Cognitive Artist


Ob es den Begriff „Cognitive Artist“ schon gibt ist unklar, wenn nicht müsste man ihn glatt erfinden. Damit wird eine Person bezeichnet die ähnlich wie ein Maler Dinge erschafft die seine Umwelt zum Denken anregen sollen. Schöne Dinge natürlich. Nur anders als ein Maler arbeitet ein cognitive Artist mit digitalen Medien. Ihm geht es beispielsweise darum, mit Computerprogrammen Kunst zu erzeugen, also beispielsweise mit der Turtle-Grafik ein Gemälde zu malen. Aber das Hauptinteresse von cognitive Artists sind Computerprogramme, jene mathematischen Gebilde, welche Maschinen in der Lage versetzen sinnvolle Dinge zu tun. Einerseits kann man ein Computerprogramm dazu verwenden um Kunst zu erschaffen, anderseits kann man Computerprogramme selbst wiederum als Kunstwerk betrachten.

Das Hauptziel von cognitive Artists ist das Erschaffen von Kunstwerken welche der Sparte Computercode zugerechnet werden und dort speziell der Sparte „Computercode für eine True AI“. Weil Künstliche Intelligenz nun einmal dasjenige Gebiet ist, was die Umwelt von cognitive Artists am meisten interessiert. Wir haben es mit einem spannungsreichen Wechselspiel zwischen Kunst-Rezipienten und Künstler zu tun, in der Art dass an den cognitive Artist die Bitte herangetragen wird, doch ein Kunstwerk zu erschaffen, was „True AI“ thematisiert, und andererseits hat der Künstler natürlich das Problem dass er selbst nicht weiß was „True AI“ sein soll. Demzufolge kommt es darauf an ein Kunstwerk zu generieren was keine Lösungen vorgibt sondern Fragen aufwirft.

Und an dieser Stelle heißt es mit einem kleinen Mißverständnis aufzuräumen dass immer dann entsteht, wenn Kunst nicht als solche wahrgenommen wird. Das trifft insbesondere für kogntive Architekturen zu, welche von Künstlern erstellt wurden allerdings von den Rezepienten werden diese Künstler für Wissenschaftler oder gar als Programmierer definiert. Hier stellt sich die Frage, ob die Rezipienten nicht vielleicht selbst daran Schuld haben, oder ob der Künstler nicht vielmehr dieses Mißverständnis aufklären sollte. Kurz gesagt, wer eine kogntive Architektur wie ACT-R als Informatik oder als Psychologie begreift der unterliegt einem Irrtum. Die Wahrheit ist, dass ACT-R eher als Kunstwerk genauer gesagt als Digitalkunst betrachtet werden muss. Es versucht auf kreativer Ebene die Frage zu beantworten was „True AI“ ist, und wie man sie erschafft. Und wie alle Kunstwerke hat es den Nachteil, darauf keine Antworten geben zu wollen oder zu können.

Kurz gesagt, wer auf naturwissenschaflicher Ebene an den Themen Denken und Computer interessiert ist, der sollte sich hüten dazu cognitive Artists zu fragen. Das ist ungefähr so ähnlich, als möchte man etwas über den Weltraum erfahren und schaut sich dazu Ölgemälde an. Das mag etwas mit dem Thema zu tun haben, ist jedoch keine harte Wissenschaft. Und hier kommen wir bereits auf einen sehr wesentlichen Kritikpunkt zu sprechen der bisheute nicht öffentlich thematisiert wurde. Und zwar betrachteten sich sehr viele der frühen Informatiker welche am M.I.T. und anderen Hochschulen sich zu Themen der Betriebssysteme und der künstlichen Intelligenz geäußert haben, gar nicht als Wissenschaftler sondern waren vom Selbstverständnis her immer Dichter, Musiker oder Technologiekritiker. D.h. sie haben sich auf einer kreativ-künstlerischen Ebene mit Computern beschäftigt. Und aus diesem Umfeld heraus wurde dann auch LISP und SOAR entwickelt. Für ein Projekt aus dem Bereich „cognitive art“ sehr bemerkenswerte Ansätze, legt man jedoch wissenschaftliche Maßstäbe an so muss man leider feststellen, dass es eine Enttäuschung ist.

Bis zum heutigen Tage werden cognitive Artists wie Joseph Weizenbaum oder Allen Newell von der Informatik-Community als Wissenschaftler gefeiert obwohl sie dieser Erwartung niemals gerecht wurden. Je mehr noch, es gibt eine gewisse Mentalität in der AI-Community welche die Untescheidung zwischen Wissenschaft und Kunst nicht so eng sieht und damit ganz zufrieden ist, Leute die Gedichte schreiben oder Bilder malen als Wissenschaftler bezeichnen können. Weil dadurch natürlich der Anspruch abgesenkt werden kann und es ausreichend ist sich auf kreativer Ebene mit Technik zu beschäftigen. Auf diese Weise entsteht eine Art von Pseudoinformatik bei der nicht konsequent genug gegen Kunst Stellung bezogen wird.

Selbstverständlich hat Kunst ihre Daseinsberechtigung, und der spielerische Umgang mit dem Alltäglichen zeichnet uns Menschen sogar aus. Nur sollte man sich davor hüten Kunst als Ersatz für Wissenschaft zu bezeichnen. Es ist wichtig, dass es neben einem kreativen gestalterischen Zugang zur Wirklichkeit auch noch ein rationalen formalen gibt. Dieser war in der Geschichte der Informatik nur sehr mangelhaft ausgeprägt. Die AI-Community am M.I.T. der 1960’er und 1970’er Jahre hat ihn jedenfalls nicht als Ziel verfolgt.

Böse formuliert kann eigentliche die komplette „Topdown Artifical Intelligence“ von 1950-1990 als cognitive-Art bezeichnet werden, die sich zwar durch zahlreiche Projekte aber eben auch durch fehlende Wissenschaftlichkeit auszeichnet. Wobei natürlich gegen eine „art-science“ prinzipiell nichts einzuwenden ist, allerdings sollte man wissen dass es von 1950-1990 an Hochschulen wie dem M.I.T. eigentlich nichts anderes gab. Im Grunde war der Beginn von „bottom up AI“ (1990 und später) auch der Anfang von Künstlicher Intelligenz im Sinne einer Naturwissenschaft, wo man also den Mut hatte, all die künstlerischen Aspekte zu ignorieren und sich mehr auf sachlicher Ebene mit Maschinen auseinanderzusetzen. Also Roboter, Denken und Sprachausgabe nicht länger als kulturelle Ausdrucksform zu verstehen die ähnlich wie Malerei oder Musik einen gestalterischen Zweck erfüllen, sondern Roboter als Selbstzweck zu begreifen die es zu erforschen gilt mit Methoden der Logik.

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