Das Publizieren einer wissenschaftlichen Arbeit


Obwohl aus Sicht von Academia.edu das jetzige Publishing-System schwerfällig, zu langsam und generell von schlechter Qualität ist, lohnt es sich den Ablauf wie er sich darstellt zu beschreiben. Und sei es nur einen möglichen Bypass dazu ausfindig zu machen. Als Einstieg bietet sich die FAQ https://www.ksp.kit.edu/FAQ vom „KIT Scientific Publishing“ an. Es handelt sich dabei um einen Kleinstverlag der einem Forschungsinstitut angegliedert ist und der die Abläufe so wie sie heute sind erläutert.

Unter der Frage „Wer darf veröffentlichen“ wird explitit gesagt, dass nur Forscher dürfen die am KIT arbeiten, Außenstehende nicht. Das mag man jetzt kritisieren, es ist aber wenigstens eine klare Ansage. Auch interessant sind die Erläuterungen in Bezug auf:
– elektronisches Dokument (was in Suchmaschinen registriert wird)
– Papierveröffentlichung, die als Book on demand oder auf Recyclingpaper gedruckt wird

Auch finden sich klare Angaben über den Peer-Review Prozess, wonach grundsätzlich jede Arbeit einen solchen durchläuft. Die KIT Publishing FAQ enthält für den kompletten Prozess des Publishing sehr detailierte Angaben und man enthält einen guten Eindruck was es heißt „eine Arbeit veröffentlichen“. Damit ist der Prozess gemeint, der zwischen dem reinen Schreiben eines Textes bis zur Vergabe einer DOI Nummer auf einem Server benötigt wird.

Der Ablauf des Veröffentlichens selber ist anders als man vielleicht denken möchte, zeitgemäß. Sowohl die Papiergebundene Veröffentlichung als auch das rein digitale Publizieren entspricht mehr oder weniger dem aktuellen technischen Stand. Ebenso das Peer-Reviewing und weitere Dinge wie das Beantragen einer DOI Nummer. Selbst wenn man extrem konfrontativ eingestellt ist, wird man bei diesem Prozess nichts finden was ernsthaft in Frage gestellt werden kann.

Und dennoch, aus Sicht von „Academia.edu“ ist der Prozess überholt. Bis ein Werk veröffentlicht ist, vergehen 24 Monate und es entstehen Kosten von 3000 EUR und mehr. Die Frage ist also, an welchem Moment in der Verwertungskette besteht Optimierungsbedarf?`Und genau um diese Frage zu beantworten war es nötig, die obige FAQ zunächst einmal zu kennen. Innerhalb der Kette wird man nichts finden was entbehrlich ist, oder wo man einen alternativen Weg beschreiten kann, wenn man es anders machen will muss man man eine Stufe vorher ansetzen. Das heißt konkret, dass der Autor sein PDF auf seinem PC erstellt und sich dann den kompletten publishing-Prozess spart. Das heißt, er sendet das PDF nicht zum „KIT Publishing Dienst“, beantragt kein Peer-Review, entscheidet sich nicht für das recycling Papier und trägt das Dokument nicht in Suchmachinen ein, sondern veröffentlicht das PDF als unpublished draft. Die Bezeichnung unpublished bedeutet, dass die Verwetungskette von KIT Publishing oder vergleichbaren Diensten ignoriert wurde, es sich also um ein Werk handelt bei dem wichtige Dinge fehlen und was sich auf einem Protostadium befindet.

Das Veröffentlichen von unpublished drafts ist kein neuer / alternativer Weg sondern es ist verzicht. Das heißt, man hat keine bessere Technologie oder macht die Dinge anders, sondern lässt alles weg was als Publishing bezeichnet wird. Dieser Verzicht hat eine Reihe von Nachteilen:
– keine DOI Nummer
– kein Eintrag in Suchmaschinen
– kein gedrucktes Expemplar
– keine Qualitätssicherung durch Peer Review
– keine Eintragung im Verzeichnis lieferbarer Bücher
– keine Veröffentlichung auf einem OpenAccess Repository

Kompensiert wird dieser Mangel nicht, sondern ein unpublished document weißt diese Nachteile auf. Es ist gewissermaßen ein Geschenk, was komplett ohne Verpackung daherkommt. Kein Glitzerpapier, keine Grußkarte, keine Schleife, gar nichts, ja noch nichtmal einen schönen Karton, sondern nur das plumpe Geschenk selber. Ob das ausreicht, muss jeder selber entscheiden. Es kommt darauf an, wem man es überreichen möchte.

Wenn man Publishing mit unpublished draft vergleicht ist natürlich das klassische Publishing überlegen. Wo also ein längerer Prozess durchlaufen wird, und dafür gesorgt wird, dass das Paper in die gängigen Verzeichnisse eingetragen wird, dass es vielleicht sogar rezensiert und beworben wird und das es auch noch 3 Jahre später auffindbar ist und zwar Kostenlos so wie es OpenAccess vorsieht. Dennoch haben auch unpublished drafts ihren Charme. Weil man das vermeintlich unnötige weglässt kann man die Kosten drücken und sich mehr auf die Inhalte fokussieren. Während die Kollegen noch mit dem Publisher über die Farbe des Einbandes diskutieren, kann man selbst schon wieder das nächste Paper schreiben. Der komplette publishing Vorgang wird umgangen, stattdessen wird das PDF Paper einfach in eine dropbox ähnliche Umgebung geschoben und fertig. Es gibt dafür keine Werbung, man bittet niemanden es zu lesen, man macht überhaupt nichts, sondern überlässt das Finden, Lesen und Bewerten einer nicht näher definierten anonymen Masse. Die werden irgendwann per Zufall auf das PDF stoßen, vieleicht aber auch gar nicht, weil es in den offiziellen Verzeichnissen nicht gelistet wird. Das ist ein bisschen so wie beim „guerilla gardening“, keine Ahnung ob das jemand von den jüngeren noch kennt, aber es geht dort darum, dass man Gartenarbeit macht ohne Gartenarbeit zu machen. Anders gesagt, man lässt die Dinge einfach laufen ohne einzugreifen.

Man sollte sich jedoch keine allzugroßen Hoffnungen machen was das Ergebnis angeht. guerilla publishing hat die unangenehme Eigenschaft zu scheitern. Damit ist gemeint, wenn man kein Geld ausgibt um die Arbeit in den Markt hineinzupushen sie dort auch keinen Erfolg haben wird. Im Regelfall ist es so, dass Guerilla Taktiken mit einer Niederlage enden. Das heißt, man wird nicht zitiert werden.

MARKETING
Gerne würde ich an dieser Stelle eine Reihe von Tipps aufführen, wie man einerseits auf klassisches Publishing verzichtet aber dennoch erfolgreich sein Paper bewirbt. Das Problem ist, dass ich keine Tipps kenne. Wenn man auf klassisches Publishing verzichtet werden die Chancen wahrgenommen zu werden absinken bis auf Null. Haben es wissenschaftliche Publikationen ohnehin schon schwer eine Leserschaft zu finden, ist es bei unpublished drafts so gut wie ausgeschlossen. Die einzige Möglichkeit besteht darin, dass jemand mittels google per Zufall darauf stößt aber auch dann ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass das Werk zitiert wird, weil es keine DOI Nummer besitzt und demzufolge keine wissenschaftliche Quelle darstellt. Anders formuliert, auf ordentliches Publishing sollte man nicht verzichten, es sei denn es ist egal, ob das Paper gelesen wird. Und das heißt, dass einem auch die Wissenschaft egal ist. Man sich selbst also nicht verantwortlich fühlt für das was in der Robotik geschrieben wird oder wohin sich die Forschung entwickelt. Ja man sich nichtmal als Teil davon sieht. Das einzige was man noch verkörpert ist eine Verlierer-Attitüde. Wo also jemand nochnichtmal in der Lage war, ein formeles Publishgin anzustoßen und damit die ganze Community runterzieht.

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