Wie aussagekräftig sind Einstellungstests?


Das Einstellungstests beliebt sind bei Personalverantwortlichen ist kein Geheimnis. Wer sich für eine Beamtenlaufbahn oder bei einem Großkonzern bewirbt, kommt fast automatisch mit Testfragebögen in Kontakt. Aber auch immer mehr Hochschulen verwenden Eignungstest um die Studierfähigkeit ihrer Bewerber zu ermitteln. Es handelt sich dabei keineswegs um stupide „Idiotentests“ wie häufig unterstellt wird, also um das ermitteln der nächsten Zahl bei einer Zahlenfolge wie „2,4,6,8, …“, sondern moderne Einstellungstest sind eher aufgebaut wie dieser hier: https://www.indiabix.com/online-test/java-programming-test/ Das ist eine URL wo sich Java Programmieraufgaben befinden. Genau sowas wird bei Facebook eingesetzt um Bewerber auszuwählen und sowas könnte auch eine Universität nutzen, um Informatiker zu selektieren. Das Niveau dieser Test ist durchweg hoch bis sehr hoch. Das heißt, man muss sich mit der Thematik auskennen und man wird zur Bearbeitung dieser Tests die veranschlagte Zeit vollständig ausnutzen.

Die Frage die sich stellt lautet, ob solche Tests nützlich sind oder nicht. Und was genau sie eigentlich abfragen? Üblicherweise wird dies in der Sprache der Psychologen als „Aussagekraft eines Tests“ bezeichnet. Damit ist gemeint, ob das Testergebnis vorhersagen kann, wie die Person sich später im Unternehmen verhalten wird. Der Grund, warum Personalleiter diese und ähnliche Tests einsetzen ist weil sie die Aussagekraft als hoch einschätzen. Die Annahme lautet, dass jemand der eine hohe Punktzahl in so einem Test erzielt auch später einmal hohe Leistungen erzielt.

Dennoch halte ich den Einsatz von Persönlichkeitstests um die Studierfähigkeit einer Person zu untersuchen für hochproblematisch. Und zwar explizit wegen der Vorhersagbarkeit der Ergebnisse. Damit ist gemeint, dass derartige Tests vor allem eines abfragen: Gehorsam. Also die Bereitschaft sozial erwünschte Antworten zu geben und den Test als solche zu akzeptieren. Das wichtigste Merkmal solcher Tests besteht darin, dass die Antworten bekannt sind. Damit ein Test durchgeführt werden kann, muss zumindest der Testleiter wissen, was man bei Aufgabe 1,2,3 ankreuzen muss. Und genau das kommt in der Realität nicht vor, jedenfalls nicht in der Realität der Forschung wo es darum geht unbekannte Sachverhalte zu untersuchen.

Mal ein Beispiel: Wenn Linus Torvalds den Sourcecode von Linux verbessert, dann löst er damit keinen Programmierquiz wo schon vorher klar ist, in welche Richtung er denken muss, sondern er löst ein Problem was bisher noch keine Lösung hat. Das heißt, es gibt keine richtige Antwort im eigentlichen Sinne. Anders ausgedrückt, die komplette Testbatterie auf https://www.indiabix.com/online-test/java-programming-test/ ist objektiv betrachtet wertlos. Es würde zwar mehrere Tage dauern, bis man sie komplett bearbeitet hat, aber neue wissenschaftliche Erkenntnisse über Programmieren im Allgemeinen und Java im besonderen lassen sich daraus nicht ableiten. Anders ausgedrückt, die Programmiersprache wird nur instrumentalisiert, um damit etwas anderes zu machen, nähmlich einen sozialen Raum zu erzeugen indem Leute entweder bestehen oder durchfallen.

Und hier kommen wir zum Kern der Kritik an Einstellungstests. Sie sind nur dann valide, wenn die Arbeit später im Unternehmen oder in der Universität repressiv funktioniert. Wo also strikte Hierarchien und Autoritäten benötigt werden, und man nicht über Fachwissen motiviert wird, sondern über Gehorsam. Anders ausgedrückt, Eignungstest sind besonders für solche Unternehmen von Interesse, die sehr starre Strukturen aufgebaut haben und für einzelne Mitarbeiter wenig bis gar keinen Freiraum lassen. Anders ausgedrückt, wenn sich eine Universität als Klippschule versteht und vielleicht sogar eine Prügelstrafe besitzt, dann sind Einstellungstests optimal geeignet. Sie bilden den kunftigen sozialen Raum ab und erlauben eine hohe Vorhersagbarkeit der Ergebnisse. Wenn jedoch die Universität mehr in Richtung Forschung, Kreativität und Eigenständigem Denken funktioniert, dann sind Einstellungstests denkbar ungeeignet um interessante Kandidaten zu erhalten.

SAT EXAM
Die Nutzung von Einstellungstest ist keineswegs ein rein deutsches Phänomen, sondern in den USA gibt es mit dem SAT Test ein standardisiertes Verfahren was alle Hochschulbewerber durchlaufen müssen. Die oben genannte Kritik trifft auf den SAT Test zu. Das heißt, sollte es tatsächlich eine Korrelation zwischen SAT Punktzahl und späterem Sutdiererfolg geben wäre das ein Skandal und zeigt auf woran das us-amerikanische Hochschulsystem krankt. Auch beim SAT Test sind die Antworten vorher schon bekannt, nur wissen eben die Kandidaten nicht die Antwort. So eine Situation ist künstlich und autoritär gleichermaßen, mit Forschung oder gar innovativer Forschung hat das nichts zu tun.

Es ist ein wenig unfair die Kritik nur am SAT / ACT Test selber abzuladen, weil der Test nichts anderes ist als eine endlose Folge von Fragen und Ankreuzmöglichkeiten. Das Problem ist vielmehr das was passiert wenn der Test bestanden wurde. Das eigentliche Problem entsteht, wenn man auch das richtige Studium wie einen SAT Test organisiert, wo also die Studenten in den Prüfungen ebenfalls Fragen beantworten müssen, die sich jemand anderes ausgedacht hat um darüber dann eine Note zu errechnen. Ich weiß, das sowas bei allen US-Universitäten verbreitet ist und niemand das in Frage stellt, aber es ist der grundsätzlich falsche Ansatz wie man Bildung durchführt.

Ich glaube, viel würde es helfen, wenn man die ausgefüllten SAT Bögen und Midterm-Exams einmal ins Internet stellt. Weil das immer, auch wenn alles richtig ausgefüllt wurde, Protokolle des Scheiterns sind. Welchen Wert hat ein Paper, was aus einem eingescannten und ausgefüllten SAT Test besteht. Kann man so ein Paper mit einer DOI Nummer versehen und in der eigenen Arbeit zitieren? Und wenn ja, auf welchen eigenständigen Gedanken will man da verweisen? Etwa auf die Tatsache, dass jemand die hälfte falsch ausgefüllt hat oder auch alles richtig ausgefüllt hat? Nein, mit wissenschaftlichen Arbeiten hat das nichts zu tun, es ist ein Konzept aus vergangenen Zeiten und gehört abgeschafft.

Mit etwas suchen konnte ich folgendes eingesannte Bild entdecken: https://lh3.googleusercontent.com/QZoRTN6Q0n291ZceZQoW0V9WCoybPDC-k3APJPiE42DEkmMCxNm6YsyO7J_rCLTeXPey=h900 es handelt sich um einen vollständig ausgefüllt SAT Test. Ganz oben steht „Section 1“, die aus 52 Fragen besteht und bei jeder Frage kann man zwischen a,b,c,d auswählen. Das ganze sieht aus, wie eine Lochkarte, nur das darin kein Sourcecode kodiert ist, sondern die Antworten eines Studenten. Ob der Test richtig oder falsch ausgefüllt wurde ist unklar, und es spielt auch keine Rolle. Das Dokument ist jedenfalls nicht zitierwürdig, man kann es nicht nutzen um darauf aufbauend zu wissenschaftlichen Erkenntnissen zu gelangen.

Anfangs mag man vielleicht zurückschrecken, wenn man behauptet, Einstellungstests wären ein Merkmal einer Winkelschule. Aber was bedeutet es, wenn man so einen SAT Test nicht besteht. Doch nichts anderes als das die Prügelstrafe noch angewendet wird. Im Regelfall heißt nichtbestehen, dass man die Karriere als Akademiker nicht einschlagen kann. Hier https://www.youtube.com/watch?v=dNZkc6eCrss ist jemand der auf Youtube bekennt, dass er den SAT Test verhauen hat. Ein bisschen sieht er so aus, als hätte er gerade vom Lehrer einen Rohrstock auf seine Finger bekommen und schreit jetzt seinen Frust in die Welt hinaus.

Man sollte vielleicht dazu sagen, dass es sich um einen Jungen handelt, dass er wütend auf das System ist, ist kaum zu übersehen. Schauen wir uns jetzteinmal an, wie das weibliche Geschlecht auf nicht bestandene SAT Tests reagiert: https://www.youtube.com/watch?v=nNDHD0kJCj0 Der Unterschied ist, dass diesmal das Video weniger aggressiv ist, sondern mit einer traurigen Hintergrundmelodie hinterlegt ist. Das heißt, ganz dem Rollenklische entsprechend reagieren Männer und Frauen unter Stress unterschiedlich. Aber wütend ist das Mädel auch, soviel ist sicher, so als ob auch sie vom Lehrer eine fette Trachtprügel auf den Hintern erhalten hat.

Versuchen wir die gewählte Sprachduktus näher zu analyisieren. Dass die Sprache Englisch ist, spielt dabei keine Rolle, sondern worum es geht ist dass aus dem Fehlschlag heraus eine paranoide Haltung entsteht (alle sind gegen mich), die in Zynismus mündet. Zynismus wiederum ist eine Ist-Beschreibung wie die Welt aussieht, also so beispielsweise:

„Hey, ich habe den SAT nicht bestanden, eigentlich hätte ich gedacht, ich schaffe es. Aber laut der Punktzahl hat es nicht gereicht. Das ist schade, damit sind meine Pläne für die Zukunft hinfällig, ich habe jetzt keine Optionen mehr und ein Einspruch gegen das Ergebnis ist unmöglich. Meine beste Freundin hat den Test bestanden sie ist jetzt glücklich und wollte mich sogar trösten. Aber darauf habe ich keine Lust. Die Welt hat sich gegen mich verschworen. Es gibt keinen Ausweg mehr.“

Was kann man den gefrusteten US-Studenten raten? Wie kann man sie aufbauen? Ich glaube zunächst einmal gilt es zu analysieren was die Ursache sind, warum solche Tests durchgeführt werden. Der Grund ist, dass das die Hochschulen sehr autoritär geführt werden und der SAT Test einen Vorgeschmack darauf bietet. Die komplette Karriere in einer Universität besteht darin, dass man jedes Jahr solche SAT Tests schreiben muss, mit steigendem Schwierigkeitsgrad. Das heißt, die Hochschulen führen Eingangstests durch, weil sie insgesamt auf Noten und Tests fixiert sind. Dieses Festhalten an Rituatlen ist ein Zeichen für ein kaputtes Uni-System. Es erklärt, warum die USA in der Wissenschaft immer weiter zurückfallen. Gerade die Leute, die den SAT Test nicht bestehen hätten vermutlich den Durchbruch gebracht bei der Suche nach einem Krebsmedikament, oder hätte das selbstfahrende Auto realisiert. Das heißt, letztlich ist es eine Loose-Loose-Situation.

Normalerweise bewundere ich das US-amerikanische Hochschulsystem. Elite Unis wie Stanford oder das M.I.T. gehören zu den besten ihrer Art. Und die Paper die an diesen Universitäten geschrieben werden, finde ich großartig wenn sie mir auf Google Scholar begegnen. Aber der Fehlgriff mit dem Eingangs SAT Test wirft auf die US-Hochschullandschaft ein sehr unschönes Bild.

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