WordPress und die Geburtsstunde des Web 2.0


Häufig wird das Mitmachinternet Web 2.0 aus Nutzersicht thematisiert. Geschichtlich wird das Entstehen auf Anfang der 2000’er datiert, ab dem die User angefangen haben, eigene Inhalte ins Netz zu stellen und sich in Foren, Blogs und Wikis zu vernetzen. Die Wahrheit ist jedoch, dass am Web 2.0 die User eine unbedeutende Rolle gespielt haben und es entstand auch nicht durch die gestiegene Internet-affinität. Stattdessen ist das Web 2.0 technologiegetrieben. Seine Anfänge kann man auf die Blogging-Software WordPress zurückführen, welche ab 2004 in PHP erschien. Davor funktionierte das Erstellen einer Webseite sowie das Einpflegen von neuen Inhalten ungefähr so: Man hat sich auf seinem Rechner ein Linux System installiert, dort dann dann im Terminal den ftp Befehl eingegeben und sich mit der Gegenstelle vernetzt. Dann hat man eine .html Datei auf den Server hochgeladen. HTML ist ein Auszeichnungsformat was man mit Emacs im bearbeiten kann. Wie man vielleicht schon ahnt, war diese Prozedur nur von erfahrenen Informatikern ausführbar. Es war nicht so aufwendig wie C-Programmierung, aber es war vergleichbar mit der Bash-Administration.

Durch das Aufkommen von PHP Frontends, die allesamt auf SQL Datenbanken aufsetzten änderten sich diese Prozedur schlagartig. Auch Wikisysteme und Online-Foren sind nicht so sehr nutzergetriebene Kommunikationsmittel, sondern waren technische Innovationen. Wenn man dann noch die DSL-Flatrates mit hinzunimmt welche ab Anfang der 2000’er verfügbar waren, erhält man die Zutaten für das heutige Web 2.0. All diese Technologien haben dazu geführt, dass sich der Nutzerkreis dramatisch erhöht hat, und das man heute um sein Blog zu aktulisieren keine Bash-Befehle mehr beherschen muss. Rein theoretisch kann man wohl auch sein WordPress Blog von der command-shell aus aktualisieren, aber das müsste man bei Stackoverflow erstmal ergoogeln, so selten wird dieses Feature genutzt.

Das interessante an WordPress und ähnlicher Tools war, dass sie mehr und neue Probleme erzeugt haben. Um WordPress einzusetzen, benötigt man zwingend eine SQL-Datenbank auf dem Backend. Und diese wiederum benötigt zwingend einen leistungsfähigen Premium Web-Server sonst performt sie nicht schnell genug. Das heißt, durch WordPress bestand die Notwendigkeit die Hardware in den Rechenzentren aufzurüsten, und Caching Verfahren zu verwenden.

Erstaunlich spät wurde WordPress als ernstzunehmende Alternative zu FTP Servern entdeckt. Die ersten gedruckten Anleitungen auf Englisch erschienen ab 2007. Ein Heise Bericht aus 2008 liegt hier https://www.heise.de/ct/artikel/Von-Hausmannskost-zum-Galadiner-291604.html Erst ab 2010 war WordPress und Co wirklich akzeptiert von einer breiteren Nutzergemeinde. Zeitgleich mit dem Web 2.0 entstanden auch soziale Communitys wie Facebook bei dem das Content-Management-System selbst nicht mehr für die Enduser administrierbar war, sondern man lediglich einen Account bekam, und das Layout von dem Social Network fest voreingestellt war, die häufig auch noch als Moderator in Erscheinung traten. Spätestens ab da war das Web 2.0 im Mainstream angekommen.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf kann man leichter abschätzen wie das Web 3.0 einmal aussehen wird. Es wird keineswegs Nutzergetrieben sein, wo also die vorhandene Infrastruktur von einer breiteren Gruppe genutzt wird, sondern der Startschuss fällt durch neue Technologie. Also neue Software oder ähnliches. Derzeit kenne ich keine Software die man als Web 3.0 bezeichnen könne. Eine Zeitlang wurde innerhalb der Informatik ein Diskurs geführt über das Semantic Web was auf RDFs, Ontologien und Protege aufbaut. Doch bei Lichte betrachtet sind diese Features unter dem Stichwort XML heute bereits in Blogging Tools wie WordPress integriert und sorgen dort dafür, dass RSS Feeds aktualisiert werden.

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