Kleines Psychogramm von George Hotz


Da George Hotz in den Medien relativ präsent ist und seine Firma Produkte verkaufen will ist es an der Zeit die Dinge ein wenig kritischer zu begutachten. Zunächst einmal ist das Gebiet was sich Hotz ausgesucht (driverless car) ein sehr interessantes. Meiner Ansicht nach wird es in 20 Jahren die erste selbst-fahrenden Autos auf den Straßen geben die dann dafür sorgen, dass die Zahl der Verkehrstoten reduziert wird. Nur, was George Hotz aktuell macht kann man eigentlich nur als Geisterfahrt bezeichnen. Das heißt, er hat sich dafür entsschieden in der Gegenrichtung unterwegs zu sein und wundert sich worum alle anderen in die falsche Richtung fahren … Was meine ich damit? Nun schaut, man sich die Präsentation von Hotz an, wo er das technische Konzept erläutert so ist dort die Rede von Convolutional Neural Networks, Recurrent neural Networks, Machine Learning und lauter solche Sachen. Und er sagt ferner, dass er aus Gigabyte weise Daten ein Modell des menschlichen Fahrens erstellt habe, dass jetzt wiederum das Auto von alleine fahren lässt.

Es ist nicht ganz leicht, das ganze objektiv einzuschätzen. Aus Sicht von Hotz der wie eingangs zitiert in der falschen Richtung unterwegs ist, macht das natürlich alles Sinn. Das also jene Leute die behaupten, man müsste richtige Software schreiben, wofür man viele Jahre braucht und was nach dem Wasserfallmodell und einem Pflichtenheft durchgeführt wird, allesamt falsch liegen weil man mit Machine Learning in wenigen Sekunden den fertigen Algorithmus erhält, der sich in den Fahrer einfühlt. Nur, mit Informatik hat der Vortrag von Hotz nicht viel zu tun, eher mit Aberglauben, alternative Heilmethoden und Religionen.

Man kann Hotz natürlich nicht verbieten, doch spaßeshalber neuronale Netze zu verwenden um die Umgebung zu erfassen und womglich sogar das Lenkrad zu steuern, nur sei darauf hingewiesen, dass Hotz mit diesem Konzept sehr alleine dasteht und dass selbst in einer virtuellen Simulation neuronale Netze komplett unfähig sind, intelligente Entscheidungen zu treffen. Die best-practice Methode zum Programmieren einer Künstlichen Intelligenz besteht in dem von Hotz abfällig beurteilten manuellen Programmieren der Software. Nur darüber lassen sich komplexe Systeme entwickeln. Was Hotz hingegen vorhat ist es, eine analogen Oszilator an ein Lenkrad anzuschließen, und den von einem Solver justieren zu lassen, damit mit viel Glück dann die KI sich alleine weiterentwickelt. Das ist keine Innovation, das ist Selbstmord.

Es ist derzeit nicht klar, ob George Hotz weiß, dass er kompletten Unsinn erzählt und sich einen Scherz daraus macht, der Öffentlichkeit kompletten Unsinn für Wissenschaft zu verkaufen. Fakt ist jedoch, dass er in der falschen Richtung unterwegs ist und offenbar plant für seinen Plan weitere Leute zu begeistern.

Was womöglich der Hidden Plan sein könnte ist, dass George Hotz natürlich weiß, dass sein Konzept kompletter Unsinn ist und comma.ai in Wahrheit ähnlich wie Udacity so eine Art von Fernuniversität ist, welche Self-driving-cars unterrichtet. Das also das Ziel darin besteht nicht so sehr echte Autos mit Software auszustatten, sondern möglichst viele Leute für die Idee zu begeistern um ihnen dann Kurse in Programmieren zu verkaufen. Vergleicht man einmal das äußere Auftreten von Hotz mit dem von Sebastian Thrun so gibt es gewisse Gemeinsamkeiten. Auch Thrun erzählt der Weltöffentlichkeit, dass Maschine Learning der richtige Ansatz wäre für autonomous driving, aber was Thrun heute betreibt ist nicht etwas Software zu programmieren, sondern Anfängerkurse in Künstlicher Intelligenz abzuhalten. Und tatsächlich, Machine Learning und neuronale Netze sind sehr gut geeignet für Leute die noch nicht mit KI Kontakt hatten, langsam an das Thema heranzuführen. Man kann damit zwar keine Autos oder Roboter steuern, aber man kann das Wissen gut in Kursen vermitteln.

Die wahrscheinlichste Erklärung dürfte darin bestehen, dass Thrun und George Hotz sehr genau wissen, dass der driverless Car Sektor nicht von ihnen bearbeitet wird, sondern von den großen Automobilherstellern, die irgendwann richtige Software programmieren und ausliefern werden. Die Zwischenzeit bis dahin wird dann eben dafür genutzt, schonmal die Leute auf Singularity einzustimmen. Das heißt, Google will nicht wirklich driverless cars ausliefern und Hotz will nicht wirklich Autos mit seiner Software steuern, sondern es geht darum, das ganze nur zu proben.

Das ist insofern schade, weil man mit Comma.ai und Udacity eben nicht über autonomes Fahren debattieren kann, sondern nur über Education. Das ist jenes Gebiet womit sich die Protagonisten wirklich auskennen.

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