Anmerkungen zu IQ Tests


Normalerweise wird IQ Tests und Einstellungstests nachgesagt sie könnten gut vorhersagen wie sich ein Kandidat später auch im richtigen Leben verhält. Und dass der IQ Wert ein Bestandteil der eigenen Persönlichkeit wäre. Aber spricht das wirklich für IQ Tests oder ist das nicht eher ihre größte Schwäche? Machen wir es etwas konkreter: wer in der Klassenstufe 1 einen IQ Wert von 120 erzielt (was ein sehr hoher Wert ist) wird aller Voraussicht nach in Klassenstufe 8 den selben Wert erzielen. Der Grund ist, dass der IQ Test immer derselbe ist. Insofern kann man unterstellen, dass der IQ Wert tatsächlich eine messbare Größe wie die Schuhgröße darstellt. Viel spannender ist jedoch, wenn man die Schule evaluiert in der solche IQ Tests durchgeführt werden. Ist diese Schule konkurrenzfähig gegenüber anderen Schulen die keinen IQ Test nutzen? Man kann inhaltlich auch noch um einiges schärfer argumentieren. Nehmen wir mal an, der IQ Test besteht darin, dass man Zahlenreihen fortführen soll. Und die komplette Schule unterrichtet nur diese eine Sache. Das heißt, sowohl in Klasse 1 als auch als Abschlussprüfung. Ist so eine Schule konkurrenzfähig gegenüber einer Institution wo auch Sport, Kunst, Mathematik und Physik unterichtet wird? Wohl nicht.

Das heißt, IQ Tests sind einerseits ausgezeichnete Instrumente der Persönlichkeitsdiagnostik die genau das können, was ihre Befürworter versprechen, gleichzeitig sind sie jedoch ein denkbar ungeeignetes Unterrichtsinstrument. Was es wirklich braucht sind genauere Leistungsbeurteilungen. Also wo zunächst einmal definiert ist, was Leistung eigentlich sein soll. In fast jedem Ratgeber zu IQ Tests steht drin „Intelligenz ist das was ein Intelligenztest misst“. Das heißt übersetzt nichts anderes, als der Test sowohl die Maßstäbe vorgibt, als auch ihr Einhalten überwacht. Die Frage ist, ob dieser Rahmen ausreichend ist für Schulen oder ob man nicht andere Ziele definieren sollte.

Die Frage die sich stellt lautet, ob der IQ Wert mit anderen erwünschten Fähigkeiten wie dem Bewältigen eines Studiums in Zusammenhang steht. Alle Messungen in dieser Richtung deuten darauf hin. Das also jemand mit einem hohen IQ Wert es auch leichter hat sich an einer Universität zurechtzufinden. Aber auch das ist ein Hinweis darauf dass IQ Tests das falsche Instrument sind um Leistung zu bewerten. Es könnte nähmlich sein, dass Universitäten mit Absicht so funktionieren wie ein IQ Test, dass also die vielen Prüfungen elementarer Bestandteil des Bildungssystems sind und dafür sorgen sollen, dass Leute mit hohen IQ Werten einen Vorteil erhalten, während Leute denen es schwerfällt sich irgendwo einzufügen systematisch benachteiligt werden. Die Frage ist nicht so sehr, ob jemand einen hohen oder niedrigen IQ-Wert erreicht, sondern die Frage ist wie Insitutionen funktionieren in denen sowas wichtig ist.

Hier https://www.youtube.com/watch?v=jsoNkbJNSXY gibt es ein Fail Video was an einer University aufgenommen wurde. Hier ist noch ein Beispiel https://www.youtube.com/watch?v=Dw1nUlHZHpY für Negativ-Pädagogik, diesmal aufgenommen an einer Grundschule. Schauen wir uns heutige Universitäten einmal an, so geht es dort keineswegs um inhaltiche Frage sondern Universitäten betreiben Auslese. Sie nehmen einige Studenten an, und lehnen viele ab. Universitäten legen sowohl die Maßstäbe fest, und sie überprüfen auch wer sie erfüllt. Selber jedoch stehen Universität nicht unter Evaluation. Das ist auch gar nicht erforderlich, weil Harvard immer Recht hat. Es ist nicht vorgesehen, dass sich Professoren rechtfertigen. Sondern wenn ein Professor eine Arbeit verfasst sendet er sie an ein geheimes Peer-Review Commitee das zu dem Schluss kommt dass seine Forschung wichtig ist und was die Fördergelder bewilligt. Soetwas wie eine öffentliche Evaluation von Forschung und Lehre existiert nicht. Ja mehr noch, wenn man ein PDF Dokument was ein Professor geschrieben hat, herunterlädt und es bewertet wird man wegen Verletzung des Urheberrechts verurteilt. So funktioniert das autoritäre System. Bleibe selbst unangreifbar und entscheide wem du vertraust. Das ist das Motto des dysfunktionalen Bildungssystems.

Jetzt kann man zurecht sagen, dass es schwer ist für ein Fach wie Biologie einen objektiven Bewertungsmaßstab zu finden. Selbst die Anzahl der Klicks die ein Paper erzielt sagen nichts über seine Qualität aus. Und in der Tat hier gibt es ein grundsätzliches Problem, weil eben nicht klar ist, was genau „intellektuelle Leistung“ eigentlich sein soll. Nur komischerweise sind sich Universitäten nicht zu fein, dennoch offizielle Leistungsmaßstäbe vorzugeben, jedenfalls in den Anfängerkursen. Es gibt nicht wenige Studenten die im Fach Biologie die Prüfung nicht bestehen, weil sie die Antwort auf eine Frage nicht wussten. Offenbar ist es so, dass in der Grundschule und im Erstsemester es relativ leicht ist, objektive Maßstäbe festzulegen und erst weiter oben gibt es keine Bewertungsmöglichkeiten mehr. Aber ist das wirklich so, oder sind Leistungsbewertungen nicht immer subjektiv?

Die Arbeitshypothese lautet, dass IQ-Tests soziale Räume schaffen in denen zwischen Sieg und Niederlage unterschieden wird. Diese sozialen Räume korrellieren mit gesellschaftlichen Machtstrukturen wie Behörden, Armee, Universitäten. Ein IQ Test macht nur Sinn, wenn man zwei Seiten hat: den Prüfer und den Kandidaten. Diese Seiten verhandeln über Karrierechancen und der IQ Test ist Element dieser Gespräche. Mindestbedingung für ein erfolgreiches Abschneiden in solchen Tests ist die Bereitschaft die soziale Rollen zu akzeptieren. Wer den Test als solchen in Frage stellt disqualifiziert sich.

Häufig wird gefordert, man sollte in den Schulen die Benotung abschaffen und die Universitäten sollten auf den SAT Eingangstest verzichten. Das halte ich für grundverkehrt. Sowohl Universitäten als auch Schulen funktionieren grundsätzlich autoritär. Ohne Tests zur Elitenauslese würden sie nicht funktionieren. Meine Empfehlung lautet, den Einsatz solcher Tests zu verstärken. Also mehr davon durchzuführen, die Mindestpunktzahl heraufzusetzen und eine Spaltung der Gesellschaft in Kauf zu nehmen. So dass am Ende nur sehr wenige den Sprung an die Universitäten und damit in die Politik schaffen wo sie dann umso mehr Macht besitzen. Das sind dann jene Persönlichkeiten, die sich am besten innhalb klarer Strukturen behaupten können und welche durch ihre eigene hohe Punktzahl ein Überlegenheitsgefühl entwickeln, sich also selbst als Elite betrachten und ihren Erfolg als verdient ansehen. Das ist die ideale Ausgangsbedingung um Macht in den Händen von wenigen zu konzentrieren.

SELBSTTEST
Zum Abschluss dieses kleinen Blogposts noch ein kleiner Selbsttest. Wenn du den obigen Text gewissenhaft gelesen hast, fällt dir die Beantwortung der Fragen leicht.

Frage 1: Kann man mit IQ Tests den späteren Berufserfolg vorhersagen? Ja / Nein
Frage 2: Was sind mögliche Nachteile von IQ-Tests?
– ein IQ Test gibt die Maßstäbe vor, die er selbst abfragt
– die IQ Test Punktzahl korreliert mit dem Wetter
Frage 3: Schafft ein IQ-Test soziale Räume? Ja / Nein?
Frage 4: Erläutern sie in 2 Absätzen warum Harvard am SAT Eingangstest festhalten soll!

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