Zahnarzt-Roboter


Roboterhersteller wie Kuka oder ABB haben einen festen Markt im Sinn: Fabrikautomatisierung. Dabei wird ausgeblendet, dass Robotik ein absolutes High-End Produkt ist, während Fabriken aus Lowskilled Jobs bestehen. Der typische Fabrikarbeiter ist ungelernt, hat keinen Studienabschluss und ist folglich komplett ungeeignet dafür einen Roboter zu programmieren. Insofern ist es kein Wunder, dass Roboter nie so recht Fuß fassen konnten in dieser Branche.

Zunächst einmal wäre es wichtig, wenn sich Roboterbauer eingestehen, dass das was sie da verkaufen etwas mit Wissenschaft zu tun hat, und zwar mit sehr fortschrittlicher Wissenschaft. Dementsprechend sollte man sich um Branchen kümmern die ebenfalls etwas mit Wissenschaft zu tun haben. Eine Möglichkeit wären Ärzte. Ärzte haben allesamt studiert, eine Doktorarbeit geschrieben und sind zumindest keine absoluten Anfänger in Sachen Computer. Mag sein, dass auch die Einführung eines Roboters in eine Zahnarztpraxis auf kulturelle Vorbehälte stößt, doch die sind überwindbar. Gleichzeitig passen hochpreisige medizinische Geräte auch gut in das Image was sich Arztpraxen gerne geben, so dass schon aus Marketing-Gründen hier ein dankbarer Markt besteht.

Bleibt noch die Frage zu klären wo genau medizinische Roboter eingesetzt werden sollten. Nanorobotik wäre natürlich die Königsdisziplin, wo man ähnlich wie bei Startrek Voyager kleine Naniten repliziert die dann den Körper verjüngen. Nur, ein kurzer Blick in die berühmte Pubmed Datenbank zeigt auf, dass es für Nanorobotik noch zu früh ist. Was hingegen mit Technik der Gegenwart möglich sind, das sind sogeannnte Operationsroboter, besonders in der Zahnheilkunde können sie eingesetzt werden. Es handelt sich dabei um automatisierte Bohrer, die die Bewegungen des Patienten ausgleichen und den Arzt bei schweren Operationen unterstützen. Der Vorteil ist, dass der Roboter relativ groß sein kann, man also nicht unerprobte MEMS Technologie einsetzen muss. Sondern Hardwaremäßig ist das meiste bereits erfunden was benötigt wird. Das einzige woran es gegenwärtig mangelt ist eine gute Zahnarzt-Software. Also etwas, was den Bohrvorgang von vorne bis hinten als Behavior Tree modelliert.

Für medizinische Roboter spricht noch mehr. Anders als bei Robotern die in der Industrie eingesetzt werden ist im Gesundheitsbereich Geld im Überfluss vorhanden. Da gibt es normalerweise keine Margen zu minimieren oder ein Kostenbewusstsein, sondern Gesundheitsprodukte finden — wenn sie gut sind — immer ihre Käufer. Wenn ein Roboter auch 10 Millionen Euro kosten sollte ist das in bestimmten Fällen noch akzeptabel. Dadurch haben es die Robotik-Hersteller sehr viel leichter einmal High-End zu entwickeln und nicht wie bei Kuka mit preissensitiven Käufergruppen herumzustreiten, ob nun unbedingt die High-End-Servos verbaut werden müssen.

Gleichzeitig wird bei einem teuren Roboter auch sehr viel schneller deutlich, wenn er nicht perfekt arbeitet. Weil der Kunde sehr viel Geld bezahlt und jetzt natürlich etwas dafür sehen will. Kurzum, ich glaube, wenn sich irgendwo Roboter durchsetzen können, dann im Bereich Arzt / Krankenhaus.

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