Wissenschaftliche Paper schreiben für wen genau


Inzwischen kann ich stolz auf mehrere Paper zurückblieben, die ich selbst geschrieben habe. Im Laufe der Monate ist mir dabei etwas aufgefallen und zwar, dass anders als es häufig in den Ratgeberliteratur drinsteht, das Schreiben eines Papers nichts mit einer wissenschaftlichen Community zu tun hat. Das man Paper schreibt, um darin andere Autoren zu zitieren bzw. selbst zitiert zu werden ist nur ein frommer Wunsch der mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat. Keines meiner Paper wurde bisher irgendwo zitiert und es sieht nicht danach aus, als ob das bald passieren wird. Aber noch schlimmer. Auch wenn ich selbst einmal andere Autoren zitiert habe, so war das ehrlich gesagt immer mit einem spöttischen Untertan. An eine Textpassage wo ich wohlwollend auf andere Autoren eingegangen bin und deren Idee weitergedacht habe, kann ich mich nicht erinnern. Insofern habe ich sie nicht zitiert um darauf aufzubauen, sondern mich darüber lustig zu machen und mich darüber zu erheben. Das ist eine Spielart des wissenschaftlichen Schreibens auf die ich wahrlich nicht stolz bin aber nicht abstellen kann. Der Grund ist, dass ich insgeheim denke, selber der größte zu sein und alle anderen unterstelle keine Ahnung zu haben, obwohl das natürlich nicht stimmt. Aber so lesen sich meine Paper.

Anders formuliert, ich glaube kein einziger Autor den ich zitiert habe, wird froh darüber sein, wenn er wirklich meinen Text liest wird er vermutlich das nicht so toll finden, genannt zu werden. Ob diese Art der Kommunikation nun die richtige Form des wissenschaftlichen Diskurses ist, mag man bezweifelt, aber sie hat sich im Laufe der Monate von selbst herausgebildet.

Ich vermute mal, wenn ich selbst irgendwann von anderen zitiert werden sollte, dann wird man mir das doppelt und dreifach heimzahlen. So dass wenn ich dann formell zitiert werde, dabei nicht gut wegkommen werde. Das heißt, ich werde mir wünschen, dass ich lieber nicht im Literaturverzeichnis von anderen Autoren auftauchen werde. Sollte diese mit einem ähnlichen Anspruch an das Schreiben der Texte herangehen wie ich selber, dann ahne ich schlimmes. Böse formuliert besteht die Gefahr, dass es in eine Art des Battle-Rap ausartet, wo man also die Gegenseite formell zur Kenntnis nimmt, sie auch brav mit volständigem Namen aufführt, dann aber inhaltlich nur schlechtes zu berichten weiß.

Wenn ich ehrlich bin, sehe ich andere Autoren die ebenfalls etwas zu Robotik geschrieben haben keineswegs als Community in der man zusammenarbeitet, sondern eigentlich bin ich lieber meine eigene Community. Und wenn dochmal eine andere Arbeit als positiv bewertet wird, dann ist das nur ein vorläufiges Urteil, was auf mangelnde Bildung meinerseits basiert und hoffentlich in Zukunft revidiert werden kann. Mein heimlicher Masterplan lautet, die anderen Autoren Bloßzustellen, also herauszuarbeiten wo ihre Schwächen sind um sie dann auszumanövrieren. Mit Wissenschaft hat das nichts mehr zu tun, sondern mit einer überheblichen Arroganz. Diesen Schuh muss ich mir selber anziehen. Das Problem ist, dass mir andere Autoren eigentlich immer egal waren, worum es mir geht sind inhatliche Fragen. Also wie man Roboter programmiert und was Künstliche Intelligenz ist. Dass Autoren wie Yann Lecun, Sergey Levine oder Emo Todorov dazu etwas veröffentlicht haben, ist ohne Bedeutung. Genauso könnte man die Autoren auch als Hans, Peter und Klaus bezeichnen, es sind Namen die in einem Bibtex-Feld vermerkt sind, nichts weiter.

Wo das nächste Paper veröffentlichen?
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Aktuell habe ich ein Paper in der Pipeline. Es handelt sich um mehr als 50 Seiten im PDF Format was sich thematisch mit einem Robot-Control-System beschäftigt, eine schöne Literaturliste hat und im Anhang sogar den kompletten Python Sourcecode. Die Frage die sich stellt lautet: wo soll ich es veröffentlichen? Mit Academia.edu habe ich gebrochen soviel ist sicher. Von dem „academic social network“ bin ich enttäuscht, und zwar weil die dort hochgeladenen Paper sowieso nicht in google Scholar erscheinen und man als Autor ohne universitäre E-Mail Adresse ohnehin nur in der zweiten Liga steht. Wenn man hingegen das Paper einfach hier in meinem WordPress-Account hochlädt, wäre es als PDF abrufbar, vollständig durchsuchbar mittels Google und es würde eine hübsche URL erhalten.

Es gibt jedoch auch einige Punkte die trotz allem für Academia.edu sprechen. Zum einen werden in dem Paper ausschließlich Quellen zitiert die aus Google Scholar kommen, auch das Layout orientiert sich an wissenschaftlichen Veröffentlichen. Und was noch viel wichtiger ist, obwohl Richard Price Illusionen verbreitet die sein Netzwerk nicht einlösen kann, konnte ich doch von ihm sehr viel lernen über wissenschaftlichen Publizieren. Irgendwie fühle ich mich daher verpflichtet, trotz allem und wieder besseren Wissens das Paper zu Academia.edu hochzuladen. Wohl wissend, dass es dort hinter einem Paywall-artigen Schild verschwindet, nicht wirklich als wissenschaftliches Paper anerkannt ist und überhaupt jeder richtige Wissenschaftler über soviel Eifer nur lächeln kann.

Anders ausgedrückt, obwohl ich eigentlich Academia.edu schon lebenwohl sagen wollte, fällt der Abschied doch schwerer als gedacht. Nicht dass es irgendwelche Vorteile hätte, ganz im Gegenteil die Nachteile überwiegen bei weitem. Aber nach wie vor ist es noch der beste Ansatz in Sachen wissenschaftlichen Publizieren. Zwar nicht in seiner aktuellen Form, aber dafür von der Idee her. Vermutlich ist die Wahl zwischen WordPress und Academia.edu unerheblich, weil eh niemand das Paper wird lesen wollen. Es ist auf Deutsch und behandelt wie die anderen Paper auch ein Robotik-Thema. Weiterhin ist es gar keine richtige wissenschaftliche Arbeit, sondern eher eine Auflistung was alles in der Software nicht funktioniert. Aber sei es drum. Die Datei einfach mittels „rm paper8.pdf“ zu löschen kommt nicht in Frage.

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