damit hinterfragt. Das ist erstaunlich simpel. Im Grunde ist die obige Aussage, dass es seit 2012 eine technologische Singularität gibt, ähnlich zu bewerten wie der UFO Absturz in Roswell: es ist eine unbewiesene Behauptung für die es keinerlei Belege gibt. Mag sein, dass es wahr ist, aber es ist eine Verschwörungstheorie. Der geiegnete Umgang damit lautet, dass man sie debunken kann und dann auf das sogenannte Backfiring wartet. Backfiring bedeutet, dass man zum Debunken jene Informationen zusammenträgt die unabsichtlich die ursprüngliche These untermauern und eine Art von paranoide Blase erzeugen in die man selbst hineingezogen wird. Das ist zugleiche jene Methode um auch Mentifex zu trollen. Man muss nichts anderes machen, als auf der Basis von wissenschaftlicher Quellen darlegen, dass 2012 auf keinen Fall das Jahr von Singularity war weil ja die Künstliche Intelligenz noch gar nicht soweit ist.

Im Detail kann man das folgendermaßen machen: Angenommen es gäbe eine technologische Singularität, dann wäre die Folge dass die Super-AI alles weiß und alles kann. Sie wäre also im Stande fliegende Autos zu bauen, sie könnte durch die Zeit reisen, sie könnte den Turing-Test bestehen und sie könnte bei einem Fußballspiel gegen Menschen gewinnen. Ein Blick in die Nachrichten zeigt jedoch, dass es keine fliegenden Autos gibt, und auch beim Robocup Turnier hat noch kein Roboter gegen Menschen gewonnen. Das mit den Zeitreisen ist ohnehin Unfug. Anders formuliert, die ursprüngliche These kann nicht stimmen.

Aber bleiben wir ein wenig sachlicher: eine Super-Human-AI würde als erstes die US-Regierung unterwandern so wie es Skynet auch gemacht hat. Auch dafür gibt es keinerlei Anhaltspunkte. Ebenfalls würde eine Super-Human-AI die Kontrolle über die Minuteman-Raketen übernehmen um damit Russland anzugreifen, damit die dann zurückschießen was ebenfalls nicht passiert ist. Auch großflächtige Stromausfälle, oder Störungen im CERN Forschungszentrum sind anders als in der Terminator Trilogie im richtigen Leben nicht aufgetreten. Anders gesagt, Singularity ist nichts weiter als eine Illusion. Ein derart mächtige Software und Künstliche Intelligenz gibt es nur in der Einbildung von Drehbuchautoren. Jetzt könnte man natürlich behaupten, dass es ja auch Super-Human-AI gibt, die sich dann aber versteckt, so dass es keiner sehen kann. Das also selbstverständlich alle Computersysteme davon infiziert sind, aber alles im Geheimen. Und das es selbstverständlich fliegende Autos gibt, die aber ebenfalls über ein Tarnschild verfügen, weil es sonst eine Massenpanik gäbe …

Aber ich möchte nicht behaupten, dass die Texte von Mentifex komplett sinnlos sind. Wenn man sie als Hypothese versteht die es zu wiederlegen gilt kann man durchaus etwas dabei lernen. Denn beim Debunking von abenteuerlichen Spekulationen gelangt man an seriöse Informationen, also an überprüfbare Fakten die man aus Google Scholar nimmt und die eine DOI Nummer besitzen und mit etwas Glück gelingt diese zu wertvollen Informationen zu aggregieren. Mentifex Beschreibungen selber sind keine Wissenschaft, dessen Debunking dagegen schon.

Machen wir es etwas konkreter: in der Bibel steht dass Gott den Menschen erschaffen hat. Das mag so richtig sein, die Aussage ist jedoch keine Wissenschaft sondern ist Aberglaube pur. Sie ist nicht wissenschaftlich zu verstehen. Wenn man hingegen sie wiederlegt und dafür dann Methoden der Naturwissenschaften einsetzt und beispielsweise die Evolitionstheorie ins Spiel bringt, die Gentechnik usw. und das alles ins Verhältnis setzt zur Bibel lässt sich durchaus etwas daraus lernen. Das heißt, wer die Bibel alleine leißt und sonst gar nichts, der ist ein Dummkopf, wer jedoch sie in einen wissenschaflichen Kontext rückt wird durchaus ernsthafte Wissenschaft betreiben.

Die Mentifex Texte sind zu verstehen als eine Art von Bibel. Sie ergeben für sich allein betachtet keinen Sinn. Vermutlich sind sie ähnlich wie das alte Testament reine Phantasie. Dennoch kann die Beschäftigung damit lohnenswert sein, man muss eben harte Fakten dagegenhalten.

MASSENPANIK
Spielen wir doch einmal den unwahrscheinlichen Fall durch, dass Skynet Wirklichkeit ist. Also eine Superintelligenz existiert, die über Super-Human-AI Fähigkeiten verfügt. Würde diese Superintelligenz zeigen was sie kann, wäre eine Massenpanik die logische Folge. Denn was würde passieren, wenn über Newyork ein echtes UFO auftauchen würde? Richtig, die Leute würden in Ohnmacht fallen, CNN würde mit der Kamera draufhalten und die Leute würden nicht wissen wie sie damit umgehen sollen.

Nur mal zum Vergleich: als Steve Jobs in 2007 das erste iPhone präsentiert hat, sind die Leute schon ausgeflippt. Und das bei einem Gerät was über 128 MB RAM verfügte und eine grottenschlechte Auflösung. Nehmen wir mal an, jemand zaubert richtige Technologie aus dem Zylinder, es gäbe gar keine kulturelle Praxis um damit umzugehen.

Anders gesagt, es ist gar nicht mal so abwegig, dass einerseits eine Superintelligenz existiert auf der anderen Seite diese sich aber verstecken muss. Das Grundproblem ist, dass Technologie den Menschen Angst macht. Und zwar allen Menschen. Fortschritt hat immer auch etwas bedrohliches, es ist etwas was man nicht sofort versteht. Selbst Naturwissenschaftler verbringe viele Jahre damit, ihre natürliche Scheu vor dem Neuen abzulegen und der Wissenschaft mutig gegenüberzutreten. Naturwissenschaftlich gebildete Menschen sind jedoch die große Ausnahme auf dem Planeten Erde. Nach der letzten Zählung gibt es weltweit rund 1 Million professionelle Wissenschaftler, und selbst diese sind nicht alles Experten. Die viele anderen Milliarden von Menschen würden bei einer Ufo Panik ihr Weltbild verlieren. Sie würden vermutlich weglaufen, laut schreien, anfangen zu beten oder ähnliches. Fortschritt ist etwas, was man den Menschen nur dosiert zukommen lassen darf. Mag sein, dass es durchaus technikaffine Hacker gibt, die ein Ufo über Newyork mit einem spöttischen „So what“ beantworten würden und erstmal die Passpapiere der Aliens sehen wollen, aber was macht man mit den anderen Leuten?

Nur mal zur Erinnerung: im Film Termanator III gibt es eine lustige Szene wo erstmal ein Psychiater anrückt, weil jemand einen Roboter gesehen hat, als seelilscher Beistand um die Erfahrung zu verarbeiten. Und der T-800 war noch nichtmal ein richtiger Außerirdischer, sondern es war nur ein biped Robot mit einem beschränkten Vokabular. Nehmen wir mal an, in Echt würde so ein Roboter herumlaufen. Die meisten Menschen würde das erlebte nicht verarbeiten können. Sie wären komplett überfordert mit soetwas.

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