Ökonomische Bedeutung des autonomen Fahrens


Was derzeit genau in Sachen autonomen Fahren passiert wird man wohl erst im Nachhinein wissen, wenn die Geschichtsbücher bereits geschrieben sind. Was man jedoch von außen so mitbekommt ist dass da am großen Rad gedreht wird. Zunächst möchte ich auf die technischen Details eingehen. Im Jahr 2005 wurde die Darpa Challange durchgeführt, später gab es noch viele weitere Challanges. Bei denen wurde im wesentlichen gezeigt, dass autonomes Fahren prinzipiell möglich ist, wenn man denn die richtige Hard- und Software einsetzt. Wühlt man sich durch die gängigen Paper wird man relativ schnell bemerken, dass die dahinterstehende Technologie eine Mischung ist aus DeepLearning zur Umgebungserkennung, SLAM Kartierung zur Eigenlokalisierung und „Hybrid Automaton“ zur Navigation. Mittels Motion Primitive definiert man verschiedene Szenarien wie links abbiegen oder Spur wechseln, die dann vom Fahrzeug ausgeführt werden. Man darf annehmen, dass Google und noch einige andere die benötigte Software dafür entwickelt haben und sie einsatzbereit ist. Diese Software ist deutlich komplexer als das Python Script von George Hotz aber es ist keine Hexenkunst. Anders als bei richtiger Robotik ist das Aufgabengebiet autonomes Fahren noch halbwegs überschaubar und mit genügend Manpower kann man iterativ die benötigte Software erstellen. So ganz genau sagen wie weit der aktuelle Stand ist, kann man derzeit nicht, aber zumindest die Google Autos haben mehrere Millionen Kilometer bereits absolviert.

Jetzt bleibt noch zu kläaren, welche ökonomischen Auswirkungen das ganze hat. Die nackten Zahlen sind allen bekannt: pro Jahr sterben weltweit 1,2 Mio Menschen durch Verkehrsunfälle, das erzeugt einen gewissen Druck das autonome Auto besser heute als morgen einzuführen. Ferner befinden sich aktuell rund 1 Milliarde auf den Straßen, was nichts anderes heißt, als das der Markt sehr groß ist. Was jetzt noch bleibt sind die Detailfragen: also welche Hersteller mit welcher Software in welchem Zeitrahmen was genau machen werden. Eine Prognose abzugeben ist so schwer nicht. Fast alle Autobauer haben in ihren Powerpoint-Präsentationen das Jahr 2030 als den Zeitpunkt der Serienproduktion ausgewiesen. Ob das nun das offizielle Datum ist, oder sich per Zufall alle das gleiche Jahr ausgesucht haben ist unklar und es spielt auch keine Rolle. Man kann jedoch davon ausgehen, dass der Termin eingehalten wird. Im Grunde haben jetzt die Firmen und Universitäten noch 13 Jahre Zeit den Nachwuchs mit der neuen Technologie vertraut zu machen, weltweite Kooperationen einzugehen und sich schonmal zu überlegen wie man mit autonomen Autos Geld verdienen will. Das entscheidene dürfte jedoch sein, dass es anders als bei Robotik keinen eigenständigen Markt für autonome Autos nicht gibt. Weil das nichts ist, was man zusätzlich einführt, sondern jedes verkaufte Auto mit Autopiloten wird ein normales Auto verdrängen. Vielleicht sogar in einem Verhältnis von 1:5 wenn man Robotertaxis einsetzt. Das heißt, neue Geschäftsfelder gibt es nicht, sondern der bisherige Markt wird neu aufgeteilt. Auch Werbung wird man vermutlich nicht machen müssen für eine derarige Technologie. Können die Techniker ihr Versprechen halten, wird sich das ganze wie warme Sammeln verkaufen. Gibt es jemanden der ernsthaft nicht die Verkehrssicherheit erhöhen will, der ernsthaft nicht die Auslastung der Autos erhöhen oder nicht an geringeren Kosten pro Kilometer interessiert ist? Schwer vorstellbar. Die größte Herausforderung bei der Einführung des autonomen Autos dürfte das begleitend durchgeführte Bildungsprogramm sein. Man kann wohl schlecht eine Technologie der Welt überlassen die Einfluss hat auf zig Milliarden Menschen, wenn man zuvor dieser Bevölkerung nicht wenigstens einige Basics in Sachen neuronaler Netze oder Reinforcement Learning beibringt.

Machen wir uns nichts vor, selbstfahrende Autos sind das komplexeste was die Informatik bis dato hervorgebracht hat. Dagegen ist selbst der Linux-Kernel noch simpel zu verstehen. Die Schwierigkeit besteht darin, dass da sehr viele Dinge gleichzeitig eingesetzt werden, von denen Informatik-Fachleute sagen, dass sie sehr mächtig aber auch sehr schwer zu verstehen sind. Jetzt kann man natürlich auf dem Standpunkt stehen, dass die Kunden die Software nicht verstehen sondern nur kaufen sollen. Aber das wird nicht funktionieren. Eine KI ist eben etwas anderes als ein besondere Farbe, sondern die KI steuert das Fahrzeug. Und wenn sie dann einen Unfall verursacht will man, ja sollte man, wissen warum. Ob es in Zukunft soetwas wie Fahrschulen gibt, wo man lernt was die nvidia drive px2 Karte so treibt oder wie eine Finite State Machine funktioniert ist unklar, aber wünschenswert wäre es zumindest. Wie hat es Richard Price, CEO von Academia.edu einmal formuliert? „Es ist besser wenn die breite Masse gebildet ist.“ Anders als bei heute üblichen Technologien wie dem iPhone wird es nicht ausreichen, ein fahrerloses einfach zu hacken. Es also zu jailbraken um damit etwas anzustellen was der Hersteller nicht möchte. Sondern bei Technologie dieser Größenordnung muss man das System in seiner Gänze verstehen, also in der Lage sein, es selber zu bauen. Vermutlich wird die Software ohnehin OpenSource sein, weil das am besten geeignet ist für die Lehre. Die wissenschaftlichen Paper in denen erläutert wird wie ein RRT Planner funktioniert sind ohnehin auf Arxiv einsehbar.

Kurz gesagt, ich glaube das Projekt „autonomes Fahren“ wird mehr sein als einfach nur ein neues Produkt bei dem Firmen wie G.M. Geld verdienen, sondern das ganze wird sich anfühlen wie ein gesellschaftlicher Tranformationsprozess bei dem ausgehend von der U.N. ein Bildungsprogramm für die ganze Welt aufgelegt wird um die Bevölkerung fitt zu machen für Künstliche Intelligenz. Was bisher nur selten erwähnt wird oder gerne auch verdrängt wird ist, dass autonomes Fahren ohne Künstliche Intelligenz nicht möglich ist. Indem Moment wo das Auto automatisch fährt, fährt dort eine Human-Level-AI, also eine Software die denken kann und die Entscheidungen trifft. Genau genommen werden autonome Autos das erste Massenprodukt sein, was künstliche Intelligenz benötigt. Alle Dinge davor wie die Erfindung des Internets, des Homecomputers oder des iphones waren noch Dinge ohne Künstliche Intelligenz. Es waren klassische Machinen, auf denen zwar AI möglich war, was aber nicht zwingend eingesetzt werden musste. Wenn man hingegen bei einem driverless Car die KI-Engine ausschaltet bleibt das Auto stehen, so einfach ist es. Ohne Künstliche Intelligenz keine selbstfahrenden Autos, das ist der Deal.

Natürlich werden Zukunftspessimisten schon ahnen wie die Geschichte weitergeht. Das autonome Autos nur der Anfang sind und die Leute anfüttern, damit dann ab 2040 und später dann die richtigen Roboter kommen. Also humanoide Killermaschinen wie der T-800 der eine Nuklearbatterie im Bauch hat und uns alle vernichten will. Rückblickend wird es dann so aussehen, als wenn autonome Autos nur der Köder waren um den Leuten Technologie anzudrehen die sie gar nicht haben wollen. Nur, selbst das ist kein Grund nein zu sagen zu autonomen Autos, weil die eingangs erwähnten 1,2 Mio Verkehrstoten jährlich ja nicht ausgedacht sind sondern wirklich so passieren: jedes Jahr und weltweit. So dass die Entwicklung wohl unumgänglich ist. Es ist jedoch naiv anzunehmen, dass eine Gesellschaft die einmal sich mit K.I.T.T. angefreundet hat, sich nicht auch mit viel weitergehender Automatisierung wird anfreunden. Das ganze wird so eine Art von Droge werden. Je mehr man sich an Künstliche Intelligenz im Straßenverkehr gewöhnt hat, desto leichter wird man sie auch in Haushaltsrobotern tolerieren. Und von dort ist es nur noch ein kleiner Schritt hin eine Welt wie bei „Real Humans“, wo also Roboter als Jogging-Partner und sogar als Nachbarn auftreten.

Sich heute gegen humanoide Roboter stark zu machen ist simpel: sie stehen derzeit nicht auf der Tagesordnung und ein Vorteil ist auch nicht erkennbar. Sich aber gegen autonome Autos auszusprechen ist nicht mehr möglich. Dafür ist die Entwicklung zuweit fortgeschritten, dafür steht zuviel auf dem Spiel. Ich wage mal die These, dass selbst wenn die Politik wollte es ihr nicht gelingt, autonome Autos noch zu verbieten. Technisch ginge das vielleicht, man muss einfach nur gesetzlich festschreiben dass sowas nicht zugelassen wird. Aber ideologisch ist es unmöglich. Dafür sind die Vorteile einfach zu gewaltig und die Alternativen zu gering. Denn wie bitteschön will man alternativ den Verkehr sicherer machen, die Staus reduzieren oder die Luftqualität verbessern, wenn nicht mit Künstlicher Intelligenz? Richtig, es gibt keinen Plan B, es ist eine Alles oder nichts Rechnung.

BILDUNG FÜR ALLE
Vielfach wurde darüber spekuliert, ob am Ende Google, BMW oder Uber das Rennen machen wird um das autonome Fahren. Doch der heimliche Gewinner wird Udacity sein. Udacity hat weder eine Software entwickelt noch arbeitet es mit Autobauern zusammen. Sondern Udacity ist eine Lernplattform welche Menschen im Fokus hat. Worum es in Zukunft gehen wird, ist weniger das konkrete Produkt als vielmehr Orientierung in der komplexer gewordenen Welt. Man muss davon ausgehen, dass eine Welt vo zig Millionen von autonomen Autos durch die Stadt flitzen, Künstliche Intelligenz allgegenwärtig wird und gemäß der Singularity Doktrin der technische Fortschritt sich sogar noch beschleunigt, es eine ungeheure Nachfrage nach Bildung geben wird. Bildung ist das Mittel der Wahl mit Widersprüchen umzugehen und über den Dingen zu stehen. Sich also in der Gewinnerposition wiederzufinden wo man versteht wohin der Hase läuft. Genau das ist die heimliche Ware, die in Zukunft einen Wert haben wird. Auch wenn ein autonomes Auto vielleicht wie ein Wunder aussehen mag, ist es doch ein technisches Produkt. Und das kann man ähnlich wie Wissenschaft ganz allgemein, verstehen, einordnen und in einen Kontext setzen. ja, man kann es sogar weiterentwickeln und damit Spaß haben. Genau dafür braucht man jedoch Bildung, sehr viel sogar. Weil wie oben schon erwähnt, ist die Technologie nicht irgendwas, sondern es ist High-End-Wissen das eingesetzt wird. Die Gesellschaft im Jahr 2030 wird eine gänzlich andere sein, als in der Gegenwart. Und in dieser Gesellschaft werden die selbstfahrenden Autos nur die Spitze des Eisbergs sein, die eigentliche Veränderung wird sich in den Köpfen abspielen. Also was jemand denkt, wie er seinen Alltag organisiert, welche Medien jemand konsumiert oder sogar selber produziert. Schon heute spielt das Verkaufskonzept von Udacity mit negativen Emotionen. Den Leuten wird Angst gemacht, dass wenn sie nicht die vielen Kurse buchen, abgehängt zu werden vom technischen Fortschritt. Das plötzlich der erfahrene Robotikexperte Sebastian Thrun eben nicht mehr sagt: gut gemacht weiter so, sondern dass er dann sagt: ops, du gehörst wohl doch nicht zur Elite. Und dazu hat er jedes Recht, weil die klügsten Leute nunmal definieren wer in den Club reindarf und wer eben nicht. Jetzt kann man natürlich darauf hoffen, dass die Zukunft ähnlich wie die Vergangenheit auch über Geld definiert wird. Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit. Geld wird durch eine andere Währung abgelöst werden, die sehr viel mächtiger ist: Lulz.

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