Warum humanoide Roboter nicht die Zukunft sind


Bei Robotern denkt man meist an humanoide Roboter welche in Fabriken eingesetzt werden, um dort die Abläufe zu verbessern. Eine Mischung aus C3PO und „Real Humans“, schaut man sich jedoch einmal den tatsächlichen Nutzen dieser Systeme an so ist er objektiv nicht zu erkennen. Damit ein Roboter annäherend die Fähigkeiten eines Menschen erreicht benötigt man sehr leichte wie auch stabile Hardware, die sehr teuer wird. Und selbst dann sind diese Roboter rein ökonomisch nicht in der Lage menschliche Arbeitskräfte zu verdrängen. Sie kosten viel in der Anschaffung leisten aber nur wenig. Das ist der Hauptgrund, warum die absolute Zahl an verkaufter Roboter gering ist und Kuka nur ein Nischenunternehmen ist. Ohne Chance auf Verbesserung übrigens, auch in 20 Jahren wird es noch keine Roboter in den Fabriken geben, weil die dafür nötige Technik gar nicht so schnell weiterentwickelt werden kann.

Aber, anders als bei industrieller Robotik gibt es im Bereich des self-driving-cars sehr viel mehr Grund für wirtschaftlichen Optimismus. Das sich Roboter auf den Straßen rechnen haben mehrere Studien bereits aufgezeigt, und viele Innovationen wie elektrische Antriebe oder Carsharing lässt sich nur effektiv mit autonomen Autos bewältigen. Anders als bei industrieller Robotik ist hier der volkswirtschaftliche Nutzen unmittelbar erkennbar, in der Gestalt dass sich durch self-driving Cars alle nur denkbaren Parameter verbessern lassen. Als da wären: Kosten der Mobilität, Umweltverschmutzung, Auslastung der Autos, Flächenbedarf durch Parkplätze, Anzahl Verkehrstote. Mag sein, dass bei genauerer Analyse auch Roboter in Fabriken einen gesellschaftlichen Mehrwert erbringen, nur ist dieser nicht so offensichtlich wie bei selbstfahrenden Autos. Das schöne ist, dass man beim Automobil eine ohnehin vorhandenen Markt vorfindet. Das heißt, egal ob nun selbstfahrend oder nicht, verlassen jedes Jahr Millionen von Autos die Fließbänder. Den Straßenverkehr auf Teilautonomie oder sogar vollautonomen Innenstadtverkehr umzustellen ist nur ein gradueller Schritt. Er ist sozial erwünscht und dementsprechend hoch fällt das Prestige für diejenigen aus, die sich der Aufgabe annehmen. Gleichzeitig sind autonome Fahrzeuge einfacher zu programmieren als biped walking Roboter. So dass es sich ingesamt um niedrig hängende Früchte handelt, die bei überschaubarem Aufwand einen hohen Nutzen versprechen. Ich wage mal die kühne These, dass wir zuerst selfstfahrende Autos sehen werden und erst mit vielen Jahren Abstand dann humanoide Roboter a la „Real Humans“.

Das dürfte insbesondere jene Kreise freuen, welche in der Robotik nur Nachteile sehen und die am liebsten zurückwollen ins Mittelalter wo es keinerlei Automatisierung gab. Für automobilen Fortschritt gibt es bereits einen breiten gesellschaftlichen Konsens womit es leichter fällt, Innovationen einzuführen als in anderen Branchen.

Die Akzeptanz von autonomen Autos gilt als ausgezeichnet. Ja, fast möchte vom technischen Standpunkt vor zuviel Euphorie warnen, weil sich Konsumenten in Prototypen hineinsetzen und dort dann mit dem Autopiloten in Unfälle verwickelt sind. Anders als bei industrieller Robotik wo die Hersteller bei ihren Kunden Überzeugungsarbeit leisten müssen um überhaupt etwas absetzen zu können, ist im Fall des autonomen Fahrens die Nachfrage schon vorhanden. Der Grund besteht darin, dass das Auto von jeher mit Utopien und Allmachtsphantasien aufgeladen ist und in keinem anderen Markt soviel Geld für nutzlose Extras ausgegeben wird. Ich wage mal die freche These dass ein halbwegs seriös programmierte Autopilot in kurzer Zeit in millionenfacher Stückzahl abgesetzt werden kann und die Leute das Produkt auch dann einsetzen, wenn es offensichtliche Schwächen besitzt. Das sind natürlich paradiesische Zustände für Entwickler die neue Dinge ausprobieren wollen.

Komischerweise ist das Schreckensszenario was bei Robotern an die Wand gemalt wird (das der Weltherschaft der Maschinen) im Bereich des autonomen Fahrens kein Thema. Niemand hat Angst davor, dass Autos eigene Bedürfnisse entwickeln, mit Kulleraugen um Aufmerksamkeit betteln oder gar eigene Entscheidungen treffen. Offenbar ist die gesellschaftliche Rolle des Automobils derartig, dass diese Verhalten nicht nur toleriert sondern sogar erwünscht ist. Woran das liegt, dass ein humanoider Roboter auf zwei Beinen als Bedrohung wahrgenommen wird, während die selbe Software in einem Auto als nützlich angesehen wird, ist nicht so ganz erforscht aber offenbar besteht zwischen Auto und Mensch eine Koexistenz und ein Grundvertrauen, was sich rational nur bedingt erklären lässt.

Ich wage mal die steile These, dass sich humanoide Roboter auch dann keine Nische erobern werden, wenn sie technologisch extrem hochentwickelt sind, weil ihnen traditionell unterstellt wird, dass sie nachts böse Dinge tun und gegen die Menschheit rebellieren. Autos hingegen befinden sich in einer Art von Schonraum, wo nicht nur technische Fehler toleriert werden, sondern wo man der Künstlichen Intelligenz sogar zugesteht dass sie aggressiv sein darf. Ein Auto mit einem besonders sportlichen Fahrstil wird nicht etwa als Nogo wahrgenommen, sondern als mögliche Varianz in einem sehr breiten Spektrum. Die Grundbeziehung zu autonomen Autos ist positiv und dann diskutiert man lediglich über die Detailfragen, während es bei humanoiden Robotern kulturell genau andersherum ist, das man also alles was auf 2 Beinen unterwegs ist, erstmal mit Mißtrauen begegnet. Vereinfacht gesagt, haben die Menschen keine Angst vor Autos und auch nicht vor autonomen Autos.

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