Bug: Mängel bei Academia.edu aufgetreten


Bisher war ich mit Academia.edu eigentlich rundum zufrieden. Der CEO Richard Price hat charmant erläutert wie die Zukunft des wissenschaftlichen Publizierens aussieht, zumindest eines meiner hochgeladenen Paper erzielt hohe Abrufzahlen und in der Google Websuche waren die Paper auch verlinkt. Es gibt jedoch eine Reihe von Nachteilen, die im folgenden benannt werden sollen.

1. Ein Paper kann man bei Academia.edu nur herunterladen, wenn man selbst Mitglied ist. Das Prinzip wurde von Facebook übernommen, wo man ebenfalls angemeldet sein muss um den Content zu lesen. Das ist einfach nur nervig und bindet die Leute an den Anbieter.

2. Eine Platzierung bei Google Scholar erfolgt nicht. Das hat zwar keiner versprochen, aber gehofft hatte ich es. Das heißt, selbst wenn man bei Academia.edu fleißig Paper veröffentlicht, ist man nicht wirklich sichtbar in der wissenschaftlichen Community und wird in Folge dessen auch nicht zitiert. Böse betrachtet ist Academia.edu nur ein Spiegelserver, wenn man ohnehin in einer richtigen OpenAccess Zeitschrift publiziert hat.

3. Es gibt nicht nur haufenweisen E-Mail Spam sondern im Online-Portal stößt man auf zahlreiche Funktionen die als Premium bezeichnet werden. Das heißt, man wird genötigt auf die Bezahl-Funktionen zu upgraden um so ein volles Mitglied zu werden. Was natürlich nichts anderes bedeutet, als dass man zunächst ein Paper schreibt, und dann auch noch Geld bezahlt damit es gut platziert wird, oder Likes erhält. Das ist genau das, was Academia.edu am jetzigen System kritisiert, aber es macht es selber.

4. Soetwas wie eine Diskussion unterhalb der Paper entsteht nicht. Neben einem Paper was ich vor 6 Monaten hochgeladen habe, steht jetzt nur ein hübscher Counter, der besagt dass 5 Leute da draufgeklickt haben. Ob das jedoch Bots waren oder echte User ist unklar. Soetwas wie eine Rückmeldung oder ein Echo in der wissenschaftlichen Community sieht anders aus.

5. Auch Academia.edu vermag nicht das Problem der mangelnden öffentlichen Wahrnehmung verbessern. Ein Beispiel: wenn ich ein Paper zum Thema Robotik in meinem privaten WordPress Blog hochlade, wird es exakt von 3 Leuten angeklickt. Bei Academia.edu sind es vielleicht 5. In beiden Fällen ist die Aufrufzahl viel zu niedrig, bei Academia.edu ist sie vielleicht etwas höher, aber es ist unbedeutend. Das Problem liegt weniger darin, ob das Paper unter einer http://academia.edu Domain oder unter http://wordpress.com Domain online geht, sondern das Problem ist schlichtweg, dass sich für Robotik niemand da draußen interessiert. Man kann das gut an Robotik-Artikeln innerhalb von Wikipedia interessieren. Normalerweise dürfte Traffic bei Wikipedia kein Thema sein, weil dieses Portal das beste Google Ranking hat was nur geht. Aber auch dort dümpeln Robotik-Themen nur dahin.

Fassen wir mal zusammen: Die Hoffnung war, dass mit Academia.edu das jetzige kaputte Wissenschaftssystem erneuert wird, dass es leichter ist für Außenstehende Paper zu veröffentlichen und dass es Feedback gibt. Nichts davon hat sich erfüllt, stattdessen ist Academia.edu ein gewinnorientierter Konzern der mit einer Story über die mögliche Zukunft versucht Leute zu binden. Richard Price erzählt, dass jeder ein Wissenschaftler sein kann. Obwohl das natürlich Quatsch ist. Wer schon in der Science Community Aktiv ist, der kann bei Academia.edu eine Super-Präsenz errichten und dort die Paper hochladen, die auch im Elsevier schon online sind. Wer jedoch noch gar keine Reputation besitzt ist bei Academia.edu an der falschen Adresse. Weder wird er bei Google Scholar verlinkt, noch wird er zitiert werden.

Ich will nicht sagen, dass ich es bereue bei Academia.edu einige Paper hochgeladen zu haben. Ganz im Gegenteil, ich konnte sehr viel dabei lernen und möchte es jedem zum Nachmachen empfehlen. Aber auf Dauer ist es Zeitverschwendung. So wie sich Richard Price die Sache vorstellt wird sie nicht eintreten.

Überlegen wir mal wie der Fallback aussieht. Der Fallback bedeutet, dass es ein Internet gibt, was sich mittels Google durchsuchen lässt und dass man dort irgendwo — ganz egal unter welcher URL — etwas publiziert. Dafür braucht es keine neuen Portale oder auch keine Startups, sondern es reicht auf der Client-Seite ein halbwegs aktuelles Betriebssystem und auf der Server Seite ein Webserver der die Seite hostet. Die Vorstellung man könnte durch Portale wie ResearchGate und Co die Sichtbarkeit der eigenen Paper erhöhen ist Quatsch. Das ist nur der Köder, mit dem die Firmen versuchen Kunden anzulocken. Die Sichtbarkeit, also der Traffic hängt primär vom Thema ab, und wenn man in einem Nischenthema aktiv ist, wird der Traffic automatisch klein sein.

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