OpenSource und das Versprechen auf Herstellerunabhängigkeit


Das schöne an der mißglückten Linux-Umstellung der Stadt München „LiMux“ ist, dass der Ablauf der Geschichte gut dokumentiert ist. Es gibt zahlreiche Pressebereichte, 1 Stündige Vorträge und sehr unterschiedliche Perspektiven auf die Ereignisse die 2003 begonnen und damit endeten, dass München jetzt wieder Microsoft einsetzt. Viele haben darüber gerätselt was die Ursache für das Versagen war. Überwiegend hat man die IT-Abteilung als Schuldigen ausgemacht, also Leute die entweder zuviel oder zuwenig Ahnung von Linux hatten. Doch ganz so einfach ist es nicht. Meiner Meinung nach ist der Umstieg gescheitert, weil man dem Marketing-Versprechen Linux aufgessen war, das nichts mit der Realität zu tun hat.

Das Marketing-Versprechen geht ungefähr so: Der böse Microsoft Konzern zockt seine Kunden ab, weil er pro Jahr 200 EUR für eine Server Lizenz haben will, und selbst wenn man das bezahlt, muss man mit Virenangriffen rechnen und erhält nochnichtmal Einblick in den Sourcecode. Wenn man hingegen ein Linux einsetzt wie z.b. Debian ist dort nicht nur die Technik fortschrittlicher, sondern man spart auch Geld und fördert freie Software.

Das ist jenes Bild das in Linux Zeitschriften, auf den Chemnitzer Linux Tagen und auch in vielen Büchern verbreitet wird. Es ist ein sehr attraktives Bild was jedoch einen Makel hat: es ist komplett erlogen. Was Linux hingegen in Wirklichkeit ist, kann man nirgendwo nachlesen. Um Linux zu verstehen muss man sich auf Fedora fokussieren. Es handelt sich um eine Distribution von Redhat. Der Witz ist, dass Linux und Redhat ein und desselbe ist. Es gibt nicht unterschiedliche Distributionen, die von einer bunten Community mit Software bestückt werden, sondern der gesammte Linux Stack wird von Redhat Angestellten entwickelt und zu einer Distribution geschnürt. Dazu zählt der Linux Kernel selbst, das ext4 Dateisystem, die Freedesktop-Oberfläche bis hin zu LibreOffice. Hier http://community.redhat.com/home/ ist zu lesen, wo Redhat überall als Contributer tätig wird. Die Liste ist nicht vollständig, es gibt fast nichts wo Redhat nicht involviert ist. Aber es geht noch weiter. Auch die zentrale CVE Exploit Datenbank wird von einer Stiftung gepflegt wo Redhat beteiligt ist: der Mitre Corperation.

In der Außendarstellung von Linux wird das Märchen verbreitet, es gäbe von einander unabhängige Communities. Also einmal die Programmierer und dann die Distributionen. Das ist so nicht richtig. Die sogenannten Linux Distributionen wie Debian oder ArchLinux sind nichts anderes als Redhat Clone. Sie nutzen die Pakete der Redhat Entwickler, etikettieren diese um und behaupten das wäre ihr Linux. In Wahrheit ist Ubuntu, Debian und Co jedoch nicht technologiegetrieben, sondern es sind Marketing-Vorgaben von Redhat.

Diese Realität wird in den gängigen OpenSource Büchern nicht erzählt, weil sie der gewünschten Außendarstellung von Freier Software zutiefst wiederspricht. Keineswegs ist Linux das Gegenteil von Microsoft, sondern Linux ist ein verbessertes Microsoft. Was den Anwender noch mehr gängelt, wo man noch abhängiger ist von einem Konzern und wo man noch weniger Freiheiten hat. Schauen wir uns mal die Realität an, bei dem Behörden oder Unternehmen den Schritt gegangen sind weg von Microsoft hin zu Linux. Das erstaunliche daran ist, dass alle erfolgreichen Umstellungen bei Redhat endeten. Wie ein simpler Blick in das Preisverzeichnis zeigt, sind Redhat Server um einiges teurer als Microsoft Server. Rabette gibt es keine. Beispiele für andere erfolgreiche Umstellungen hin zu Ubuntu oder zu Gentoo Linux gibt es keine.

Was sagt uns das? Es sagt uns, dass man sich den Wechsel auf Linux gut überlegen sollte. Man kann ihn entweder erfolgreich durchführen, das endet damit dass man bei Redhat landet, sich in die Abhängigkeit eines Großkonzerns begibt und weitaus mehr Geld ausgibt als bei Microsoft, oder es endet wie im Fall LiMux wo man auf das Marketing-Versprechen hereinfällt und dann in der Realität erkennt, dass Linux anders funktionert als erhofft.

Die gute Nachricht im Fall von LiMux lautet, dass weder die Politiker noch die IT-Abteilung der Stadt München Schuld an dem Desaster hatte. Und zwar deswegen nicht, weil es weltweit keine andere Stadt, Unternehmen oder Behörde gibt, die auf Debian erfolgreich gewechselt ist. Das ist technisch auch gar ncht möglich. Debian existiert nur aus einem Grund: um Desinformationen zu verbreiten. Also das Märchen von der freien OpenSource Welt anzustimmen und so zu tun, als gäbe es kein Redhat, sondern als ob Linux von unahbängigen Entwicklern entwickelt wird, die irgendwo in Brasilien oder sonstwo wohnen und aus lauter Spaß an der Sache Sourcecode schreiben und Pakete pflegen.

Und LiMux ist auch nicht das letzte Projekt was scheitern wird. Auch in China fällt man auf die selben Marketing-Versprechen herein. Dort versucht der Staat auf Basis von Ubuntu die Linux Umstellung, das Projekt nennt sich „Ubuntu Kylin“. Ebenfalls mit der gleichen Intention wie in München auch: es geht darum, die Abhängigkeit von Microsoft zu reduzieren, Freie Software einzusetzen und die eigenen Kosten zu senken. Auch „Ubuntu Kylin“ muss scheitern. Wenn China wirklich auf Linux umsteigen wollte, hätten sie Redhat kontaktiert, Ubuntu Kylin hingegen ist keine Distribution, sondern es ist ein Märchen.

Um die Entstehung und die Arbeitsweise von Redhat zu verstehen ist es wichtig ins Jahr 1995 zurückzugehen. Damals gab es lediglich Microsoft welche Serverbetriebssysteme angeboten hat (Windows NT, einige werden sich erinnern). Die Frage damals war, wie Microsoft das Monopol auf Software behalten kann, wenn es irgendwann quelloffene Software gibt. Redhat war darauf die Antwort. Redhat wurde gegründet um OpenSource zu fördern, genauer gesagt um es zu kontrollieren. Die Mechanismen unterscheiden sich leicht von dem wie Microsoft gearbeitet hat. Zu Zeiten von Microsoft war es ausreichend, wenn man einen Kopierschutz in die Software einbaute und mit Anwälten Jagd gegen Raubkopierer machte. Bei Redhat ist die Ausgangslage schwieriger. OpenSource bedeutet, dass kein Kopierschutz da ist. Dennoch hat Redhat einen Weg gefunden wie man geistiges Eigentum schützen kann, und zwar dadurch dass man die Informationen selbst kontrolliert. Redhat macht das so, dass die Handbücher für ihre Software hinter einer Paywall liegen, genannt Redhat Customer Network, Zugriff auf diese Handbücher erhält nur derjenige, der eine Subscription abschließt. Um noch mehr Kontrolle auszuüben, hat Redhat alle Programmierer angeheuert, die Ahnung hatten von Betriebssystemen. Sie programmieren zwar allesamt Freie Software, aber diese Software tut exakt das was Redhat beschließt. Wenn Redhat Standards etablieren möchte so geht das. Der Rest war dann nur noch Fleißarbeit. Man musste einfach dafür sorgen, dass der Linux Kernel so gut ist, dass er jede Anforderung spielend bewältigt und schon hatte man ein Betriebssystem was auf der einen Seite kostenlos kopiert werden konnte, worüber man jedoch gleichzeitig die Kontrolle besaß. Linux war geboren.

Diese Methoden von Redhat sind nicht neu und auch nicht ungewöhnlich. Wer sich die Geschichte der Computerindustrie in den 1980’er anschaut wird bei Firmen wie Borland, Microsoft und Adobe exakt das selbe bemerken. Die Methoden damals waren jedoch plump und als solche zu erkennen. Der Anwender wurde beispielsweise mittels Dongel an den Hersteller gebunden und das Monopol war an closedSource gebunden. Redhat hingegen funktioniert raffinierter. Einerseits gibt es eine Marketing-Abteilung (Ubuntu und Co) welche der Welt erzählt dass Linux kostenlos sei, und das es von Freiwilligen gepflegt werde. Und auf der anderen Seite gibt es den Redhat Konzern selber wo strikte Guidelines befolgt werden und man sich gegen die Welt in einem Krieg befindet der Microsoft alt aussehen lässt.

Wenn Microsoft erzählt, dass sie preiswerter sind und gegen einen Großkonzern rebellieren, dann halten das viele für Marketing-PR. Aber Microsoft sagt die Wahrheit. Es ist ein Underdog, der letzte verbleibende freie Softwarekonzern der sich Redhat erfolgreich wiedersetzt hat. Es ist ein Unternehmen, dass für seine Kunden da ist und sie mit preiswerter Software versorgt. Also mit unabhänger / freier Software. Nicht Microsoft ist der Feind, sondern Linux ist es.

OPEN SOURCE
Das Versprechen von OpenSource lautet, dass man darüber Monopole verhindert, die Kosten für die Anwender reduziert sowie mehr Freiheit erhält. Keines dieser Versprechen hat sich in der Realität eingelöst. Das genaue Gegenteil ist passiert. Dadurch, dass der Sourcecode einsehbar ist, wurde der Aufwand um dort Hintertüren einzubauen erhöht. Das heißt, man hat jetzt 1 Mio Lines of Code von dem man zwar alles im Editor anzeigen kann, aber was der Code in Wirklichkeit macht ist ein Geheimnis. Ferner wurde versprochen, dass sich die Kosten reduzieren. Die Realität ist, dass ein Unternehmen heute 1500 EUR jährlich bezahlt nur für einen simplen EAL4+ zertifizierten Redhat Server. Microsoft hat selbst zu Hochzeiten nicht einen derartigen Geld-Hunger entwickelt. Gleichzeitig ist es heute ausgeschlossen, dass ein anderes Unternehmen zu Redhat in Konkurrenz gehen könnte. Zu Zeiten von Microsoft gab es zumindest noch Hersteller wie Novell die alternative Betriebssysteme angeboten haben. Zu Redhat hingegen gibt es keine Alternative. Aber das schlimmste ist wohl, dass man bei Microsoft wenigstens weiß, dass sie böse Dinge im Sinn haben und im Zweifel die Kunden einfach ausplündern. Redhat hingegen hat es geschafft, seine Kunden selbst darüber zu täuschen.

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3 Gedanken zu “OpenSource und das Versprechen auf Herstellerunabhängigkeit

  1. es existieren alternativen:

    a) FreeBSD
    b) NetBSD
    c) OpenBSD
    d) DragonflyBSD
    e) QNX

    mit denen es mMn moeglichwaere, einen zu RH konkurrenzfaehigen softwarestack darzustellen.

    btw. der linux kernel ist mMn technisch veraltet und nicht wirklich ein beispiel von design :)

  2. „Debian GNU/kFreeBSD“ habe ich doch glatt unterschlagen. Danke für den Hinweis. Dort ist die Welt noch in Ordnung. Man setzt konsequent auf nicht-kommerzielle OpenSource Software in Tradition von Richard Stallman. Wenn ich mir die Stimmung im Debian Projekt anschaue, so könnte das die Zukunft sein. Das man also generell auf den Linux Kernel verzichtet und lieber mit FreeBSD und Mach weiterarbeitet. Bei der Gelegenheit kann man sich auch gleich von weiteren kommerziellen OpenSource Projekten verabschieden wie Systemd, KVM und Java. Soweit ich weiß läuft FreeBSD wunderbar in der Microsoft Azure Cloud (https://www.heise.de/ix/meldung/Unix-Derivat-FreeBSD-11-1-steht-zur-Verfuegung-3783577.html)

    Aber mal Spaß beiseite. FreeBSD ist nicht konkurrenzfähig. Das System strotzt nur so von Fehlern und eine Community gibt es auch keine. Der Ansatz gegen Red Hat zu stänkern klingt mir zu stark nach Microsoft-Propaganda. Faktisch ist es so, dass eben nicht FreeBSD der Nachfolger von UNIX.com ist, sondern dass diese Aufgabe Red Hat übernommen hat. Kommerziellen Support im Sinne von Kundenbetreuung, und Abgleich mit CVE-Exploit-Listen gibt es für FreeBSD auch keinen. So dass man es möglichst nicht in Produktivsystemen einsetzen sollte.

  3. mir geht es nicht um „konkurrenz“, sondern um die freiheit software zu implementieren, wie es mir gefaellt und mMn nicht nach diktion einiger developer von RH, wobei der linux kernel sowie komponenten im userspace [von unixoiden OS, die diesen linux kernel integrieren] mMn [aus sicht von software engineering] weitaus noch mehr vor fehlern strotzt, als bspw. BSD lizensierte unix-derivate oder mMn die interne struktur von QNX.

    allein schon die tatsache, dass keine stabilen kernel programmer interfaces [KPI, linux-kernel] existieren, ist mMn nach eine bankrotterklaerung bzgl. desgin und architektur im feld von software developement.

    -> http://www.kroah.com/log/linux/stable_api_nonsense.html

    monokultur [siehe M$], was mMn RH anstrebt, im feld von operating systems engineering behindert den techn. fortschritt. RH versucht mMn das „rad“ [unix-konzept] zu zerstoeren und mMnes als eckiges zu erfinden.

    nun, FreeBSD hat schon so seine „dunklen“ ecken [im user- / kernel-space] :)

    bspw. wuerd ich rc-ng *grusel* durch

    -> http://smarden.org/runit/

    ersetzen. bei OpenBSD existieren mMn einige

    -> https://www.phoronix.com/scan.php?page=news_item&px=OpenBSD-Sucks-Presentation

    kritikpunkte..

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