Macht ein Google Scholar Watchblog Sinn?


Zunächst ein kleiner Exkurs zur Struktur eines Watchblogs. Ein gutes Beispiel ist https://blog.fefe.de/ Jedes Posting beginnt mit einem Link zu einem aktuellen Artikel der in einer Online-Tageszeitung wie Sueddeutsche, FAZ oder auf BBC erschienen ist und danach kommt dann der Kommentar von Fefe. Medientheoretisch handelt es sich dabei um einen remote-Comment. Anstatt auf der jeweiligen Homepage der Tageszeitung sich einzufügen in die vielen anderen Kommentare wird die Antwort im eigenen Blog erzeugt und nur auf den OP verlinkt.

Offen ist derzeit die Frage, ob man diese Watchblog-Struktur auch einsetzen kann um damit Google Scholar zu kommentieren. Genauer gesagt, die PDF Paper welche dort erscheinen. Anstatt also ein Antwort-Paper zu schreiben, was ebenfalls in Google Scholar online geht, nutzt man die Blog-Funktion um remote einen Kommentar zu schreiben. Rein technisch geht sowas bestimmt. Man müsste am Anfang des Artikels den PDF verlinken und schreibt darunter dann seinen Kommentar. Problematisch bei Google Scholar Papern ist, dass nicht alle Paper verlinkbar sind, weil sie sich hinter Paywalls befinden oder sich die URL ändern kann. Bei Arxiv Papern dürfte es noch relativ leicht sein, weil die URL des PDFs konstant ist, bei anderen Repositorien wie ResearchGate oder auf Uni-Servern ist es jedoch schwieriger. Aber rein theoretisch müsste es gehen. Die Frage bleibt nur, was genau man kommentaren will, also am besten natürlich aktuelle Paper die noch ganz neu sind, und die auf Deutsch erschienen. Das sind gar nicht mal soviele wie man zunächst erwartet. Für 2017 hat Google Scholar über alle Fachbereiche hinweg nur 71000 Paper zur Auswahl. Weiter einschränken kann man den Zeitraum nicht, das heißt, es ist unklar, ob sie im Feb oder im Mai geschrieben wurden.

Unklar ist, ob man PDF Repositorien von Unis überhaupt anpingen kann, also ob der ursprüngliche Autor einen Pingback erhält. Aber zumindest Google dürfte den Querverweis erkennen, es wäre sinnvoll wenn man da einen Parser hat, der eine URL automatisch zuordnet.

Es gibt aber noch ein weiteres Problem und zwar inhaltlicher Art. Wenn man sich ein typisches Paper von google Scholar hernimmt wird man feststellen, dass es ziemlich schwer im Magen liegt. Es ist etwas anderes als ein locker geschriebener Zeitungsartikel der irgendwo erscheint und den man aus der Hüfte kommentieren kann. Will man dem OP gerecht werden, muss man sich den Text von vorn bis hinten durchlesen. Sowas dauert. Schwer vorstellbar, dazu einen schnellen Kommentar schreiben zu können. Man kann es versuchen, dürfte aber scheitern. Das Problem ist, dass Google Scholar Artikel eben ein ganz besonderes Medium sind. Die Autoren führen ihre Gedanken in epischer Breite aus und unterscheiden sich damit grundsätzlich von Webforen wo man in spätestens 5 Sätzen zum Punkt kommt. Anders formuliert, ich bin skeptisch was ein Google Scholar Watchblog angeht. Rein technisch könnte mal wohl fleißig Pingbacks setzen, ob man inhaltlich der Herausforderung gewachsen ist dürfte die Frage sein.

Desweiteren macht es wenig Sinn, den Zeithorizont nur auf das letzte Jahr einzuschränken. Will man ein Thema wissenschaftlich behandeln wird man auch ältere Paper zur Kenntnis nehmen müssen. Das macht den Ansatz eines topaktuellen Watchblogs hinfällig.

Womöglich ist das auch der Grund dafür, warum wissenschaftliche Paper nur selten kommentiert sondern höchstens zitiert werden? Die wissenschaftliche Community steht seit jeher vor dem Problem, dass anders als in den sozialen Netzwerken eine Kommentarfunktion unterhalb von Papern entweder technisch gar nicht vorgesehen ist oder wenn sie aktiv ist, sie unbenutzt bleibt. Es gab schon mehrere Versuche sogenanntens OpenPeer Review einzuführen, wo man also Paper von Kollegen kommentieren darf / soll. Das hat sich nie so recht durchsetzen können. Ja mehr noch, wenn ich gefragt werde, wie man seine eigene wissenschaftliche Arbeit schreiben soll, so würde ich dazu raten überhaupt keine fremden Texte zu zitieren, weil das nur den eigenen Gedankenfluss unterbricht. Das ist natürlich komplett kontraproduktiv in Bezug auf wissenschaftlichen Austausch oder das Bilden von Communites.

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