Linux Distribution bauen ist einfach, oder?


Wenn man die richtige Anleitung gelesen hat ist das Zusammenbauen einer Linux Distribution simpel. Im ArchLinxu Wiki ist die Prozedur dafür auf wenigen DIN A4 Seiten beschrieben. Man braucht lediglich einen Paketmanager, und einen Installer der vorkompilisierte Dateien zu einer ISO Datei verbindet, dann noch einen simplen grafischen Installer und fertig ist die 1-Mann-Linux Distribution. Soweit alles kein Problem. Die Schwierigkeit besteht lediglich dann, wenn man eine Weile wartet. Was passiert mit der Distribution 1 Monat nachdem sie installiert wurde, 2 Monate danach und 6 Monate später. Und hier treten dann die echten Probleme auf. Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten, entweder hält man die Distribution laufend aktuell, sogenannntes Rolling-Release oder man entwickelt Patches nur für die Änderungen. In beiden Fällen kann man dabei viel falsch machen. Will man 20000 Pakete und mehr manuell pflegen braucht man relativ viel Manpower, siehe das Beispiel Debian. Wenn man über Rolling-Release und automatische Updates arbeitet kommt man zwar mit weniger Manpower aus, benötigt aber den mitdenkenden User, der zur Not eingreift und Init-Scripte manuell anpasst oder noch besser das System neu aufsetzt. Wirklich eine Lösung dafür gefunden wurde bisher nicht.

Der effizienteste Weg eine Linux-Distribution zu pflegen wird derzeit von Redhat und ihrem Fedora Projekt gezeigt. Aber auch das benötigt viel Manpower, sehr viel Geld und ist fehleranfällig. Generell ist also das Zusammenbauen einer Linux-Distribution selbst wenn man die sourcen des Upstreams schon vorliegen hat, eine diffiziele Angelegenheit. Für ein 1-Mann-Projekt ist das viel zu komplex.

Das Linux from scratch Projekt behauptet etwas anderes. Dort wird suggeriert, dass man Linux auch alleine hochziehen kann und sich dann im Teil mittels Automated Linux from Scratch die Arbeit sogar erleichtern kann. Nur mal ehrlich: wer hat damit schon ein funktionierendes System aufgebaut und das längere Zeit betrieben? Und selbst wenn ja, kann man das auch Leuten empfehlen welche Computer nur als Anwender nutzen oder um damit ins Internet zu gehen?

Wenn ArchLinux es geschafft hätte ihre Scripte und Installer so robust zu machen, dass manuelle Eingriffe entfallen wäre das meine bevorzugts Linux-Distribution. Schön schlank, gleichzeitig topaktuell und komplett als Open Source — so sollte Linux sein. Das Problem mit Arch ist jedoch, dass man jahrelang versucht hat, die Probleme zu lösen, bis heute jedoch ohne Erfolg. Zu oft gibt es Probleme, und dann wissen selbst die Arch-Maintainer nicht woran es lag. Ein bisschen erinnert ArchLinux an Automated Linux from Scratch: eine fabelhafte Idee aber leider nicht praxistauglich.

Schauen wir uns im Gegensatz dazu an, wie Redhat funktioniert. Dort wird genauso vorgegangen wie auch bei Microsoft. Das heißt, es gibt bezahlte Mitarbeiter, die Bugtracker aktualisieren, Patches schreiben und zur Not auch Änderungen mit dem Upstream abstimmen. Der Prozess bis die nächste Version fertig ist, ist aufwendig und teuer, aber das Ergebnis überzeugt. Auf Anwenderseite ist es ausreichend wenn man gar nichts macht, und die Dinge einfach laufen lässt. Jetzt wäre es natürlich spannend zu erfahren wie man Redhat verschlanken kann, also das selbe Ergebnis mit weniger Personal hinbekommt. Aktuell kennt darauf niemand eine Antwort, vielleicht kommt in 10 Jahren ein Genie des Weges der eine bessere Lösung kennt. Der wird dann etwas entwickeln womit er Redhat in Frage stellt. Bis es soweit ist, heißt es Geduld üben.

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