Ich sags ja, dass Wissenschaftssystem ist kaputt


Als ob das etablierte Publikationssystem nicht schon genug Nachteile hätte, kommt doch jetzt doch tatsächlich jemand auf die Idee das auch noch gut zufinden. Zur Erinnerung: die Nachteile die ohnehin beim akademischen Publizieren sind eine lange Dauer bis das Manuscript online steht, der nicht vorhandene Peer-Review Prozess sowie eine Paywall welche 2/3 der Weltbevölkerung ausschließt, aber das alles reicht https://skeptischeoekonomie.wordpress.com/2017/07/11/warum-es-ok-ist-sci-hub-zu-nutzen-obwohl-es-illegal-ist/ noch nicht, sondern er möchte ontop auch noch Sci-hub fördern. Man kann sich die Vision ungefähr so vorstellen: Nicht nur, dass es stolze 2 Jahre dauert, bis ein Fachverlag eine Arbeit begutachtet hat, sondern danach wird sie nicht etwa als OpenAccess veröffentlicht sondern verschwindend in einer illegalen Tauschbörse wo man nur noch Lesezugriff erhält wenn man vorher eine Strafstat begeht (das Herunterladen). Ungefähr das nennt man wohl eine Dystopie. Wie man sowas allen ernstes auch noch als erstrebenswert oder gangbaren Weg beschreiben kann ist mir unklar. Es handelt sich um ein Armutszeugnis wenn sich sowas irgendwas durchsetzen sollte. Damit wären Jahrhunderte der Aufklärung zurückgedreht und wir wären wieder im Mittelalter (Stichwort verbotene Bücher, Ketzerei usw.).

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4 Gedanken zu “Ich sags ja, dass Wissenschaftssystem ist kaputt

  1. Ich möchte einige Sachen klarstellen. Erstens: dass es lange dauert, bis das Manuskript online steht, liegt beim akademischen Publizieren gerade daran, dass es einen Peer-Review-Prozess gibt. Zweitens: der verlinkte Text von mir ist kein Plädoyer für Sci-Hub als Dauerlösung (was bei halbwegs genauem Lesen eigentlich ersichtlich sein müsste), sondern er zeigt, warum es (trotz der Illegalität) eine gangbare Zwischenlösung ist, solange ein vernünftiges System nicht vorhanden ist.

  2. Zu den Punkten im Detail.

    1.) Peer-Review-Prozess: Peer-Review bedeutet, dass man als Autor seinem Publikum das Recht einräumt, das Paper zu lesen und ein Urteil darüber zu fällen. Wenn der einzige Leser den man hat, ein Verlag ist dann wurde das Paper ja gerade nicht veröffentlicht.
    2.) Sci-Hub als Übergangslösung: Die Universitäten und die Bibliotheken befinden sich in keinem Transformationsprozess sondern in einem erstarrten Zustand. Sie sind nicht in der Lage auf Herausforderungen angemessen zu reagieren oder ihren Publikationsrythmus umzustellen. Das ist ja der Grund warum jetzt private Anbieter wie ResearchGate und Co aus dem Boden sprießen weil das neue und das alte inkompatibel sind.

  3. Zu 1: Hier muss man zwischen pre-publication und post-publication peer review unterscheiden. Was du meinst (glaube ich), ist Letzteres – das bieten zzt tatsächlich nur vereinzelte Open-Access-Journals an. Ersteres, wo das eingereichte Manuskript an üblicherweise 2-3 externe Gutachter (andere Wissenschaftler, nicht Verlagsangestellte o. Ä.) rausgeschickt wird, ist hingegen Standard.
    Zu 2: In Deutschland verhandelt ein Konsortium aus Hochschulen und Forschungsinstituten (DEAL) gerade mit Elsevier, Wiley und Springer. Die Forderung ist erstens, dass es für das gesamte Konsortium einen gemeinsamen Lizenz-Vertrag gibt (und nicht, wie bisher, Einzelverträge für jede einzelne Institution), sowie dass alle Publikationen von Forschern deutscher öffentlich finanzierter Institutionen open-access publiziert werden [ähnliche Forderungen gibt es übrigens auch seitens der Europäischen Kommission]. Wiley und Springer zeigen sich wohl kooperativ, nur Elsevier stemmt sich zzt dagegen. Deswegen kündigen die meisten beteiligten Bibliotheken gerade ihre laufenden Verträge mit Elsevier, um den Verlag so zum Einlenken zu bewegen. Kurzum: für mich klingt das schon nach einem Transformationsprozess, nicht nach Starre.

  4. 2.) Rahmenvertrag DEAL mit Elsevier, Wiley und Springer:
    Dass die Bibliotheken versuchen ihre Kosten zu senken wundert mich gar nicht. Laut der „Deutsche Bibliotheksstatistik 2015“, https://www.hbz-nrw.de/produkte/bibliotheksstatistik/auswertungen kosten die Universitätsbibliotheken den Staat jährlich 1 Mrd EUR. Davon betragen die Kosten für Erwerbungen von Büchern und Zeitschriften 327 Mio EUR. Im internationalen Maßstab ist das noch ein Schnäppchenpreis. Großbritanien oder die USA geben das fünfache pro Student und Jahr aus, damit sie die Zeitschriften von Elsevier und Wiley lesen dürfen.

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