Rückblick auf 6 Monate Academia.edu


Vor mehreren Monaten habe ich das Portal Academia.edu entdeckt. Inzwischen habe ich immerhin 10 Paper dort hochgeladen und wollte einmal über meine Erfahrungen berichten. Im Durchschnitt haben die Paper einen einen Leserkreis von 5 Personen generiert, das ist für wissenschaftliche Paper normal. Sie sind zwar über die Google Websuche auffindbar, nicht jedoch über die Google Scholar Suche. Das heißt, Academia.edu ist gegenüber einer richtigen OpenAccess Zeitschrift wie PLOS im Nachteil. Auf der anderen Seite ist der Service kostenlos und man braucht sich nicht mit Pseudo-Peer-Reviews herumzuärgern sondern lädt das PDF einfach auf den Server hoch und fertig. Irgendwelche konkreten Vorteile haben sich aus der Verwendung von Academia.edu bisher nicht ergeben, außer vielleicht das man sich als Teil einer größeren Gemeinschaft verstehen kann, die an einem anderen Wissenschaftsbetrieb interessiert sind, bei dem jeder publizieren darf, egal ob er einen Doktortitel führt oder nicht.

Ersetzen kann Academia.edu ein normales Weblog leider nicht, aber es ist eine interessante Ergänzung wenn man PDF Paper einem wissenschaftlichen Publikum zur Verfügung stellen möchte. Damit ist der Dienst konkurrenzlos, es gibt höchstens noch ResearchGate, aber dort ist die Zuigangshürde größer. Am ehesten könnte man Academia.edu als bessere blogging-Software beschreiben wo man also nicht in WordPress publiziert, sondern auf einem Dokumentenserver. Die Schwierigkeit bei WordPress ist, dass dort längere Texte mit Abbildungen und Literaturverweisen technisch gesehen keinen Sinn machen. Sondern WordPress ist eher ein Kommunikationstool und nicht so sehr ein Publikationstool. Das schöne an Academia.edu ist, dass der verwendete PDF Parser komplett störungsfrei arbeitet. Bisher gab es keinerlei Probleme beim Umwandeln der hochgeladenen PDF Paper, und es werden sogar die Abstracts halbautomatisch extrahiert. Ob das auch bei Dokumenten klappt die mittels MS-Word erstellt wurden, weiß ich nicht, ich selbst habe ausschließlich Lyx genutzt um die PDF Paper zu formatieren.

Bisher ist mein Gesamteindruck, dass Academia.edu zwar einen guten Eindruck macht, dass aber noch nicht im Detail klar ist, wozu man das eigentlich braucht. Eine Alternative zu wissenschaftlichen Zeitschriften ist es jedenfalls nicht, und eine Alternative zu Blogging-Systemen auch nicht. Es liegt irgendwo dazwischen und könnte in Zukunft vielleicht noch interessant werden. Das dürfte davon abhängen, wieviele User der Dienst an sich bindet und ob die tatsächlich Content hochladen. Das interessanteste an Academia.edu ist weniger das Portal als vielmehr die Idee die dahintersteht. Diese manifestiert sich in der Person Richard Price, der sehr eloquent über die Zukunft des wissenschaftlichen Publizieren zu berichten weiß. Objektiv betrachtet besteht Acadamia.edu vermutlich nur aus heißer Luft, die mit Versprechen operiert die nicht eingehalten werden. Aber egal, selbst wenn das Startup in 3 Jahren schon wieder weg ist vom Fenster war es der richtige Ansatz.

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