Der beste Hacker


Als bester Hacker werden üblicherweise Einzelpersonen wie Kevin Mitnick oder Richard Pryce bezeichnet um sie zu einem Genie oder Gott hochzustilisieren. Dann versucht man in ihrem Lebenslauf eine Besonderheit zu entdecken, was sie zu etwas besonderem machte. Doch so funktioniert Hacking nicht. Gerade Computernerds, die sich selbst als Einzelkämpfer bezeichnen, sind in Wahrheit in echte oder virtuelle Gruppen eingebunden. Damit ist gemeint, dass sie einem Gruppendruck unterliegen. Wenn sie Bücher lesen oder in Chatforen Textnachrichten versenden konstruieren sie ein Rollenmodell über erwünschtes und nicht erwünschtes Verhalten. Hacken ist dann der Versuch, in dieser virtuellen Gruppe andere zu übertrumpfen. Das heißt, ein Hacker wie Kevin Mitnick stellt sich vor, dass er zuerst in irgendeinen wichtigen Computer einbricht aber was noch viel wichtiger ist, was seine Kumpels oder Hater dazu sagen. Also ob die Hackergroup für sowas applaudiert oder nicht.

Vom Prinzip sind da die selben Mechanismen aktiv, als wenn man auf dem Schulhof anfängt sich eine Zigarette anzuzünden und ob das jemand anderes cool findet. Wäre man alleine auf diesem Schulhof, würde man das sicher nicht tun. Weil wir alle wissen das Zigarettenqualm krebserregend ist. Es geht aber gar nicht um das Hacken, sondern es geht darum in einer Gruppe zu funktionieren. Bei Hackern ist diese Gruppe häufig virtuell. Die meisten Hacker haben sich Informationen darüber angelesen, wie die virtuelle Gruppe funktioniert. Das heißt, sie stellen sich in einen Cyberspace vor, indem andere Personen Applaus klatschen. Ihre Motivation ist erstaunlich simpel: es geht darum, Beifall zu erhalten.

Üblicherweise für Dinge wie Computersabotage. Also wo es darum geht, bei fremden Rechnern die Passwörter zu knacken. Mit dem Aufblühen der OpenSource Bewegung wurde jedoch auch eine Möglichkeit geschaffen für legale Dinge Applaus zu erhalten. Linus Torvalds ist dafür ein gutes Beispiel. Eigentlich interessiert er sich gar nicht für einen Betriebssystemkernel oder für die Programmiersprache C, sondern was ihn antreibt ist die Vorstellung, dass andere Experten die sowas können es honorieren. Vielleicht stellt sich Torvalds auch vor, dass Bill Gates es überhaupt nicht gutfindet was er da treibt. Dies hängt tatsächlich von der individuellen Persönlichkeit ab, worauf man es abgesehen hat und wessen Urteil für einen wichtig ist.

Gäbe es diesen Gruppendruck nicht, dann gäbe es auch keine Hacker. Genauer gesagt muss man also Hacking als Ergebnis von sozialen Gruppen begreifen. Also als Subkultur. Denn rein formal geht bei einem sauber geschriebenen C-Programm überhaupt niemand ins Staunen. Es ist simpler Code. Wenn man jedoch berücksichtigt, was andere Leute davon halten, entsteht plötzlich doch soetwas wie eine psychosoziale Beziehung. Das heißt, so cool und einsam wie viele Hacker sich nach außen geben, sind sie gar nicht.

Um sich ein konkretes Bild von Hackergruppen zu machen sind Konferenzen wie die Defcon geeignet. Es geht dort nicht um konkrete Personen sondern worum es geht ist die Frage wie die Kultur ist. Also was innerhalb des Defcon-Biotops als erstrebenswert betrachtet wird. Die Hacker die von der Defcon nach Hause fahren und dort tatsächlich allein im stillen Kämmerlein sich böse Dinge ausdenken, orientieren sich an diesen Maßstäben. Das heißt, entweder werden sie ihre Leistungen auf der nächsten Konferenz präsentieren oder aber sie antizipieren den dort möglichen Applaus. Hacker sind weniger Experten darin zu programmieren oder Server kaputtzumachen, sondern Hacker sind Profis darin, solche Aktionen zu bewerten. Also einzuschätzen ob das aus Sicht der Community eine elegante Aktion war oder nicht.

Betrachtet man die Geschichte der Defcon so kann man erkennen, dass die Veranstaltung im Laufe der Jahre sich immer mehr in eine Neoludditen-Konferenz verwandelt hat. Das heißt, neuerdings gibt es Applaus dafür wenn man sagt, dass Überwachung schlecht ist, dass Computer keinen gesellschaftlichen Fortschritt bringen und das man lieber mit gedruckten Büchern arbeiten sollte. Das heißt, wenn man in der Defcon der Gegenwart aufsteigen will zum Oberhacker muss man eine Steampunk Attitüde an den Tag legen, die weniger etwas mit Technologie als vielmehr mit dessen Gegenteil zu tun hat. Fast könnte man denken, dass die Defcon-Leute Angst haben vor Computern, also eine regelrechte Technikparanoia entwickelt haben. Das beste Beispiel dafür ist die als besonders innovativ gefeirte Methode des social Engineering. Mit Computertechnik hat das nichts mehr zu tun. Das heißt, man kann jetzt Applaus dafür erhalten, wenn man sich irgendwo reinhackt, ohne dazu Computer einzusetzen. Man ist dann innerhalb der Community der Ober-Neoluddit.

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