SAT Tests erzeugen ein Klima der Angst


Die Qualität der US-amerikanischen Hochschulen ist so niedrig wie nie. Die Paper die sich mittels Google Scholar recherchieren lassen weisen erhebliche Mängel auf, neue Erkenntnisse sind nicht darunter, und noch dazu ist die verwendete Sprache unverständlich. Auch der US-Wirtschaft mangelt es an Innovationen. Was sind die Ursachen dafür? Dazu muss man sich nur mal die jährlich stattfindenen ritualartig durchgeführten Eingangstests, genannt SAT, anschauen. Diese erzeugen bei den Teilnehmern schon die Nacht davor Bauchschmerzen und wenn man in so einen Test nicht besteht noch viel mehr. Die Aufgaben in diesen Tests erzeugen einen sozialen Diskursraum, der die Teilnehmer in Gewinner und Verlierer spaltet. So ähnlich wie bei einer Sekte werden einige den Test bestehen anderen hingegen nicht. Eine Mentalität des Denunziantentums ist die Folge. Wenn man sieht, wie der Banknachbar versucht zu betrügen, und man das dem Lehrer meldet kann man sich davon eine wohlwohlende Beurteilung der eigenen Arbeit erhoffen. Und wer die SAT Test als positiv und wirksames Methode der Bestenauslese beschreibt, kann es weit bringen.

Und ja, es gibt eine enge Korrlation zwischen durchgeführten SAT Tests und wissenschaftlichen Output in Form von Phd Thesis. in der Form, dass je mehr von diesen SAT Tests durchgeführt werden, die Qualität der veröffentlichten Paper immer schlechter wird. Anders formuliert, wer in der Lage ist, eine hohe SAT Punktzahl zu erzielen, wird nicht nur die Uni absolvieren, sondern er wird auch grottenschlechter PDF Paper bei Elsevier veröffentlichen in denen kompletter Unsinn über DeepLearning drinsteht, was die Wissenschaft garantiert nicht weiterbringt.

Und als wäre das noch nicht genug, haben sich rund um abgelehnte Studenten mit zu niedrigen Punktzahlen noch Auffang-Universitäten wie Udacity und Coursera gebildet wo man auch ohne Eingangsprüfung ein Nanodegree erwerben kann, was zwar keinen Wert besitzt weil man dafür nichts leisten muss, aber eine sehr gute Methode ist, wie man Leuten das Geld aus der Tasche zieht.

Was all die laut Testfragebogen guten bis sehr guten SAT Ergebnissen amerikanischen Studenten an wissenschaftlichen Papern zutage bringen verrät ein Blick auf Google Scholar. Man muss dort als Zeitraum lediglich das Jahr 2017 einschränken und wird dann eine Unmenge an nichtssagenden und schlechten Papern begegnen, welche formal alle tadellos sind, aber in ihrer Gänze das Versagen des Hochschulsystems offenlegen.

Das Grundproblem ist, dass Studenten die Angst haben zu versagen, nicht logisch denken können und in Folge dessen lausige Wissenschaftler sind. Vielleicht sollte man etwas zur Geschichte des SAT Testes sagen, wozu er ursprünglich entwickelt wurde. Es ging früher einmal darum, innerhalb einer Armee Disziplin und Respekt herzustellen. Also Befehl und Gehorsam sicherzustellen um die eigenen Reihen geschlossen zu halten und Gemeinschaft herzustellen. Aus dieser Zeit kommt der SAT Test und dafür ist er optimal geeignet. Man kann damit wunderbar den Leuten, eigenständiges Denken abgewöhnen und sie zu folgsamen Soldaten ausbilden. Nur, wissenschaftliche Innovationen lassen sich darüber nicht erzeugen. Weil man dafür Kreativität, Ungehorsam und Individualität benötigt.

FAILURE
Sowohl in der Softwareentwicklung als auch in der wissenschaftlichen Forschung ist Failure nichts schlechtes. Ganz im Gegenteil: es gilt sogar das Motto „fail often“. Damit man ein gutes Experiment durchführen kann, muss man es zunächst einmal an die Wand fahren und sich dann überlegen wo der Fehler lag. Das Problem beim SAT Test ist jedoch, dass man dort aus den Fehlern nichts lernt. Egal wie häufig man den Test nicht besteht, man selbst wird dadurch nicht klüger. Der Grund dafür ist, dass der Test ein geschlossenes System darstellt, bei dem es nicht um die Punktzahl geht sondern darum wie jemand anderes einen bewertet. Das ganze ist ein Rollenspiel. Man gewinnt dadurch, dass jemand anderes sagt „super gemacht“.

Nur, sowohl in den Naturwissenschaft, Geisteswissenschaften oder in den Computerwissenschaften ist dieser Maßstab unwichtig. Wissenschaft ist etwas anderes als ein Beauty-Contest. Wissenschaft heißt, dass selbst wenn alle andere sagen, dass man falsch liegt, man trotzdem Recht haben kann.

STANFORD
Hier https://college.harvard.edu/do-i-need-minimum-required-sat-act-or-subject-test-score findet sich die Haltung der sogenannten Elite-Universität Stanford zum SAT Test:

„We regard test results as helpful indicators of academic ability and achievement when considered thoughtfully among many other factors.“

Anders gesagt, gibt Stanford damit zu, dass ihre Universität wie ein großer SAT Test funktioniert, und es viele Möglichkeiten gibt auch während des Studiums in Prüfungen durchzufallen, Tests nicht zu bestehen und mit Autoritäten in Konflikt zu geraten weil man abschreibt oder das Zeitlimit überschreitet. Das ist doch mal eine ehrliche Ansage, da weiß man wenigstens worauf man sich einlässt bei seinem Studium. Generell ist nicht verboten, eine Universität nach dem Vorbild einer Kadettenakademie zu gestalten wo man morgens zum Fahnenapell antritt, die Hymne absingt und dann sich insgeheim freut, dass wieder einige Leute die Prüfung nicht geschafft haben. Da schweißt die Gemeinschaft doch nur umso stärker zusammen …

ZIELE
Vielleicht ist es an der Zeit einmal zu definieren, wohin die Reise gehen soll, also was von Studenten und Phd Doktoranden erwartet wird und worauf es letztlich ankommt, wenn schon die SAT Punktzahl abgeschafft gehört. In den Wissenschaften, egal welcher, gibt es nur einen einzigen sinnvollen Maßstab zur Leistungsbewertung. Und das sind veröffentlichte Paper auf Academia.edu. Also diese typischen 8 Seiten LaTeX / MS-Word Paper die voll sind mit LIteraturangaben und ein Thema in seiner Tiefe behandeln. Paper, die anschließend von anderen Forschern zitiert werden und woraus sich in gemeinsamer Anstrengung dann neues durchsetzen lässt. Das schreiben eines wissenschaftlichen Papers ist der eigentliche Battleground worauf Studenten hin trainiert werden sollen. In diesem Metier gibt es Verlierer und Gewinner, aber selbst die Verlierer können etwas dabei lernen.

Leider nimmt im heutigen Hochschulsystem, das Schreiben und veröffentlichen von Papern einen zu geringen Stellenwert ein. Es wird nicht gefördert, ja es wird sogar alles dafür getan, die Leute auf dem Weg dorthin zu behindern. Genau genommen darf man im heutigen Hochschulsystem erst nach einer sehr langen Reise ein Paper schreiben. Man muss zuvor den SAT Test bestanden haben, eine Uni gefunden haben, dort 4 Jahre studiert haben, dann einen erfolgreichen Abschluss hingelegt haben, dann sich für ein PhD entschieden haben, dann einen Antrag auf OpenAccess APC durchgebracht haben und dann die Zeitschrift PLOS überzeugt haben, dass das eigene Paper gut genug ist. Bis man das geschafft hat, vergehen 10 Jahren und es sind nur sehr sehr wenige, die diese Weg bis zu Ende gehen. Falls man nur an einer Stelle versagt, war es das mit der wissenschaftlichen Karriere und man wird nicht in 1000 Jahren irgendwas publizieren.

Dabei ist das Schreiben eines Papers sehr viel leichter als einen SAT Test zu bestehen. Im Grunde reicht es aus, sich mit der Materie auszukennen und fleißig in Google Scholar recherchiert zu haben. Dann sollte man noch fit sein mit einem Schreibprogramm und man sollte schonmal bei Wikipedia als Autor aufgetreten sein. Mehr braucht es nicht um ein durchschnittlicher oder sogar guter Autor eines wissenschaftlichen Papers zu werden. Warum das System es seinen Studenten so schwer macht ist unklar. Es ist vermutliche eine Mischung aus Unfähigkeit, Machterhalt, mir-doch-egal Haltung und Geld die das jetzige kaputte Wissenschaftssystem am Leben hält.

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