OpenAccess Vision 2020


Die Vision bis 2020 alle Veröffentlichungen frei zugänglich zu machen ist nur dann innovativ wenn man von einer Gegenwart ausgeht wo das noch nicht der Fall ist. Aber diese Beschreibung ist falsch. Die Gegenwart besteht bereits aus 100% OpenAccess oder was bitteschön sind die Paper in Google Scholar sonst, die man durchsuchen kann? Also nach Paywall sieht das nicht aus, wenn man auf den PDF Link klickt um darüber das File zu öffnen. Interessanterweise scheint es über diese merkwüdige Vision hinaus keine weitergehenden Ziele zu geben. Weder sollen die Hochschulen privatisiert werden, noch soll das Promotionsrecht reformiert werden, noch stellt man OpenAccess Verlage wie Elsevier in Frage, nichts dergleichen. Im Grunde ist OpenAccess eine Marketing-Kampagne dafür, alles beim alten zu lassen. Die Vision richtet sich hauptsächlich nach innen, das heißt die Forscher sollen bitteschön alle nach der OpenAccess Gold Methode ihre Paper veröffentlichen, damit schön Geld zu PLOS und all den anderen Publishern abfließt damit die mit ihren kommerziellen Setzprogrammen aus dem Hause Adobe mathematische Formeln setzen, obwohl Donald E. Knuth schon vor langer Zeit etwas viel besseres erfunden hat.

Zumindest gegen Ende hin wird der OP noch etwas versöhnlicher weil er dort den Green OpenAccess Weg empfielt, der eine Lösung für die Wissenschaftskrise aufzeigt. Wie wäre es denn, wenn wir alle unsere Paper einfach selber hosten, oder zumindest uns zu einem akademischen sozialen Netzwerk zusammenschließen, damit Peer-Review und OpenAccess Journale umgehen und stattdessen Wissenschaft wieder zu dem machen was es einmal war: ein Austausch unter gleichen? So schwer ist es gar nicht, das eigene Paper zu layouten. Unter Lyx reichen dazu wenige Mausklicks aus und schon erhält man einen hübschen Zweispaltensatz und am Ende ein fettes Literaturverzeichnis wo man alle seine Kollegen grüßen kann.

Und überhaupt, Peer-Review hat dem Wissenschaftsbetrieb mehr geschadet als genützt. Er hat nur dazu geführt, dass die Zeitdauer bis zur Veröffentlichung verlängert wurde. Außerdem hat die Wissenschaft längst bessere Methoden entwickelt die Wahrheit zu verteidigen, und zwar die Gegenrede. Damit ist gemeint, dass man falsche Informationen mit einer Gegendarstellung framed, so dass sich der Leser selbst ein Bild machen kann.

Was soll eigentlich OpenScience konkret sein? Bedeutet Open womöglich, dass nur promovierte Professoren wissenschaftliche Texte veröffentlichen dürfen und alle anderen in die passive Rolle gedrängt werden? Auch in dem bekannten Paper von Umberto Eco (Der Name der Rose) gab es schon OpenScience. Das war die Klosterbiblithek, wo niemand sonst rein durfte außer der Abt …

Was genau OpenScience sein soll erläutert https://cit-ec.de/de/open-science-manifest

„CITEC sieht die Notwendigkeit, das Lehrangebot für den wissenschaftlichen Nach­wuchs um Angebote zum Forschungsdatenmanagement zu erweitern und bietet Fortbildungen sowie individuelle Beratung für Forschende an, um bei jungen Wissen­schaftler/innen das Bewusstsein für gute wissenschaftliche Praxis zu fördern.“

Wenn ich das richtig verstanden habe geht es also darum, dass innerhalb der jetzigen Universitäten der Forschernachwuchs speziell geschult werden soll also auf die Ideale von OpenScience eingeschworen wird. Und was ist mit den Forschern außerhalb des Einzugsgebietes von Universitäten? Beispielsweise fallen darunter akademische Blogs, „social academic networks“ sowie Konzerne wie Google. Müssen die auch alle die OpenScience Erklärung unterschreiben? Ich glaube worum es bei OpenScience und OpenAccess in Wirklichkeit ist ein antiquiertes Verständnis von Wissenschaft, und zwar eines was an die Institution Hochschule gebunden ist, während das Internet derartige Grenzen nicht kennt. Zwischen einer .edu Domäne und einer .com Domäne ist es nur ein simpler Mausklick entfernt.

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