Experimente mit Remote Comments


Obwohl Weblogs eine sehr alte Erfindung sind, gibt es zu einem speziellen Thema erstaunlich wenig Informationen. Die Rede ist von Trackbacks. Wenn ich die Lage richtig einschätze, wurde das von den Blog-Vordenkern einmal sehr geschätzt geriet dann aber in Vergessenheit. Im Kern handelt es sich dabei um „Remote Comments“. Anders als normale Kommentare postet man diese in das eigene Blog und verlinkt zum Original-Beitrag. Wie man solche Remote Comments erstellt darüber gibt es nur wage und wiedersprüchliche Informationen. Ich habe selbst ein wenig herumprobiert und als Best-Practices hat sich herausgestellt, dass man über den WordPress-Editor einen URL Link einfügt zum Original-Posting und ergänzend noch den Blockquote nutzt um kurz anzudeuten worauf man sich bezieht. Weiterhin muss man in den Settings einstellen, dass sogeannte Pingbacks empfangen und gesendet werden. Wenn jetzt auch die Gegenseite für Remote Comments offen eingestellt ist, kann man darüber sehr leicht eine Vernetzung untereinander erzielen. Die Unterscheidung zwischen echten Remote Comments und Spam Remote Comments ist dabei die selbe wie auch zur Unterscheidung von normalen Kommentaren angewendet wird: es geht um inhaltliche Fragen.

Von der Verbreitung her würde ich schätzen, dass Remote Comments weniger als 1% der Kommentare ausmachen, also gänzlich unbekannt ist. Dennoch sollte man wissen, dass es diese Funktion gibt und was ihre Vorteile sind.

Aber auch sprachlich sind „Remote Comments“ etwas besonderes. Normalerweise schreibt man einen Blogpost immer mit einer Einleitung bzw. einem Anlauf um es dann zu einem richtigen Text aufzubauen. Wenn man hingegen sich auf einen OP bezieht ist dieser Anlauf entbehrlich, weil ja der Kontext schon bekannt ist. Ein Remote Comment funktioniert deshalb ein wenig anders als ein normaler Blogpost. Man hat den Eindruck, als fehlt da irgendwie die Einleitung. Das heißt, obwohl der Text gerade erst beginnt ist man schon mitten drin im Thema und argumentiert schon fleißig ohne dem Neu-Leser kurz zu erklären worum es eigentlich geht. Vermutlich ist das ein weiterer Grund, warum Remote Comments ein Schattendasein führen, weil genau dieser Sprachstil verwirrend ist.

Bei „Remote Comments“ hat man eher das Gefühl, als würde der eigene Text mit dem fremden Text verwoben sein. So ähnlich wie in einem postmodernen Schreibexperiment existieren die Textfragmente als Mosaic-Steine und der Sinn ergibt sich erst verzögert. Das heißt, der Leser muss anhand der Verlinkung erst herausfinden worum es ursprünglich einmal ging. Oder anders gesagt es wird unterstellt, dass der Leser bereits den Kontext kennt.

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