Autoindustrie in den USA


Von Deutschland heißt es, dass es ein Autoland wäre mit einem Jahresumsatz von 320 Mrd EUR. Es wird geschätzt dass 3 Mio Erwerbstätige vom Automobilbau abhängig sind. Vom Volumen her sind die USA jedoch wesentlich größer. Nicht nur was die Anzahl der verkauften Fahrzeuge angeht sondern auch der Autosektor ist umfangreicher. Laut https://autoalliance.org/economy/ erzielt der Automotive Sektor in den USA einen Umsatz von 983 Milliarden US$, während 7,2 Mio Beschäftigte darin involviert sind. Richtig ist hingegen, dass Deutschland ein höheres Exportvolumen besitzt. Deutschland exportiert jährlich Autos im Wert von 190 Mrd EUR http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/konjunktur/190-milliarden-euro-autos-sind-wichtigstes-exportgut-deutschlands-12105973.html während die USA nur Güter im Umfang von 99 Mrd US$ exportieren.

Blickt man etwas in die Zukunft könnten die USA versuchen, den deutschen Markt kaputt zu machen. Damit ist besonders die neue Generation an autonomen Autos gemeint, die ab 2030 in Serienproduktion gehen sollen. Der Startvorteil der USA ist immens. Einerseits haben sie bereits die größeren Kapazitäten (produzieren also in absoluten Stückzahlen mehr Autos) gleichzeitig haben die USA aber noch eine weitere Stärke: Computersoftware, Computerhardware und Technische Universitäten. Da das autonome Auto zu einem Großteil auf Software basiert, dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach die USA aus diesem Handelskrieg als Sieger hervorgehen. Es ist eher unwahrscheinlich, dass es Deutschland gelingt den technologischen Vorsprung der USA im Bereich Computer aufzuholen. Anders formuliert, sollten tatsächlich ab 2030 autonome Autos in den Verkauf gehen, dürfte es für Deutschlands Autoindustrie sehr schwer werden auf diesem Markt zu bestehen. Im Bereich Künstliche Intelligenz hinkt Deutschland sehr weit hinter den USA zurück, aber auch gegenüber China ist es im Rückstand. China ist derzeit nicht konkurrenzfähig, weil es weder in der Lage ist gute Software zu entwickeln noch es eine langjährige Tradition a la Harvard, MIT und Stanford besitzt. Aber China hat sehr ehrgeizige Amibitionen diesen Rückstand aufzuholen und bastelt an einer eigenen Suchmaschine und eigener Computerhardware. In Deutschland hingegen passiert nichts davon. Wenn man objektiv die Fakten betrachtet, dürfte es ab 2030 einen Wettbewerb zwischen den USA und China geben, während Deutschland an den Rand der Bedeutungslosigkeit gedrängt wird. Das ist aktuell noch nicht vorstellbar, weil die Auftragsbücher gut gefüllt sind. Es sieht jedoch nicht gut aus.

Die Versäumnisse sind schnell benannt. Sowohl vom Umsatz als auch von den Gewinnen her hat die deutsche Autoindustrie extrem viel Spielraum für Forschung & Entwicklung. In keiner anderen Branche ist soviel Geld da wie im Bereich Automobilbau. Dieses Geld wird jedoch nicht in die Erforschung von autonomen Fahren investiert, weil man das Thema nicht als relevant erachtet. Das Preisgeld beim Carolo-Cup (einem Wettbewerb für autonome RC-Cars) beträgt läppische 5000 EUR. Und eine große Bedeutung erhält der Wettbewerb auch nicht. Die Branche hat das Thema schlichtweg verschlafen. Eigentlich hätte man spätestens 2005 aufwachen müssen, als im us-amerikanischen Wüstensand die DARPA ein kleines Wettrennen veranstaltet hat. Seitdem passiert ist jedoch nicht viel. Die Zukunftsprognose ist deutlich negativ. Damit ist gemeint, dass weder die Medien noch die Universitäten dem Thema eine größere Bedeutung beimessen. Das einzige was in Deutschland diskutiert wird, sind technikphilosophische Fragen, also ob der einzelne sich vorstellen könnte, mit einem autonomen Auto zu fahren. Mit solchen Diskursen bringt man jedoch die Technologie an sich nicht voran. Schaut man sich die Entwicklung an, so wird auch die nächsten 10 Jahre nicht viel passieren. Der Carolo-Cup wird weiterhin auf Sparflamme laufen und ab 2030 wenn die deutschen Autobauer dann erstaunt feststellen, dass sie die einzigen sind, die noch ein Lenkrad verbauen. Es wäre nicht das erste Mal in der Wirtschaftsgeschichte dass die Marktanteile neu verteilt werden.

Welche Möglichkeiten bleiben der Autoindustrie in Deutschland? Aus technischer Sicht leider nicht sehr viele. Ein Autopilot besteht aus zwei Komponenten: einmal aus Hardware wie die drive px2 Karte von nvidia. Und zweitens die Steuersoftware, also die Künstliche Intelligenz. Beides wird nicht in Deutschland produziert. Jedenfalls nicht auf dem Level wie es in den USA derzeit passiert. Den Rückstand in Jahren zu bemessen ist gewagt, aber er dürfte 15-20 Jahre betragen. Viel zu viel, als das man die USA einholen könnte. Das einzige worauf Deutschland spekulieren kann wäre, wenn die autonomen Autos niemals werden marktreif werden. Das also auch 2030 das Wunderauto nicht alleine durch die Stadt fahren kann, sondern wie es die Unfälle von Tesla und Co gezeigt haben, komplett überfordert ist, mit dichtem Verkehr. Das würde in der Tat Deutschland retten. Weil man dann schön weiter klassische Automobile bauen könnte.

Ein wenig erinnert diese Tragödie an die Golfstaaten. Diese exportieren Erdöl und brauchen sich um ihre Zukunft keine Sorgen zu machen. So ähnlich ist es mit Deutschland, dort werden Autos exportiert, ebenfalls mit der Lizenz zum Gelddrucken. Leider verleitet dieser Erfolg dazu sich nicht nach Alternativen umzusehen. Die Idee lautet, dass Erdöl die Welt immer wird haben wollen und das die Mercedes S-Klasse wird immer eine Nachfrager finden. Die Gefahr ist jedoch, wenn die S-Klasse die selbe Qualität beibehält, aber sich das Umfeld dramatisch verändert. Und genau danach sieht es aktuell aus. Was die USA machen ist nicht etwa Autos zu produzieren, sondern sie schaffen neue Märkte.

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