Verdacht bestätigt: Die Wissenschaft ist kaputt


In der Robotik gibt es zwei große Konferenzen: die IROS und die ICRA. Beide finden jährlich statt, sind mit hochkarätigen Gästen versehen und werden gesponsert von den großen der Branche. Es handelt sich um die Creme de la Creme der Robotik, um das beste was es weltweit gibt. Nur die Elite-Forscher aus der Robotik dürfen dort einen Vortrag halten und nur gegen hohe Eintrittsgelder kommt man dort hinein.

Doch wehe man möchte angelockt von soviel Fachkompetenz einmal erfahren was genau auf diesen Veranstaltungen besprochen wurde. Denn immerhin ist gerade das Jahr von OpenScience und alle Paper werden allgemein zugänglich unter OpenAccess gemacht. Fragen wie dochmal die gängigen Suchmaschinen nach den sogenannten Proceedings, also den Konferenzberichten wo die Paper nochmal zum Nachlesen für zu Hause aufbereitet und in einem schönen Layout gesetzt sind. Google Scholar weiß noch nichtmal, dass es bei der IROS überhaupt einen Tagungsband gab, Google Books hat zwar die bibliographischen Angaben, kann jedoch eine Vorschau nur von 10 Jahre alten Konferenzen anzeigen. Normalerweise werden wissenschaftliche Konferenzen in der Absicht durchgeführt über den aktuellen Stand eines Gebietes zu unterrichten, also nicht gesichertes Fachwissen von vor 30 Jahren aufzubereiten sondern die letzten Entwicklungen zu zeigen. Wäre es da nicht sinnvoll, wenn diese Proceedings dann auch online stehen? Scheinbar ist man in der Robotik noch nicht mit Online-Publishing vertraut, so dass offenbar kein Weg rein führt, eine Webseite aufzusetzen um dort die PDFs hochzuladen. Da sind sogar die Altertumsforscher besser mit Internet-Technologie vertraut, dort sind die Proceedings immer tagesaktuell.

Aber ich will nicht übertrieben kritisch sein, schauen wir doch in die 10 Jahre alten Proceedings hinein, die es online gibt. Dort sind zwar viele lustige Photos und Erklärtexte enthalten, doch was fehlt ist der Sourcecode zu den Robotern, weiterführende Literaturangaben oder auch nur eine Angabe darüber ob nun Windows oder Linux eingesetzt wurde. Die Informationen sind komplett nichtssagend.

Das auch die Videos von IROS und ICRA nicht online abrufbar sind, brauche ich gar nicht erst zu erwähnen. Das kann man sich fast schon denken, dass wo nichtmal PDFs verfügbar sind, erst die hochauflösenden Videomitschnitte entweder gar nicht angefertigt wurden, oder aber nicht ins Internet gestreamt werden. Vermutlich gibt es auch hierfür gute Gründe. Der Hauptgrund dürfte sein, dass das Wissenschaftssystem im Allgemeinen und die Informatik im Speziellen broken ist. Damit ist gemeint, dass nochnichtmal so simple Dinge wie das Veröffentlichen von schlecht gemachten Proceedings funktioniert, von einer inhaltlichen Qualitätskontrolle noch gar nicht geredet. Anders gesagt, gerade das was Wissenschaft ausmacht — die Überprüfbarkeit durch eine unabhängige Öffentlichkeit — ist nicht gewährleistet. Weder ist es für Laien noch für Experten möglich sich ein Urteil darüber zu bilden, was auf der IROS 2017 besprochen wurde, geschweige denn die Experimente nachzuvollziehen.

Nun ist natürlich niemand perfekt, und auch eine Konferenz ist immer nur so gut, wie die Leute die sie veranstalten. Was aber bei der IROS auffällig ist, dass man gleichzeitig extrem hohe Ansprüche stellt an diejenigen die dort etwas vortragen. Wenn man sich dort mit einem Paper bewirbt, wird man zu 90% eine Absage erhalten, weil die eigene Arbeit leider nicht dem Qualitätsstandards entspricht.

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