Was ist das?


Über das InMoov Projekt sind hier schon mehrere Blogposts erschienen, in dem obigen Video erklärt der Erfinder Gael Langevin auf einer Konferenz nochmal seine Motivation. Um ehrlich zu sein, ich glaube ihm kein Wort. Für mich hört sich die Story dass ein früherer Bildhauer der jetzt seine Liebe zum 3D Druck und die Robotik entdeckt haben will für ein kompletten Fake an. Wollte man einen zwielichtigen Versicherungsvertreter beschreiben, dem man besser nicht traut dann wäre das der richtige Moment dafür. Bei dem ganzen Projekt stimmt fast gar nichts. Und dennoch, im Grunde ist die Motivation dahinter egal und auch ob Gael Langevin die Wahrheit sagt oder nicht. Fakt ist, dass sein Vortrag sehr faszinierend klingt und Fakt ist auch, dass wie angekündigt, die STL Dateien für die Bauteile des Roboters auf der Homepage zum kostenlosen Download bereitstehen. Ich glaube, das besondere an dem Projekt und der Grund des berechtigten Mißtrauens hat ganz einfach damit zu tun, dass normalerweise ein humanoider Roboter wie der Darwin OP rund 10000 EUR kostet und maximal 15 cm groß ist. Und dass hinter solchen Projekten Firmen oder zumindest Universitäten stecken. Beim Inmoov Projekt gibt es weder eine Firma wie Kuka oder Rethink Robotics und es gibt auch kein MIT oder Oxford University, sondern das ganze ist offenbar eine 1-Mann-Show.

Was der Schachpunkt an dem Projekt ist, lässt sich schnell sagen. Die Hardware ist es jedenfalls nicht, die Servos plus die Plastik machen einen ausgezeichneten Job, sondern der Kriitikpunkt ist die fehlende Software. Im Grunde erinnert InMoov ein wenig an die ersten ALTAIR PCs, die zwar lustige Lämpchen hatte wo man aber die Software noch selber schreiben musste. Genau genommen ist InMoov also kein Roboter, sondern eine Programmierplattform um Software für einen Roboter zu programmieren.

Vermutlich wird in späteren Iterationsstufe die Hardware sich evolutionär verbessern so dass womöglich der Preis sinkt, das Drehmoment der Servos verbessert wird, und angeblich konstruiert Gael Langevin gerade die Beine für das Projekt. Aber wo bleibt die Software? Vom Erfinder selber war dazu wenig zu hören, vermutlich ist sie nicht einsatzfähig. Und um ehrlich zu sein, ist das auch nicht der Job der Hardware-Bastler. Das heißt, Inmoov ist weniger die Lösung als vielmehr das Problem.

Natürlich haben sich andere mit der Softwareproblematik schon etwas länger beschäftigt. Auf der Darpa Robotics Challange wurden Systeme eingesetzt die ROS nutzten und einiges davon ist sogar auf Github verfügbar. Prinzipiell gibt es also Robotik-Software um Dexterous Grasping und biped Walking zu ermöglichen. Nur, bei der Darpa war das ganze beschränkt auf Roboterhardware die oberhalb von 1 Mio US$ kostete, das was Inmoov hingegen verkörpert geht eher in Richtung 0 EUR. Man stelle sich mal vor, dass man einen OpenHardware Roboter in Verbindung mit OpenSource Software betreibt um damit dann Walking und ähnliche Dinge zu absolvieren. Dadurch würde Robotik demokratisiert werden, also zu einem Massengut werden.

Nur mal zum Vergleich zu welchem Preis seriöse Robotik verkauft wird. Die Shadow Robot Hand kostet derzeit 190000 US$. Wohlgemerkt für eine Hand, ohne den Arm und und den Robotertorso. Der Atlas Roboter von Boston Dynamics wird mit 1 Mio US$ taxiert, aber das dürfte eher noch niedrig geschätzt sein.

Ein wenig creepy ist auch das Schlussstatement von Gael Langevin. Auf die Frage wozu er das Projekt erfunden hat, erwiedert er sinngemäß dass wenn wir als Menschheit nicht lernen wie man Roboter programmiert uns die Maschinen killen werden. Natürlich ist das kompletter Unfug, weil ja die Robotik erst durch Inmoov und ähnliche Projekte vorangetrieben wird. Das heißt, eigentlich ist Inmoov nicht die Antwort sondern die Gefahr. Aber hey, wer möchte Gael Langevin das erläutern?

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